29 März 2019, 07:30
Woelki: Anpassung an die „Lebenswirklichkeit“ ist der falsche Weg
 
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Für Erneuerung der Kirche sei es angeraten, sich gerade nicht von einem vermeintlichen Zwang zum Handeln unter Druck setzen zu lassen - Mögliche Lockerung des priesterlichen Zölibats oder die Priesterweihe für Frauen bewertet Woelki kritisch

Köln (kath.net/pm)
Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat sich in einem Gastbeitrag für die katholische Zeitung „Tagespost“ selbstkritisch mit der Lage der Kirche in Deutschland auseinandergesetzt. Nicht allein durch den Missbrauchsskandal sei viel Vertrauen verloren gegangen, auch die Verkünder des Glaubens hätten offensichtlich Fehler gemacht und dazu beigetragen, dass heute immer weniger Menschen die Bedeutung der Kirche auch für ihr eigenes Leben verstünden. Die notwendige Erneuerung der Kirche, so Woelki, könne allerdings nur aus dem Geist des Evangeliums kommen; eine Anpassung an die „Lebenswirklichkeit“ sei dagegen der falsche Weg.

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Wichtig, so Woelki, sei die „Deutung der Realität im Lichte des Evangeliums“. Dazu gehöre es auch, die „Geister voneinander zu scheiden“. Für eine Erneuerung der Kirche sei es angeraten, sich gerade nicht von einem vermeintlichen – nicht zuletzt medial beförderten – Zwang zum Handeln unter Druck setzen zu lassen. Eine mögliche Lockerung des priesterlichen Zölibats oder die Priesterweihe für Frauen bewertet Woelki kritisch.

Zur Debatte um die katholische Sexualmoral schreibt der Kölner Erzbischof, es sei Aufgabe der Kirche, diese Moral als Verheißung verständlich zu machen: „Sexualität ist Teil des göttlichen Heilsplans und sie ist, gewissenhaft und verantwortungsvoll gelebt, eine Quelle der Freude und des erneuten Lebens“. Hier liege laut Woelki ein ganz zentrales Versprechen der katholischen (Moral-)Lehre: „Es gibt sie, die eine große Liebe!“ Und diese Liebe sei auch konkret erfahrbar, als unverbrüchliche Zusage Gottes an den Menschen, aber auch in der Ehe und in der Lebensform von Priestern und Ordensleuten.

Es sei insgesamt dringend an der Zeit, wieder die Person Jesu Christi in den Blick zu nehmen: „ Wir reden zu viel von der Kirche und zu wenig von Christus“. Das Christentum sei von Beginn an geprägt von der konkreten „Begegnung mit einer lebendigen Person, ein Glaube aus Fleisch und Blut“. Dieser Glaube sein von jeher auf ein „Anderssein [..] auf eine andere, jenseitige Welt“ verwiesen gewesen. In dem Sinne sei auch das Wort der „Entweltlichung“ von Papst Benedikt XVI. zu verstehen.

Die Frage über den richtigen Weg für die Kirche werde dort mit der notwendigen Demut beantwortet, wo Menschen anerkennen, dass nicht sie selbst der Urheber der Kirche wie auch des Glaubens seien, sondern lediglich die Verwalter von etwas Anvertrautem. Glaube sei ein unverdientes Geschenk. Für den Weg in die Zukunft sei es deshalb wichtig, sich nicht in einer Wagenburg zu verschanzen, sondern Wachstum und Aufbruch anzustreben, indem „wir alle unserer Sendung treu sind“. Für eine wirkliche Erneuerung müsse sich die Kirche leiten lassen „nicht vom Blick auf sich selbst, sondern allein von dem Blick auf den Erlöser, vom Blick auf Jesus Christus“.




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