Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vom Elend der Fürbitten
  2. Botschaft von Papst Leo zum 10. Jahrestag des nachsynodalen Apostolischen Schreibens Amoris Laetitia
  3. Der deutsch-synodale Irrweg in Zahlen: Nur 25 Priesterweihen in ganz Deutschland im Jahr 2025!
  4. Vatikanische Theophantasien zur Frauenfrage
  5. Peinlich - Deutsche Protestanten glauben mehrheitlich nicht an den dreieinigen Gott
  6. Der entschärfte Gott
  7. Pater Dietrich von Stockhausen überreicht Papst Leo XIV. Hesemanns aktuelle Studie über Heroldsbach
  8. EuGH-Urteil: Deutscher Kirchenaustritt kein automatischer Kündigungsgrund
  9. "Die Zahl der Seminaristen ist im Bistum Chur leider sehr klein geworden"
  10. Realitätsverlust im Bistum Chur
  11. Muslime wählen SPD und Linke, Christen wählten CDU
  12. Bischof Elbs ermutigt zur Beichte: "Herz ordnen und sich auf Ostern vorbereiten"
  13. Krautwaschl zu Grünwidl: Bin nicht gezwungen worden!
  14. Heimisch sein im Vatikan - Papst Leo XIV. wohnt wieder in der klassischen Papstwohnung
  15. „Gesellschaftliche Zeitbombe“: BKA-Studie warnt vor Radikalisierung junger Muslime in Deutschland

Kardinal im Libanon: Westen muss Syrienflüchtlinge repatriieren

3. April 2019 in Weltkirche, 2 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Patriarch-Kardinal Rai äußert Befürchtung, dass in den Libanon geflohene Flüchtlinge in ein paar Jahren Staatsbürgerschaft verlangen, "und dann ist es mit dem demographischen Gleichgewicht zwischen christlichen und muslimischen Bürgern vorbei"


Wien-Beirut (kath.net/KAP) Der maronitische Patriarch und libanesische Kardinal Bechara Boutros Rai (Foto) hat den Westen aufgefordert, für die Rückführung der 1,5 Millionen Syrer, die ins Nachbarland geflohen sind, zu sorgen. "Wir befürchten, dass die Flüchtlinge, wenn sie bleiben, in ein paar Jahren die libanesische Staatsbürgerschaft verlangen werden. Und wie das mit den Politikern so ist, werden sie sie auch bekommen. Und dann ist es mit dem demographischen Gleichgewicht zwischen christlichen und muslimischen Bürgern vorbei. Das würde das libanesische System in die Luft sprengen", erklärte Rai laut dem "Pro Oriente"-Informationsdienst (Mittwoch) am vergangenen Wochenende gegenüber einer Delegation des römischen Pilgerwerks "Opera Romana Pellegrinaggi".

Rai übte in diesem Zusammenhang scharfe Kritik an der Politik des "Westens" gegenüber den Christen des Nahen Ostens im Allgemeinen und dem Libanon im Besonderen. Wörtlich sagte er: "Eine gewisse westliche Kultur vertritt die Auffassung, dass die Religionsgemeinschaften im Nahen Osten nicht zusammenleben können. Um dieser Idee Nachdruck zu verleihen, zetteln diese Mächte auch Kriege an, schicken Waffen, unterstützen Terroristen und zerstören Länder. Die orientalischen Christen müssen dafür die Zeche bezahlen, weil viele Muslime den Westen mit dem Christentum identifizieren." In der derzeitigen Situation müsse hingegen noch deutlicher gesagt werden, dass die Christen des Nahen Ostens keine "Schutzpatrone" aus dem Westen suchten oder bräuchten.
Der Kardinal sprach sich auch gegen das Schema "Muslimische Mehrheit versus christliche Minderheit" für die Beschreibung der Lage der Christen aus. "Wir sind aus einem geschichtlichen und einem theologischen Grund keine Minderheit. In historischer Sicht leben die Christen im Nahen Osten seit 2.000 Jahren. Wir gehören hierher, wir sind keine Ausländer. In theologischer Sicht sind die Christen des Nahen Ostens nicht Einzelpersonen oder isolierte kleine Gruppen. Sie sind die Kirche Christi. Diese ist im Nahen Osten ebenso anwesend wie in Rom, in Honolulu oder in Madagaskar. Wir sind die Kirche, nicht eine 'Minderheit'." Das Bewusstsein, "Kirche der einen Welt und nicht Kirche des Westens" zu sein, müsse die orientalischen Christen von der "Opferrolle" befreien, so Rai.


Er erinnerte, dass die westliche Politik den Nahost-Christen nie wirklich Wert beigemessen habe: "Ihr ging es um wirtschaftliche Interessen, Erdöl, Geld und Geostrategie. Jetzt laden uns alle zu Konferenzen ein, um von der Situation der Christen im Nahen Osten zu berichten. Wir sagen dann: Ihr habt uns mit den von euch unterstützten und aufgedrängten Kriegen zerstört. Und jetzt kommt ihr und fragt, wie es den Christen geht!"

Dezidiert sprach sich der Kardinal gegen einen Daueraufenthalt der Flüchtlinge im Libanon aus, weil dies die sensible "institutionelle Architektur des Libanon" in Frage stelle - mit möglichen negativen Konsequenzen für den ganzen Nahen Osten. Viele syrische Flüchtlinge würden es vorziehen, im Libanon zu bleiben, auch die internationale Gemeinschaft bestärke diese Absicht, wenn sie feststelle, dass die Flüchtlinge nicht zurückkehren könnten, weil es in Syrien keine Sicherheit gibt und zuerst eine politische Lösung gefunden werden müsse.
Rai vermutet dahinter politische Ziele und erinnerte im Gespräch mit den Journalisten an das "traumatische Szenario" durch das Eintreffen der palästinensischen Flüchtlinge. Diese Flüchtlinge und ihre Nachfahren seien im Libanon seit 1948, "und sie warten seit mehr als 70 Jahren auf die 'politische Lösung'", die es aber "nie geben" werde: "Es war die Rede von der Zwei-Völker-zwei-Staaten-Lösung, aber das ist unmöglich geworden. Denn auf dem Territorium, wo der palästinensische Staat entstehen sollte, sind überall israelische Ansiedlungen gewachsen."
Auch im Hinblick auf die syrischen Flüchtlinge müsse die Frage der politischen Lösung von der Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat getrennt behandelt werden. "Wir können nicht 71 Jahre warten wie bei den Palästinensern", betonte der Kardinal-Patriarch.
Auch wirtschaftlich habe die Präsenz von mehr als 1,5 Millionen syrischer Flüchtlinge den Libanon destabilisiert. Schon jetzt würden 30 Prozent der angestammten libanesischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben, 40 Prozent der Arbeitsfähigen seien ohne dauernde Beschäftigung. Zudem könnten die Flüchtlinge eines Tages im großen schiitisch-sunnitischen Konflikt manipuliert werden, der den ganzen Nahen Osten in Atem halte.

Copyright 2019 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Syrien

  1. „Syrien darf nicht islamistisch werden“ – Missio-Nationaldirektor Wallner im Krisenland
  2. Syrien: Evangelikaler Pastor mit gesamter Familie ermordet
  3. Massaker in Syrien: Dramatischer Appell der Kirchenführer
  4. Vatikan fordert wichtige Rolle für Christen in Syrien
  5. Syriens neuer Machthaber äußert Hochachtung für Papst Franziskus
  6. Syrien: Neuer Machthaber macht Christen Zusicherungen
  7. Neuer Bischof von Aleppo ernannt - 2014 von Milizen entführt
  8. Syrien: „Eine knappe Minute war schlimmer als 12 Jahre Krieg“
  9. Syrien: Bedrängte Weihnachten in der Islamisten-Hochburg Idlib
  10. Syrien: Erster christlicher Gottesdienst in Idlib seit 10 Jahren






Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net ISLAND REISE im JULI 2026 - ANMELDE-DEADLINE - 25. MÄRZ!!!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Krautwaschl zu Grünwidl: Bin nicht gezwungen worden!
  4. Realitätsverlust im Bistum Chur
  5. Heimisch sein im Vatikan - Papst Leo XIV. wohnt wieder in der klassischen Papstwohnung
  6. Vom Elend der Fürbitten
  7. Eine große BITTE an Ihre Großzügigkeit! - FASTENSPENDE für kath.net!
  8. Der deutsch-synodale Irrweg in Zahlen: Nur 25 Priesterweihen in ganz Deutschland im Jahr 2025!
  9. Einladung zur Novene zum Hl. Josef
  10. Vatikanische Theophantasien zur Frauenfrage
  11. Botschaft von Papst Leo zum 10. Jahrestag des nachsynodalen Apostolischen Schreibens Amoris Laetitia
  12. Pater Dietrich von Stockhausen überreicht Papst Leo XIV. Hesemanns aktuelle Studie über Heroldsbach
  13. Der entschärfte Gott
  14. Papst bezieht diesen Samstag seine Wohnung im Apostolischen Palast
  15. "Die Zahl der Seminaristen ist im Bistum Chur leider sehr klein geworden"

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz