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„Mich stört ganz besonders eine Aussage“

22. März 2019 in Kommentar, 35 Lesermeinungen
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„Ich würde mir wünschen, dass Sie und Ihre Mitbrüder auch einmal all die Menschen würdigen, die aus großer Liebe zur Kirche die Sexualmoral der Kirche überzeugt leben!“ Offener Brief an den DBK-Vorsitzenden Kardinal Marx von Thomas Bauer


Bonn (kath.net) Eure Hochwürdigste Eminenz Erzbischof Dr. Reinhard Kardinal Marx!

In den letzten Tagen haben die Deutschen Bischöfe unter dem Eindruck des erschreckenden Missbrauchsskandals ihre Frühjahrskonferenz abgehalten. Sicherlich waren und sind die Zeiten für die Hirten der Kirche nicht einfach. Wenn man die letzten Wochen mitverfolgt hat, dann hat man auch gesehen, wie die Bischöfe um richtige Antworten und Konsequenzen auf diesen Skandal ringen. Dieses Ringen schätze ich sehr hoch ein.

Als überzeugter Katholik, der seine Kirche mit all seinen Schandtaten und Sünden liebt, möchte ich mich hiermit auch einmal kritisch zu Ihrer Pressemitteilung zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung äußern. Hierbei stört mich ganz besonders eine Aussage: „Die Sexualmoral der Kirche hat entscheidende Erkenntnisse aus Theologie und Humanwissenschaften noch nicht rezipiert. Die personale Bedeutung der Sexualität findet keine hinreichende Beachtung. Das Resultat: Die Moralverkündigung gibt der überwiegenden Mehrheit der Getauften keine Orientierung. Sie fristet ein Nischendasein. Wir spüren, wie oft wir nicht sprachfähig sind in den Fragen an das heutige Sexualverhalten.“


In der ganzen Problematik um und über die Sexualmoral der katholischen Kirche wird von Ihnen nicht ein einziges Mal die Schönheit derselben erwähnt. Mit Ihrer Aussage konzentrieren Sie sich nur auf das Negative ohne auch nur einmal die Personen zu erwähnen, für die die katholische Sexualmoral ein Segen und eine Bereicherung für ihr Leben ist! Alle Personen/alle Familien, welche im Einklang mit der biblisch überlieferten Sexualmoral leben, werden einfach ignoriert. Hier scheint ein gesellschaftliches Phänomen in der Kirche angekommen zu sein. Es ist in den letzten Jahren so üblich geworden, dass man immer vom Gescheiterten/vom Negativen ausgeht, sich das Scheitern aber nicht eingestehen möchte. Um sich nun selber das Gewissen zu beruhigen, wird das Ideal und alle, die dieses leben, einfach schlecht gemacht. Die Schuld/den Fehler sucht man nicht bei sich selbst, sondern das vorgegeben Wertesystem ist einfach nur schlecht. Das ist natürlich menschlich, aber ist es auch sinnvoll?

Stellen wir uns mal vor, es würde jemand, nach einer intensiven Unfallsserie fordern, dass man zur Lösung dergleichen, die Straßenverkehrsordnung abschaffen soll. Was würden die Menschen dazu sagen?

Die ganzen schrecklichen Missbräuche haben ihre Ursache doch auch darin, dass man sich eben nicht an die Sexualmoral der Kirche gehalten hat! Dazu kommt auch noch, dass man Sünde und Schuld über Jahre in der Kirche für unmöglich gehalten hat. Ja, der Begriff „Sünde“ wurde immer mehr von Theologen und Kirchenvertretern aus dem Vokabular gestrichen! Bevor wir also jetzt die Sexualmoral ändern, sollte man nicht wieder klarer über Sünde und Schuld predigen? Liegt nicht hierin die Aufgabe der Hirte?

Ich würde mir wünschen, dass Sie und Ihre bischöflichen Mitbrüder auch endlich einmal all die Menschen würdigen, die aus großer Liebe zur Kirche und aus unendlichem Respekt zur Sexualität, die Sexualmoral der Kirche überzeugt leben! Nehmen Sie Ihr Hirtenamt auch den Menschen gegenüber wahr, die nicht wegen eines Scheiterns die Lehre der Kirche infrage stellen! Scheitern gehört zum Leben, dessen bin ich mir absolut bewusst! Aber, es gehört genauso zum Leben, dass man sich das Scheitern eingesteht und eben nicht alle Anderen und alles Andere dafür verantwortlich macht!

Bischöfe, Priester, Diakone und Laien, welche einen Missbrauch begangen haben, sind gescheitert! Dafür kann aber weder die Lehre der Kirche etwas noch die Sexualmoral! Ganz im Gegenteil! Das nicht einhalten der Sexualmoral hat ja zu diesem Missbrauch geführt!

Hochwürdigste Eminenz, stehen Sie endlich dazu, dass die Sünde und die daraus resultierende Missachtung der Sexualmoral zum Missbrauch führen! Eine Veränderung der Sexualmoral wird diese Tatsache nicht ändern!

Nur wenn man das eigene Scheitern und die eigene Sünde ohne wenn und aber akzeptiert, dann kann auch Heilung stattfinden. An meinem Scheitern bin nur ich selber verantwortlich!

Die Sünde als solche sehen, dafür Buße tun und anschließend umkehren und wieder Jesus Christus folgen, das ist jetzt gefragt!

Mit freundlichen Grüßen

Dipl.-Theol. Thomas Bauer, M.A.

Thomas Bauer ist Theologe aus dem Bistum Eichstätt.


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