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Strohpuppen im Weinberg?

22. März 2019 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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„Die Apostasie breitet sich aus, aber neu ist das nicht“ – Der hl. Augustinus empfiehlt bei einer Bischofsweihe: „Setzt eure Hoffnung nicht auf uns, nicht auf Menschen!“ Gastkommentar von Thorsten Paprotny


Bonn (kath.net) Auf die Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz in Lingen folgten Irritation, Unmut und Empörung. Nicht wenige Gläubige, so scheint es, halten die „synodalen Wege“ für Irr- und Abwege. Andere Christenmenschen hätten sich anderes gewünscht: Eine neue Kirche, eine neue Theologie und eine Morallehre. Oder steht eine zweite Reformation bevor? Häresie – jetzt oder nie? Droht etwa ein neues Schisma?

Die Apostasie breitet sich aus – aber neu ist das nicht. Gelassenheit und Zuversicht schenkt uns der Glaube in allem. Dankbar gehören wir der römisch-katholischen Kirche aller Zeiten und Orte an. Sollte sich diese Freude durch Empörung und Verdruss über die Dynamik der postmodernen Lauheit plötzlich auflösen? Ja, es ist verständlich, sich über eine allzu weltlich lächelnde Geschmeidigkeit und ewiggleiche Reformagenda zu ärgern. Aber letztlich vertrauen wir doch auf den Herrn der Ernte. Aufregungen und aufregende Zeiten könnten uns bevorstehen. Möglicherweise werden Entfremdungsprozesse zunehmen, wenn neue Dialoge, Diskurse und Debatten die betende Kirche – mal wieder – in eine plaudernde Kirche verwandeln. Ja, es könnte so kommen. Wir müssen nicht alles verstehen, was in der Kirche und über die Kirche gesagt wird – von wem auch immer. Zum Schwatzen sind wir aber nicht bestellt und zum grimmigen Lästern auch nicht. Darum sind das Zeugnis der einfach gläubigen Christen und die unverbrüchliche Treue zu der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche umso wichtiger.

Wenn ich Rat suche, wende ich mich an meine Lieblingsheiligen. Der heilige Augustinus ist mir auf meinem Pilgerweg des Glaubens besonders ans Herz gewachsen. Er sagte in einer Predigt anlässlich einer Bischofsweihe: „Gibt es schlechte Bischöfe? … Es gibt keine schlechten Bischöfe; weil sie schlecht sind, sind sie es nicht. Aber du verweisest mich an den Titel und sagst: »Er ist Bischof, denn er sitzt auf der Kathedra.«“ Ein berechtigter Gedanke, so scheint es. Augustinus jedoch fährt nüchtern, mitnichten aber respektlos fort: „Es hüten auch Strohpuppen den Weinberg …“ Der Kirchenvater hat viel, sehr viel mehr als wir alle gesehen. Vor Strohpuppen muss sich niemand ernsthaft fürchten.

Gefahr drohe den Bischöfen von den beflissenen Lobrednern, den eitlen Schmeichlern und unterwürfigen Günstlingen, nicht von den Lästerern. Was geschehe, so der Kirchenvater, wenn eine Gemeinde einen schlechten Bischof bekomme? Er selbst wisse nicht, ob er zu den schlechten Bischöfen gehöre – und die Gläubigen? Sie wüssten es auch nicht, denn wie sollten sie? Augustinus empfiehlt: „Setzt eure Hoffnung nicht auf uns, nicht auf Menschen! Sind wir gut, so sind wir Diener; sind wir schlecht, so sind wir Diener.“ Christus sei das Brot des Lebens, nicht der Bischof. Die Gebote des Herrn seien zu halten. Der Bischof habe somit nicht seine, sondern Seine Lehre zu verkünden. Wenn dies aber nicht geschieht? Augustinus sagt: „Womit willst du dich im Gericht Gottes entschuldigen? Wirst du sagen: Ich tat das Böse, weil ich sah, dass mein Bischof schlecht lebte? So wird die Antwort lauten: Du hast dir erwählt, mit wem du verdammt, nicht mit wem du erlöst wirst …“ Die Rebe wachse auch zwischen den Dornen im Weinberg. Darauf solle der Gläubige schauen: „Ist etwa der Weinstock verpflichtet, diese Rebe wieder zurückzuziehen? So hat sich auch die Lehre Christi wachsend und sich ausbreitend um gute Bäume gerankt, sich auch in schlechte Dornen gerankt; sie wird vorgetragen von Guten, vorgetragen von Schlechten. Du sieh zu, woher die Frucht kommt, woher sich gebar, was dich nährt; woher sich gebar, was sich stach: vermischt ist beides für die Öffentlichkeit, aber getrennt in der Wurzel Heimlichkeit.“

Augustinus bittet inständig um das Gebet für die Bischöfe. Dasselbe gilt heute. Es ist unbedingt nötig. Vielleicht ist nichts wichtiger, als für die Hirten in den Diözesen zu beten, auf dass der Herr sie in ihrem treuen Dienst für die römisch-katholische Kirche bewahren, stärken und festigen möge. Leiten lassen können wir uns, besonders wenn Phänomene dieser Zeit uns verunsichern mögen, zugleich von Worten der heiligen Teresa von Avila: „Nichts soll dich verwirren. Nichts soll dich beirren, alles vergeht. Gott wird sich stets gleichen. Geduld kann erreichen, was nicht verweht. Wer Gott kann erwählen, nichts wird solchem fehlen: Gott nur besteht.“ Oder, beherzt und kraftvoll, auf Spanisch: „Sólo Díos basta!“

Dr. Thorsten Paprotny lehrte von 1998-2010 am Philosophischen Seminar und von 2010 bis 2017 am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Er publizierte 2018 den Band „Theologisch denken mit Benedikt XVI.“ im Verlag Traugott Bautz und arbeitet an einer Studie zum Verhältnis von Systematischer Theologie und Exegese im Werk von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.

kath.net-Buchtipp
Theologisch denken mit Benedikt XVI.
Von Thorsten Paprotny
Taschenbuch, 112 Seiten
2018 Bautz
ISBN 978-3-95948-336-0
Preis 15.50 EUR

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Lesermeinungen

 Bruder Konrad 23. März 2019 
 

Sic !

Dem ist m.E. nichts hinzuzufügen!
Herzlichen Dank Herr Dr. Paprotny.


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