21 März 2019, 13:00
Der neue und endgültige Stand der Dinge
 
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: wir haben das Gesetz und die Propheten. Wer nicht auf sie hören will, würde sich nicht einmal dann ändern, wenn einer von den Toten aufersteht, um ihn zu ermahnen. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Lazarus und der reiche Prasser: „Der Reiche personifiziert den ungerechten Gebrauch des Reichtums durch den, der ihn für einen zügellosen und egoistischen Luxus verwendet und dabei nur an seine eigene Genugtuung denkt, ohne sich im geringsten um den Bettler zu kümmern, der vor seiner Tür steht. Der Arme repräsentiert im Gegensatz dazu den Menschen, um den sich nur Gott kümmert: im Unterschied zum reichen Mann hat er einen Namen, Lazarus, eine Abkürzung für Eleasar, was heißt: »Gott hilft ihm«“.


Benedikt XVI. beim Gebet des Angelus in Castel Gandolfo am 30. September 2007:

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute stellt uns das Lukasevangelium das Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus vor (Lk 16,19–31). Der Reiche personifiziert den ungerechten Gebrauch des Reichtums durch den, der ihn für einen zügellosen und egoistischen Luxus verwendet und dabei nur an seine eigene Genugtuung denkt, ohne sich im geringsten um den Bettler zu kümmern, der vor seiner Tür steht. Der Arme repräsentiert im Gegensatz dazu den Menschen, um den sich nur Gott kümmert: im Unterschied zum reichen Mann hat er einen Namen, Lazarus, eine Abkürzung für Eleasar, was heißt: »Gott hilft ihm.« Wer von allen vergessen ist, den vergißt Gott nicht; wer in den Augen der Menschen nichts wert ist, ist wertvoll in den Augen des Herrn. Der Bericht zeigt, wie die irdische Ungerechtigkeit von der göttlichen Gerechtigkeit umgestoßen wird: Nach dem Tod wird Lazarus »in Abrahams Schoß« aufgenommen, das heißt in die ewige Seligkeit; der reiche Mann hingegen endete »in der Unterwelt«, »wo er qualvolle Schmerzen litt«. Es handelt sich um einen neuen Stand der Dinge, gegen den keine Berufung einzulegen und der endgültig ist; somit muß man sich während des Lebens bessern, es nachher zu tun ist nutzlos.

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Dieses Gleichnis kann auch unter sozialem Blickwinkel gelesen werden. Die von Papst Paul VI. vor genau 40 Jahren in der Enzyklika »Popolorum progressio« gebotene Interpretation bleibt bezeichnend. Indem er vom Kampf gegen den Hunger sprach, schrieb er: »Es geht darum, eine Welt zu bauen, wo jeder Mensch… ein volles menschliches Leben führen kann… wo der arme Lazarus an derselben Tafel mit dem Reichen sitzen kann« (Nr. 47): Die zahlreichen Situationen des Elends – so ruft die Enzyklika in Erinnerung – werden einerseits »von Versklavung seitens der Menschen« und andererseits von »einer noch nicht hinreichend gebändigten Natur« verursacht« (ebd.).

Leider leiden gewisse Bevölkerungen unter beiden Faktoren. Wie könnte man da in diesem Augenblick nicht besonders an die Länder des subsaharischen Afrikas denken, die in den vergangenen Tagen von schweren Überschwemmungen heimgesucht worden sind? Aber wir dürfen nicht so viele andere Situationen humanitären Notstands in verschiedenen Regionen des Planeten vergessen, in denen die Kämpfe um die politische und wirtschaftliche Macht eine schon gravierende Umweltproblematik verschärfen. Der Appell, dem damals Paul VI. seine Stimme verlieh: »Die Völker, die Hunger leiden, bitten die Völker, die im Wohlstand leben, dringend und inständig um Hilfe« (Popolorum progressio, 3), behält heute seine ganze Dringlichkeit bei. Wir können nicht sagen, daß wir den Weg, der einzuschlagen ist, nicht kennen: wir haben das Gesetz und die Propheten, sagt uns Jesus im Evangelium. Wer nicht auf sie hören will, würde sich nicht einmal dann ändern, wenn einer von den Toten aufersteht, um ihn zu ermahnen.

Die Jungfrau Maria möge uns helfen, damit wir die gegenwärtige Zeit nutzen, um auf das Wort Gottes zu hören und es in die Tat umzusetzen. Sie möge es für uns erreichen, daß wir aufmerksamer werden gegenüber den Brüdern in Not, um mit ihnen das Viele oder Wenige, das wir haben, zu teilen und, angefangen bei uns selbst, dazu beitragen, die Logik und den Stil der wahren Solidarität zu verbreiten.

Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 16, 19-31), Donnerstag der zweiten Woche dewr Fastenzeit (C):

„Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag glanzvolle Feste feierte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Es geschah aber: Der Arme starb und wurde von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von Weitem Abraham und Lazarus in seinem Schoß.

Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus; er soll die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, erinnere dich daran, dass du schon zu Lebzeiten deine Wohltaten erhalten hast, Lazarus dagegen nur Schlechtes. Jetzt wird er hier getröstet, du aber leidest große Qual. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, sodass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.

Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, aber wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. Darauf sagte Abraham zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht“.

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