06 März 2019, 16:00
SEINE Pläne sind viel besser als meine Pläne!
 
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Dem Herrn ist es nicht egal, wie es uns geht und er steht zu seinen Verheißungen, allerdings hat er einen anderen Zeitplan als wir. Die Jugendkolumne von kath.net - Von Alexandra Hartlieb

Salzburg (kath.net)
Als waschechte Österreicherin habe ich etwas mit dem Volk Israel während der 40 Jahre Wanderschaft in der Wüste gemeinsam, ich bin nämlich ziemlich gut im Murren. Wir Österreicher sind ja bekannt als leidenschaftliche „Suderer“, also Menschen, die gerne und ausgiebig jammern. Wenn es im Sommer 30 Grad hat, ist es zu heiß, hat es aber nur 20 Grad, ist es zu kalt. Wir beklagen uns, wenn es im Dezember keinen Schnee gibt, schneit es dann aber ein paar Tage lang durchgehend, dann ist das doch zu viel.

Wehe der sonntägliche Schweinsbraten hat zu viel Fett, aber zu trocken darf er bitte auch nicht sein! Und ich, als treues Kind meines Heimatlandes, fange v.a. dann an zu sudern, zu klagen, zu murren, wenn mir etwas zu lange dauert. Und das tat ja auch das Volk Israel während der langen Wüstenwanderschaft.

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Den Israeliten ging es auch zu langsam, zwischendurch zweifelten sie an der Verheißung, die Gott ihnen gegeben hatte, wandten sich ab, murrten. Gott aber war das nicht egal, so lesen wir in Ex 16,11f: „Der Herr sprach zu Mose: Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sag ihnen: Am Abend werdet ihr Fleisch zu essen haben, am Morgen werdet ihr satt sein von Brot und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin.“

Dem Herrn ist es nicht egal, wie es uns geht und er steht zu seinen Verheißungen, allerdings hat er einen anderen Zeitplan als wir. So musste ich mich von dem Bild Gottes als Kaffeeautomat verabschieden. Eine Münze (ein Gebet, ein Opfer) einwerfen und dafür gleich einen Kaffee (eine Erhörung) bekommen, das funktioniert nicht im Reich Gottes und wir müssen uns auch damit versöhnen, dass sein Wille für uns oft ganz anders ist als der unsere.

Als ich mit 18 Jahren das Gymnasium abgeschlossen habe, hatte ich einen festen Plan für meine Zukunft und war überzeugt, dass es genauso kommen würde, schließlich hatte ich ein reges Gebetsleben, also musste Gott mich schließlich erhören. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich gleich zu Beginn meines Studiums meinen Traummann kennenlernen, mit 23 meine Studien erfolgreich abschließen und dann sofort heiraten, als Lehrerin arbeiten und Kinder bekommen würde.

Mein erstes Studienjahr verging und ich merkte, dass mir der Gedanke, mich täglich mit unmotivierten Schülern herumschlagen zu müssen, Gefühle des Grauens und nicht der Freude brachte. Also doch nicht mehr Religionspädagogik, sondern nur noch Fachtheologie studieren, aber was soll ich dann damit machen? Auch war mir noch nicht der Traumprinz auf seinem Ross entgegengeritten, ich war also schon in Verzug mit meinen Plänen und immer öfter bekam ich Panik, dass ich am Ende alt und seinsam, ohne Mann und ohne Job dastehen würde. Gott strapazierte meine Geduld und das passte mir gar nicht.

Jetzt, einige Jahre später, muss ich oft an einen Vers aus dem zweiten Petrusbrief denken: „Das eine aber, liebe Brüder, dürft ihr nicht übersehen: dass beim Herrn ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind.“ (2 Petr 3,8) Unser guter und sorgender Gott hat einen eigenen Zeitplan. Ich bin dankbar, dass er nicht einfach wahr gemacht hat, was ich damals nach der Matura von ihm erbeten hatte. Ich bin dankbar, dass er mir die Möglichkeit gegeben hat, meine Gaben und Charismen zu erforschen und dass er mir außerdem die Zeit gegeben hat, meinen eigenen Charakter besser kennenzulernen, zu reifen und mich in Geduld zu üben. Ich bin voller Jubel darüber, dass er mir geholfen hat, mein Gottesbild zu korrigieren und mehr über seine Eigenschaften zu erfahren.

Ich trage diese große Hoffnung in mir, dass Gott zu jeder Zeit für seine Kinder sorgt, wenn sie es zulassen und ich kann für mein eigenes Leben bezeugen, dass seine Pläne viel besser sind als meine. Heute darf ich voller Freude meinen Verlobten umarmen, der so ganz anders und wundervoller ist, als ich ihn mir vor fünf Jahren erträumt und erbeten habe und ich juble darüber, dass ich ihn nicht zu Beginn meines Studiums kennengelernt habe, sondern erst später, als mein Herz für ihn bereitet war. Ich bin auch dankbar, dass ich beruflich in eine andere Richtung gehe als ich es mit 18 Jahren geplant hatte.

Mein Vorsatz für die kommende Fastenzeit ist, mich in Geduld zu üben, mir, meinen Mitmenschen, aber vor allem dem Herrn gegenüber und immer mehr zu lernen, auf seine gute Vorsehung zu vertrauen. Gemeinsam mit dem Psalmisten will ich beten: „Lehre mich, deinen Willen zu tun; denn du bist mein Gott. Dein guter Geist leite mich auf ebenem Pfad.“ (Ps 143,10)

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