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Wenn ihr betet - Das Vaterunser

1. März 2019 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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"Sicher brauchen wir auf unserem Weg auch vieles, materielles und psychisches. Doch im Vaterunser bitten wir diesbezüglich nur um das Allernotwendigste." Spiritueller Impuls von Stefan Fleischer


Grenchen (kath.net/sf) Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. (Lk 11,2)

Wenn wir beten, denken wir dann nicht meist zuerst an uns, an unsere Sorgen, Nöte und Wünsche und dann natürlich auch an all unsere Freunde und Bekannten und an die Probleme unserer Welt und unserer Kirche. Doch bedenken wir dabei nicht oft zu wenig, zu wem wir beten?

"Bezeichnenderweise fehlt im Vaterunser ein Wort, das uns normalerweise sehr wichtig ist: das Wort „Ich“. Denn das christliche Gebet ist Dialog, ganz ausgerichtet auf das Du Gottes: „Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe." sagte kürzlich unser Heiliger Vater. (http://www.kath.net/news/66935) Das sollte uns zu denken geben.

Im Französischen meiner Internatszeit verwendete man beim Beten noch die Höflichkeitsformel. Natürlich ist unser "Du" zu Gott, das nun irgendwann auch die Franzosen übernommen haben, mindestens so richtig. Es sollte nur nicht zu einem "He, du da oben!" werden. Was bzw. wer und wie dieser unser Vater ist, zu dem wir beten, wäre allein schon eine ganze Betrachtung wert. Das Gebet, das uns der Herr gelehrt hat, fährt fort: "Geheiligt werde dein Name." Damit macht es deutlich, dass dieser unser Vater, bei all seiner Nähe und Liebe, auch noch etwas anderes ist, nämlich Gott, unser Herr. "Dein Reich komme, dein Wille geschehe" führt diesen Gedanken noch weiter aus.


"Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben." sagt uns die Schrift. (Mt 6,33). Das gilt sicher auch bei unserem Beten. Doch, geht es uns beim Beten nicht meist um unser Reich, um unsere Gerechtigkeit? Natürlich fordert uns Christus auch auf zu bitten, inständig und beharrlich zu bitten. Doch dürfen wir nie vergessen: "Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können." (Röm 8,26)

Es sollte also beim Beten immer zuerst um das Reich Gottes gehen. Dieses Reich Gottes ist nicht einfach das, was wir uns wünschen oder gar was ich mir wünschen. Das Reich Gottes ist dort, wo Gottes Wille geschieht. "Wie im Himmel, so auf Erden" fahren wir im Herrengebet fort. Im "Himmelreich", im ewigen Leben mit Gott, so glauben wir, werden wir erkennen, dass der Wille Gottes immer das Beste ist, für mich und für uns alle. Hier auf Erden sind wir immer wieder versucht, sein zu wollen wie Gott, selber wissen, selber entscheiden zu können, was richtig und was falsch, was gut und was böse ist. (vgl. Gen 3,5) Dass wir und alle Menschen den Willen Gottes immer besser erkennen und danach handeln, das ist der Weg zu diesem Reich Gottes, um das wir bitten. Wir wissen, dass wir das nicht allein, und ohne Gottes Hilfe schaffen können.

Sicher brauchen wir auf diesem Weg auch vieles, materielles und psychisches. Doch im Vaterunser bitten wir diesbezüglich nur um das Allernotwendigste. "Unser tägliches Brot gibt uns heute." Dann folgt sofort die Bitte: "Vergib uns unsere Schuld". Ohne die Vergebung unserer Schuld verstricken wir uns immer mehr in unser falsches Denken und Handeln. Gott will uns diese schenken in der Erlösung durch das Kreuz seines Sohnes. Wir bitte Gott darum, um ihm zu zeigen, dass wir bereit sind, diese Erlösung anzunehmen. Und wir "zeigen" ihm diese Bereitschaft, indem wir all unseren Nächsten verzeihen. Das hilft uns dann auch, Gottes Barmherzigkeit immer mehr schätzen zu lernen. Und das hilft, so hoffen wir, auch unserem Nächsten, auf Gottes Angebot der Erlösung einzugehen.

"Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen" beten wir weiter. Wie das hochtheologisch zu verstehen ist, das muss uns nicht unbedingt so wichtig sein. Wir bitten mit unseren menschlichen Worten den Vater um seinen Schutz und seine Hilfe in allen Gefahren des Leibes und der Seele, damit für uns und die ganze Welt das Reich seines heiligen Willens wachse und wir schlussendlich eingehen dürfen in sein ewiges Reich, dorthin wo volle Wirklichkeit ist, was die Kirche an das Gebet des Herrn angeführt hat: "Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen."

kath.net-Buchtipp
Heiligkeit für Anfänger
Ein Wegbegleiter
Von Stefan Fleischer
Taschenbuch, 156 Seiten
2011 BoD
ISBN 978-3-8448-0949-7
Preis 12.40 EUR

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Foto: Stefan Fleischer



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