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Er zieht und zieht mich an sein Herz

13. Februar 2019 in Jugend, 5 Lesermeinungen
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Die Jugendkolumne von kath.net - Diese Woche ein Beitrag von Lucia Kirchgasser


Salzburg (kath.net)
Für mich stehen aktuell gerade sehr große Fragen im Raum. Ich finde es nicht leicht, zu entscheiden, was gut für mich ist, wo es richtig ist, voller Hoffnung weiter zu gehen und wo man einen abschließenden Punkt setzen sollte. Ich beneide Gott um seine allumfassende Perspektive, weil ich mich gerade so blind fühle. Ich kann im Grunde überhaupt nichts vorhersehen. Ich plane zwar so umfassend wie möglich die nächsten Schritte, hole Rat und Meinungen ein, bete darüber und prüfe und hinterfrage mich selbst. Kaum bin ich dann aber einen Schritt gegangen, oft nur einen winzigen, kommen neue Faktoren hinzu, die mich wieder inne halten lassen.

Und wieder stehe ich dann vor der Frage, wohin jetzt. Welcher Schritt jetzt. Es frustriert mich. Weil ich eine Frau bin, die gern mit hohem Tempo voranprescht. Das Ringen um eine Entscheidung oder einen Standpunkt dauert einige Zeit, aber sobald es klar ist, will ich einfach nur los. Egal wie viel Angst ich habe, egal was es kostet. Einfach los.


Zielstrebigkeit, Mut und Elan, sind gute Eigenschaften und ich freue mich daran. Aber Gott lernt mir gerade, klug mit diesen Fähigkeiten umzugehen. Denn Gott scheint nicht unbedingt ein Freund meiner „Sprints“ zu sein. Ich spüre in mir die Gewissheit, dass er stolz auf mich ist, aber dass er mich zu mehr Besonnenheit und Weisheit erzieht. Was ich oft nicht sehe, ist, dass mein Leben eben kein 500 Meter Hürdenlauf ist und es nicht darum geht, jetzt auf kurze Zeit alles zu geben und so schnell wie möglich vorwärts zu kommen. Aber was ist das Leben dann? Ein Marathon?
Vor zwei Jahren war ich schon einmal drauf und dran einen Halbmarathon zu laufen. Nur um mir zu zeigen, dass ich es schaffen kann, dass ich ins Ziel kommen kann und wegen der Freude am Laufen.

Ich habe einen starken Willen und Ausdauer, das war nicht das Problem. Aber ich habe mir nicht die Zeit gegeben, wirklich bereit zu sein. Ich habe zu schnell zu viel gewollt, bis mein Knie dann nach einem Training mit 17 km aufgegeben hat und ich letztendlich überhaupt nicht mehr teilnehmen konnte. Und das ist ein Punkt der sich immer und immer wieder in meinem Leben wiederholt.

Ich will zu schnell ALLES.
Ich glaube nicht, dass Gott sagt: „Du kannst nicht alles haben“, aber dass er sagt: „Du kannst nicht alles jetzt gleich haben.“ Ein Schritt nach dem anderen.

Ich habe vor einigen Tagen in meiner morgendlichen „stillen Zeit“ mit Gott eine Bibelstelle gelesen, die mich berührt hat. Und erst jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, erkenne ich wieso.

PSALM 84, 6 „Selig die Menschen, die Kraft finden in dir, die Pilgerwege im Herzen haben.“
Ja, das ist es. Kein Marathon, sondern dieser „Pilgerweg“ ist mir ins Herz geschrieben.

Es ist meine tiefste Sehnsucht, hinaufzuziehen zu „dem Berg des Herrn“ (Vgl. Jes 2,2). Dorthin, wo er wohnt. Das ist das Ziel, das ich erreichen will.

Ich darf mein Tempo gehen, mal laufend auf ebener Straße, mal langsam und voller Bedacht in schwerem Gelände. Ich gehe diesen Weg nicht alleine, sondern mit vielen anderen. Nicht in Konkurrenz, sondern in Gemeinschaft. Wenn ich hinfalle, hilft man mir auf, wenn ich verwirrt bin und verloren gehe, holt Gott mich zurück. Ich darf auf dem Weg Fehler machen, lernen, lachen und weinen. Ich darf stehen bleiben und staunen. Und immer finde ich Ruhe und Stärkung in IHM.
Ja, das ist das Beste daran. Es ist ein Weg, den ich nicht müde werde, zu gehen, weil dieses Ziel, weil Gott so viel größer ist als ich selbst. (Vgl. Jes 40,31) SEINE Sehnsucht nach mir ist so viel stärker, als meine Schwäche. Er zieht und zieht mich an sein Herz. Und mit allem was ich bin, sage ich JA.

Und ich glaube seinem Wort, das mir zuspricht: „Sie schreiten dahin mit wachsender Kraft und erscheinen vor Gott auf dem Zion“ (Psalm 84, 8)


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