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Sexuelle Liebe: Himmlische Arznei, ihre Risiken und Nebenwirkungen

22. Jänner 2019 in Kommentar, 8 Lesermeinungen
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Das Nachtcafé vom Freitagabend im SWR Fernsehen fordert zum Widerspruch auf: Die Bestsellerautorin Hera Lind feiert ihren Treuebruch mit neuem Partner, den sie auf dem „Traumschiff“ kennen gelernt hat, als große Liebe. Gastbeitrag von Helmut Müller


Koblenz (kath.net) Verstörend ist, dass die Traumschiffbegegnung eine Beziehung, aus der immerhin vier gemeinsame Kinder hervorgegangen sind, mir nichts, dir nichts in Luft aufgelöst hat. Diesen Eindruck, der über das ganze Gesicht strahlenden Erzählerin, konnte man jedenfalls haben. Die Kinder aus der früheren Beziehung sind angeblich auch glücklich, dass es so gekommen ist. Das anwesende Publikum applaudiert. Es applaudiert auch einem ehemaligen katholischen Priester der sieben Jahre ein Doppelleben geführt hat für seinen Mut, sich zur Partnerin zu bekennen, nachdem sie ein Kind von ihm empfangen hat. Er lässt natürlich kein gutes Haar an der Kirche, die er sieben Jahre nach Strich und Faden betrogen hat. Auch wieder Beifall von allen Seiten. Das nehme ich ihm sogar ab. Ein Zölibatsversprechen ist gegenwärtig noch unverständlicher als ein Versprechen jemanden zu lieben bis zum physischen Tod.

Was sage ich aber meinen Studentinnen und Studenten am nächsten Montag? Als Pensionär bin ich für dieses Semester reaktiviert worden und soll über Sexualität und Ehe sprechen. Ungefähr folgendes will ich sagen:

Die Unauflöslichkeit der Ehe, wie sie die Kirche lehrt und Jesus (!) fordert, ist nicht ein bloß zweiseitiges Geschäft, nicht nur schierer unerfüllbarer Anspruch, sondern schon zuvor auch ein gnadenhaft geschenkter Zuspruch. Diesen Zuspruch empfing schon das Gottesvolk des Alten Bundes und wie wir durch den Besuch des Hl. Vaters Johannes Paul II. vor Jahren in Ägypten am biblischen Berge Sinai nun wissen, glauben auch Juden und Moslems mehr oder weniger ähnlich an diesen Zuspruch Gottes: „Ich bin Jahwe dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.“ (Dt. 5,6) Johannes Paul - inzwischen nicht nur wegen seiner Ehrelehre heiliggesprochen - erläuterte ihn an diesem historischen Ort wie folgt:

"Die zehn Gebote sind nicht ein willkürliches Diktat eines tyrannischen Herren. Sie sind in Stein geschrieben, aber vor allem eingeprägt in das Herz des Menschen als universales Moralgesetz, gültig zu jeder Zeit und an jedem Ort. Heute wie immer bilden die zehn Gesetzesworte die einzige authentische Grundlage für das Leben der einzelnen, der Gesellschaft und der Nationen. Heute wie zu jeder Zeit sind sie die einzige Zukunft der Menschheitsfamilie. Sie retten den Menschen von der zerstörerischen Kraft des Egoismus, von Hass und Lüge. Sie enthüllen die falschen Götzen, die ihn zur Sklaverei erniedrigen: Von Selbstliebe und dem Ausschluss Gottes, der Gier nach Macht und Vergnügen, die jede rechtliche Ordnung umstürzt und die Würde unserer menschlichen Natur und die unseres Nächsten herabsetzt." (Johannes Paul II, zit. in: Die zehn Gebote sind nicht das willkürliche Diktat eines tyrannischen Herrn". FAZ vom 28. 2. 2000, S. 3.) Dieser sinaitische Zuspruch Gottes, an den drei Weltreligionen mit Abstrichen glauben, erfährt im neuen Bund eine unüberbietbare Konkretion: Gott ist selbst Mensch geworden und in seinen sieben Sakramenten bleibend bei uns. Auf die Ehe bezogen ist Gott unser Dreibundpartner. Wir sollten also so etwas haben wie eine Ehespiritualität. Ehe ist nicht bloß ein "irdisch Ding" wie Martin Luther glaubte, sondern wie der kath. Schriftsteller Georges Bernanos einmal schrieb, zwar auch ein "irdisches Haus" aber vor allen Dingen Sakrament und deshalb mit "Fenstern zum Ewigen" ausgestattet. An dieser Stelle möchte ich nun noch einmal auf die Erläuterung auf unserem „Beipackzettel" verweisen (Ich habe Liebe in vorhergehenden Veranstaltungen als eine ursprünglich himmlische Arznei eingeführt):


Trenne sie nie von ihrem himmlischen Ursprung, die Risiken und Nebenwirkungen werden höllisch sein.

Weil aber eben dies in unserer Gesellschaft so häufig geschieht, ja wir selbst vielleicht auch zu wenig aus unserer Dreibundpartnerschaft leben, d. h. aus dreiwertiger Liebe, sind die Risiken und Nebenwirkungen so gravierend. Wie ziehen wir also Gott mehr in unsere Partnerschaft hinein? Vor einiger Zeit prüften wir eine Studentin, die noch im selben Jahr heiratete, über das Ehesakrament. In ihren Ausführungen sagte sie sehr überzeugend und auch begeistert, das Ehesakrament sei das einzige Sakrament, in dem uns Gott mit allen Sinnen begegne. Das gefiel mir sehr und ich fragte sie, wo sie denn das gelesen habe. Sie antwortete darauf ganz verwundert, das hätte ich ihnen doch im Examenskolloquium selbst gesagt. Nun war das Wundern auf meiner Seite. Und damit ich es nicht noch einmal vergesse, was ich offenbar einmal beiläufig bemerkt habe, schreibe ich es mir hier nun schwarz auf weiß ins Vortragsmanuskript.

Was damit gesagt sein soll: Immer etwas für seine Ehe tun und nicht erst, wenn es zu spät ist. Ehe ist nicht nur
- ein Bund der schönen Gefühle,
- der ekstatischen Erlebnisse,
- des liebenden Beieinanderseins.

Was wir in der Ehe erleben, sollte immer auch daran erinnern, was die Studentin so gut behalten hat:

- Ein gutes Gespräch mit dem Partner ist nicht nur kurzweilig und persönlich bereichernd, man könnte sagen ein angenehmer Ohrenkitzel,
- eine liebende Umarmung ist nicht nur ein gutes Gefühl sich geborgen zu wissen, man könnte sagen ein prickelndes Gefühl auf der Haut, oder
- das gute Aussehen oder die Ausstrahlung des Partners ist nicht bloß eine Augenweide - all das natürlich auch - aber im Prinzip sollten wir realisieren, dass dies alles von Gott so gewählt worden ist, seine Liebe zu uns auszudrücken,

- indem wir leibhaftig von einem lieben Menschen umarmt werden können

- indem wahrhaftig jemand zu uns spricht und uns sagt, dass er uns mag

- indem sich uns zeit unseres Lebens jemand zum Greifen nah versprochen hat.

Immer sollten wir uns vergegenwärtigen, dass es ein wenig

- SEINE liebende Umarmung ist
- SEIN wahrhaftiger Zuspruch und
- SEINE greifbare Nähe ist.

Durch Christus ist Gott ein Gott zum Anfassen geworden Dass unsere Ehe im Prinzip immer Bild dieses Gottes zum Anfassen bleibt, ist ein hartes Stück Arbeit. Wenn es einmal soweit kommt, dass wir uns nicht mehr riechen, nicht mehr sehen, nicht mehr hören können oder sagen müssen, fass mich nicht an, dann können wir gewiss sein, dass unsere Liebe von ihrem himmlischen Ursprung getrennt worden ist und höllisch zu werden beginnt.

Wenn es einmal zu spät ist, kommt vielleicht wirklich alles zu spät. Deshalb sollte man handeln wie ein guter Arzt oder Heilpraktiker und nicht wie ein Schulmediziner. Ein guter Freund, der Heilpraktiker ist, sagte mir einmal: Ein Heilpraktiker, (das gilt auch für einen guten Arzt) hätte das Interesse die Gesundheit des Patienten zu stärken, während der Schulmediziner nur noch den Krankheitsfall therapieren würde. Seien wir also Heilpraktiker und gute Ärzte in unserer Ehe und nicht bloß Schulmediziner.

Noch ein letztes. Scheuen Sie sich nicht, diese kirchlichen Werte zu vertreten, auch wenn Sie zu hören bekommen, das sei hartherzig, unmenschlich, nicht zu leben, keine Menschen-, sondern eine Engelmoral. Statistisch gesehen ist es natürlich

- ein Unsinn nicht zu lügen, wenn alle lügen,
- nicht die Ehe zu brechen, wenn es immer mehr tun und
- ohne Trauschein zusammenzuleben, wenn niemand mehr etwas dabei als anstößig empfindet.

In den letzten Jahren seines Lebens hat Erzbischof Dyba einmal in einem Interview gesagt, "wenn Korruption und Unzucht in einer Gesellschaft immer normaler werden, dann müssen wir noch altmodischer werden." Wir brauchen den Mut zur "kleinen Herde", denn Lukas überliefert: "Fürchte dich nicht du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben." (Lk, 12,32)

Also sich nicht statistisch verhalten, sondern - ich erkläre das Wort sofort - "teleologisch": Die statistische Hand hat 5,00001 Finger und zwar deshalb, weil es hin und wieder auch sechsfingrige gibt. Die teleologische Hand hat 5 Finger. D. h. wir sollten nicht nach Mehrheiten, nach dem Durchschnitt schielen, sondern nach der Wahrheit fragen. Und da ist es nun einmal so, dass Wahrheit sich nicht statistisch oder demoskopisch ermitteln lässt, sondern durch nachdenken, hinhören, ja ich würde sogar sagen beten erfahren werden kann. Und dann hat die teleologische Hand, d. h. die wahre, eigentliche, angezielte oder vollkommene Hand 5 Finger.

Heutzutage hat sich die Sicht Luthers, die Ehe sei ein "irdisch Ding" leider auf eine Weise durchgesetzt, dass selbst gläubige Katholiken, ja sogar Priester und Theologen meinen, den Menschen zu überfordern, wenn man von ihnen verlangt, die Dauerhaftigkeit der Liebe Jesu zu seiner Kirche abzubilden, indem man dem Ehepartner verspricht ihn zu lieben, bis der Tod sie scheidet.

Das ist eigentlich unser Problem: Wenn alles um uns herum, selbst Vorbilder und Autoritäten nur von den Schwierigkeiten und den Problemen, der Last des christlichen Eheideals sprechen und nicht von den Stärken und den Hilfen, die man in den Sakramenten und durch den Glauben der Kirche empfängt. Man sieht zu sehr die Macht unserer Triebe, die Schwäche unseres Willens, den Einfluss und den Reiz der entchristlichten Umwelt und die Angst sich ein ganzes Leben einem einzigen Menschen auf Gedeih und Verderb anzuvertrauen. Das ist zugegeben kein Pappenstiel. Deshalb gilt das alte Sprichwort heute mehr denn je. Drum prüfe sich, wer sich ewig bindet. Aber nicht mit dem Resultat sich dann nicht zu binden. In einer Gesellschaft von Schattenparkern, Beckenrandschwimmern, Warmduschern und Weicheiern, sollte es auch wirklich kerniges Leben geben. Menschen, die es anpacken, die auch die lateinische Bedeutuung von Ehe conjugium kraftvoll verwirklichen möchten. Conjugium bedeutet nämlich Jochgenossenschaft. Im Bild gesprochen, man zieht den Karren Ehe und Familie gemeinsam, man geht nebeneinander wie früher zwei Ochsen, die den Pflug ziehen. Solches kerniges Leben brauchen wir mehr denn je. Gejammert wird in Deutschland genug.

kath.net-Buchtipp:
Zeitgerecht statt zeitgemäß
Spurensuche nach dem Geist der Zeit im Zeitgeist
Von Helmut Müller
Hardcover, 244 Seiten
2018 Bonifatius-Verlag
ISBN 978-3-89710-790-8
Preis Österreich: 15.40 EUR

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Lesermeinungen

 Rolando 23. Jänner 2019 
 

Schlegl

Das war dann wie das „Reformationsjubiläum“, da wurde auch die Scheidung gefeiert. Und viele machten mit.


3

0
 
 glauholie7771 23. Jänner 2019 
 

"Der Liebe eine Chance geben"

Hera Lind und geschmacklose Sendungen hin oder her...

Ich bin dankbar, dass es kath.net gibt.

Da das Thema "Katholische Priester und ihre Lebensform" aber immer mal wieder behandelt wird, hier eine kurze Anmerkung dazu:

Ich würde mir allgemein im Umgang damit, wenn ein Priester sich aus wohlüberlegten Gründen dazu entschieden hat, sich vom Amt befreien zu lassen, eine stärkere Differenzierung wünschen.

"Wo ein Priester mit einer Frau zusammenlebt, muss geprüft werden, ob ein wirklicher Ehewille vorhanden ist und sie eine gute Ehe bilden könnten. Wenn dem so ist, müssen sie diesen Weg gehen."
(Benedikt XVI.: "Licht der Welt", S.58)
--> Das Priesteramt aufzugeben muss nicht zwangsläufig der falsche Weg sein!

Denn es ist gut möglich, dass man als dispensierter, verheirateter Priester ein weitaus glaubwürdigeres Zeugnis vom Evangelium ablegen kann als im ständigen inneren Kampf mit der zölibatären Lebensform.
Ich weiß, dass ich für viele wirklich gläubige Katholiken spreche.


4

0
 
 freya 23. Jänner 2019 
 

Solche Sendungen leben von unseren Einschaltquoten !


1

0
 
 Martin K. 23. Jänner 2019 
 

Ist es die Aufgabe von Christen, Hera Lind zu belehren?

"Das Nachtcafé vom Freitagabend im SWR Fernsehen fordert zum Widerspruch auf"

Mich nicht. Wenn mich persönlich jemand fragt, was er in seiner Ehe oder Beziehung tun soll, dann werde ich ihm ehrlich sagen, was ich an seiner Stelle tun würde. Aber Hera Lind hat mich nicht gefragt.


1

0
 
 Martyria 22. Jänner 2019 

Späte Einsichten

Der vormalige Pfarrer wird schon noch zu der Erkenntnis kommen, dass eine Partnerschaft und eine Familie kein gelobtes Land oder ein Selbstläufer sind, schon deshalb nicht, weil der Alltag oft routiniert und wenig romantisch ist. Als Endfünfziger – in dem Alter noch erstmals Vater zu werden, finde ich auch bzgl. des Kindes fast wahnwitzig – wird er vielleicht auch feststellen, dass der Zölibat mit seinen persönlichen Rückzugsmöglichkeiten durchaus seine Vorzüge hat. Dass die Kindsmutter eine ehemalige Schülerin von ihm ist, wirft noch ein besonderes Licht auf die Szenerie.


9

0
 
 SCHLEGL 22. Jänner 2019 
 

Geschmacklos

Von unseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk-und Fernsehanstalten kann man sich doch nichts anderes erwarten! Die brauchen Sensationen um entsprechende Quoten der Einschaltung zu erreichen!
Vor vielen Jahren veranstaltete an einer Volksschule eine Lehrerin ein Fest um mit ihrer 4. Klasse ihre SCHEIDUNG zu feiern! Das war auch wenig gläubigen Eltern zu viel! Es gab eine Beschwerde bei der Schulbehörde. Auch die rote Schulbehörde fand das nicht in Ordnung und hat die Lehrerin kurzerhand an eine andere Schule versetzt.Msgr. Franz Schlegl


17

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 Karlmaria 22. Jänner 2019 

'outthink' the Truth

Die Wahrheit mit tollen Gedanken neu erfinden. Gottes Gebote umdeuten. Eben outthink the Truth. Im Englischen kommt das am besten raus. Da müssen wir jetzt immer ganz achtsam sein. Je länger je mehr wird das so werden dass jeder verführt würde wenn Gott und unsere Mutter uns nicht zur Hilfe kommen!


7

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 Mariat 22. Jänner 2019 

Zum Nachtcafe, verehrter Herr Müller

„Der Liebe eine Chance geben“, war das Thema.
Ich habe die Sendung auch gesehen. Dass die Zuschauer Beifall, Zustimmung geklatscht haben – mag daran liegen, dass sie der Meinung waren:“ Leben und leben lassen“. Ob es vor Gott in Ordnung ist, oder nicht. Man mag doch "Tolerant“ sein.
Ja, der Priester, erklärte ganz nüchtern, wie er jetzt das Zölibat sieht. Zu Beginn in seiner Jugendzeit, dachte er, das schafft er. Doch dann bekam er Sehnsucht, nach Umarmung, Liebe. Nun aber hat er einen anderen Blickwinkel darauf und spricht nicht gut darüber. Auf Nachfrage, hatte er anscheinend keine großen Seelen –Kämpfe auszustehen, das Priesteramt aufzugeben.

Was mich erschüttert hat, war die 13 Jahre lange Abhängigkeit von Claudia Schäfer von einem Mann. Sie lebte ein Leben in der Warteschleife, durchlebte ein Wechselbad der Gefühle. Nur heimliche Treffen, eine Geliebte, war ihr Los. In der Hoffnung, dass er sich eines Tages von seiner Frau trennen wird. Doch sie schaffte den Absprung.


7

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