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Christliche Stressbewältigung

1. Februar 2019 in Spirituelles, 2 Lesermeinungen
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Wie kann man im pastoralen Dienst überleben? Gedanken eines Nichttheologen. Von Stefan Fleischer


Grenchen (kath.net/sf) In einem Interview wurde die Frage gestellt, wie man im pastoralen Dienst überleben könne. Niemand wird bestreiten, dass heute auch im pastoralen Dienst, und ganz besonders im Dienst eines Pfarrers, vielerorts der Stress Einzug gehalten hat. Andererseits aber gibt es auch unter den pastoralen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen solche, welche davon noch nicht so sehr betroffen zu sein scheinen. Auch bei Priestern, welche keine verantwortliche Position in Pfarrei oder Bistum etc. wahrzunehmen haben, ist er weniger zu finden.

Bleiben wir also vorerst beim Pfarrer. Wenn wir aber so fragen, dann merken wir, dass es zwei Welten sind, welche hier aufeinanderprallen. Da ist einerseits der eigentliche priesterliche Dienst, und andererseits der ganze Organisations- und Verwaltungsaufwand. Diese Problematik gab es schon in der Zeit der Apostel, wo jene erklären mussten: „Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen. … Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.“ (Apg 6,2 und 4) Und wenn wir eine andere Stelle der Schrift etwas großzügig verstehen wollen, so hat sogar schon unser Herr diese Frage angesprochen, als er sagte: „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“ (Lk 10,41-42)


In den meiste Anleitungen zur Stressbewältigung in unserer hektischen Welt wird einerseits empfohlen, sich auf die Kernaufgaben und konzentrieren und alles andere so weit als möglich zu delegieren, und andererseits immer nur eine Arbeit auf einmal zu erledigen. Ein gestresster Pfarrer muss sich also zuerst die Frage stellen, welches denn jene Kernaufgaben sind, welche er nicht delegieren kann. Als Nächstes kommt dann die Frage, welche von den anderen Aufgaben überhaupt „need to have“, was nur „nice to have“, und was überflüssig, wenn nicht gar kontraproduktiv ist, um es einmal neudeutsch auszudrücken. Dabei stellt sich dann die Anschlussfrage, was zu delegieren sofort möglich ist und wo eine solche Möglichkeit erst geschaffen werden muss.

Die Kernaufgabe des Priesters, auch, ja gerade in seiner Funktion als Pfarrer, ist und bleibt „das Gebet und der Dienst am Wort“, wie die Apostel sagten. Heute würde man wohl von der Liturgie in alle ihren Formen und der Verkündigung sprechen. Es ist auch heute noch nicht recht, diese zu vernachlässigen, um sich „dem Dienst an den Tischen“, dem irdischen Wohlergehen des Menschen, zu widmen. Diese beiden Bereiche zu trennen haben schon die Apostel versucht, auch wenn es selbst ihnen nicht absolut gelungen ist. Der Diakon Stephanus zum Beispiel war auch sehr in der Verkündigung aktiv. Es würde zu weit führen, hier auf die verschiedenen möglichen Lösungsansätze für unsere moderne Zeit einzugehen. Wichtig ist einfach, dass wir alle, Priester wie Laien, immer wieder an die alte Volksweisheit denken: „Schuster bleibt bei deinen Leisten.“ Das könnte viel Stress auf allen Seiten abbauen.

Und einen weiteren Vorteil hätte diese urchristliche Lösung. Der Priester käme viel weniger in die Versuchung, das Gebet, das persönliche wie die Gottesdienste, zu vernachlässigen. Wir Laien aber wären viel weniger versucht, Aufgaben an uns zu reißen, welche dem geweihten Priester vorbehalten sind. Und alle würden wir deswegen viel weniger nach dem Motto leben: „Es ist etwas geschehen! / Es muss etwas geschehen! / Und wenn dann das nicht zum Ziel führt, versuchen wir eben etwas anderes oder gar mehreres auf einmal.“

Zum Schluss wäre dann noch jenes uralte, aber sehr wirksame „Anti-Stress-Mittel“ zu erwähnen: „An Gottes Segen ist alles gelegen!“ Allein schon zu überlegen, was das konkret in allen Lebenslagen für uns bedeutet, kann uns eine Ruhe und Gelassenheit schenken, welche die Welt mit all ihren Angeboten und Ratschlägen nicht zu schenken vermag.

kath.net-Buchtipp
Heiligkeit für Anfänger
Ein Wegbegleiter
Von Stefan Fleischer
Taschenbuch, 156 Seiten
2011 BoD
ISBN 978-3-8448-0949-7
Preis 12.40 EUR

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