09 November 2018, 17:00
Das mächtige Brüllen des Löwen
 
Legionaere
 
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Der Junge im Kettenhemd schlägt mit dem Mut der Verzweiflung krachend sein Schwert gegen das der großgewachsenen blonden Hexe im Fellkleid. - BeneDicta am Freitag von Linda Noé

Linz (kath.net)
Schnitt.
Die Samtpfoten des mächtigen Löwen greifen weit aus, in schnellem Lauf über das Feld. Auf dem Felsvorsprung über dem Schlachtfeld bleibt er stehen und lässt er ein markerschütterndes Gebrüll hören, das alle im Kampf Verwickelten innehalten lässt. „Das ist unmöglich“ stammelt die Hexe fassungslos.

Meine Kinder haben kürzlich den Wunsch geäußert, den Film „Der König von Narnia“ wieder einmal zu sehen. Immer wieder unterbreche ich die abendliche Hausarbeit und kann mich der Schönheit der Geschichte von C.S. Lewis nicht entziehen. Den meisten von ihnen wird der Inhalt vertraut sein (wenn nicht, dann hier an dieser Stelle eine herzliche und dringende Empfehlung für Jung und Alt!). Die wunderbare Geschichte um das Opfer des Löwen und Herrschers von Narnia, Aslan, für den Jungen Edmund, der gegen das Gesetz verstoßen hat und dessen Tod rechtmäßig von der Hexe gefordert wird, trifft mich immer wieder. Die Verfilmung von 2005 belegt in der Liste der weltweit erfolgreichsten Filme aller Zeiten derzeit Platz 95.

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Wie bei „Herr der Ringe“ wohl ebenso der Fall, berührt die Handlung auch Menschen jenseits eines bewusst gelebten Christentums mit tiefen Wahrheiten und einer Sehnsucht, die jedem, absolut jedem Menschen, von Beginn des Lebens an ins Herz geschrieben sind.

Geistliche Realität, Kämpfe mit Bedeutung, Unvereinbarkeit von Licht und Finsternis, die Unmöglichkeit, sich selbst zu retten, die ganze tiefe menschliche Suche nach Identität, Sinn und Aufgabe. Der majestätische Aslan, ein Bild für Jesus, den mächtigen König, bei dessen Löwengebrüll in der Gerichtsverhandlung um Edmund die stolze Hexe unwillkürlich stolpernd ihr Knie beugen muss.Was für eine Szene!

Schnitt. „Einfach nur Jesus?“

Vielleicht haben Sie ebenso wie ich das Erscheinen einer in Buchform herausgebrachte Kritik einiger deutscher Theologen an „Mission Manifest“ verfolgt. (kath.net hat berichtet) Johannes Hartl veröffentlichte am 2. November eine Rezension des Buches auf facebook, die zu Beginn kurz und gut auf den Punkt bringt: „Zusammenfassung der dort versammelten Argumente: Christen, die zweifeln und sich sozial engagieren, sind gut. Christen, die von geoffenbarter Wahrheit sprechen, diese auch verkündigen und beten, sind verdächtig und wahrscheinlich sogar gefährlich.“

Das ist die klare, ernüchternde und meines Erachtens leider allzu vorhersehbare Übersicht über eine heute im deutschsprachigen Raum weitverbreitete mausgrau-flache Theologie. Ein Schlag ins Gesicht nicht nur für diejenigen, die, wie meine Kinder gerade mit leuchtenden Augen vor dem Fernseher, „Narnia“ mit dem Herzen verstehen.

Für alle heutzutage, die vielleicht ein bisschen so wie ich vor Jahren nach dem Tod meiner Großmutter, eine Erfahrung davon gemacht haben, dass es mehr gibt als das Sichtbare, und auf ihrer Suche auf das lebendige „DU“ Jesus Christus gestoßen sind, das ihre bisherige Welt mit Macht aus den Angeln gehoben hat. Die auf der Suche sind nach Menschen, die Antworten geben können und selbst brennen für das, was ihnen im Glauben geschenkt worden ist. Nach denen, die keine Scheu haben, für jemanden zu beten, in Jesu Namen zu trösten, zu heilen und zu befreien, anstatt das Feld kleinlaut der Esoterik zu überlassen. Diese tiefe Sehnsucht ist dem Menschen eingeschrieben.

Wenn wir Christen nicht Verantwortung übernehmen, dann wird der Verdreher übernehmen. Das „unbesetzte Feld“, die neutrale Zone, existiert schlicht nicht- auch das lehren uns Geschichten wie „Der König von Narnia“, so denke ich, während auf dem Bildschirm der Kampf um Narnia weitergeht, der dank Aslans Gegenwart mittlerweile eine Wendung genommen hat. Jesus Christus, der Weg, die Wahrheit und das Leben. ER, der von sich selbst sagt: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Joh 14,6). Jesus Christus, der den Schuldschein, der gegen uns spricht, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagt haben, aufgehoben und dadurch getilgt hat, dass er ihn ans Kreuz geheftet hat (Kol 2). Er, durch den alleine wir den Sieg auf unserer Seite haben, der brüllende Löwe von Juda.

„Christen, die zweifeln und sich sozial engagieren, sind gut.“

Zweifel zu haben ist menschlich und sich damit auseinanderzusetzen ehrlich, Gott hat uns den Verstand und echte Freiheit gegeben, begleitet uns auf dem Weg, nimmt uns an wie wir sind. Er möchte mit uns aber nicht stehen bleiben, weiter gehen und uns dazu befähigen, Verantwortung zu übernehmen als Seine Zeugen in dieser Welt. Das geforderte soziales Engagement fließt ganz selbstverständlich als Frucht einer lebendigen Beziehung zu Jesus, hat dort doch Ursprung und Ziel. Natürlich, Gott sei Dank, gibt es soziales Engagement auch außerhalb eines bewusst gelebten christlichen Glaubens, Gott ist schließlich der Schöpfer aller Menschenherzen. Dieses Engagement ist aber nicht für sich alleine genommen die Sendung der Kirche. Ich verstehe jeden, der nicht einsieht, weshalb er aus diesem Grund Christ werden sollte, denn die so genannten „guten Menschen“ die anderen helfen, findet man durchaus auch anderswo.

Immer wieder in der Konfrontation taucht auch das verbale Schreckgespenst „Elitekirche“ in der Argumentation gegenüber neuen Bewegungen, Gebetsgruppen, missionarischen Aufbrüchen auf. Auch diesem Vorwurf müssen sich die Initiatoren des „Mission Manifest“ stellen. „Wollt ihr eine Elitekirche? Haltet ihr euch für etwas Besseres?“ Auf dem TV- Schirm in meinem Wohnzimmer sind wir mittlerweile bei dem Moment in der Geschichte angekommen, in dem Aslan die Kinder (!) nach geschlagener Schlacht krönt und auf vier Throne setzt.

Schmerzhaft ist für mich das offensichtlich schiefe Verständnis von Leiterschaft innerhalb der Kirche und gegenüber den Christen in der Welt. Was bedeutet denn überhaupt „Elite“ in diesem Zusammenhang? Besteht die „Elite“ der Kirche aus den „besseren“ Menschen, die vorne stehen, auf alle einreden, Karriere machen? Die anderen die Wahrheit um die Ohren hauen und auf sie herabsehen, anstatt sie zu sehen wie sie sind: Menschen, für die Jesus sein Leben gegeben hat, damit sie in ein Leben in Fülle kommen können? Dem Teufel wäre ein zu großer Coup gelungen, wenn er es geschafft hätte, jede gesunde Autorität zu verdrehen und überzeugte Gläubige öffentlich nur mehr als verdächtig und sektiererisch erscheinen zu lassen .

Wir wissen es doch wirklich besser: „Der Größte von euch soll euer Diener sein.“ (Matt 23,11). Wer ist wirklich die „Elite“, wer sind die Vorausgehenden, innerhalb der Kirche, wenn wir das Wort ihres Hauptes, Jesus Christus, und Sein Beispiel, ernst nehmen? Wer, wenn nicht die Heiligen? Möchte ich eine solche „Elitekirche“? JA, BITTE! Ich glaube, wir brauchen tatsächlich nichts dringender als diese Heiligen, im Himmel und auf der Erde, die mit Autorität und Liebe in Jesus Christus den vielen dienen, die auf der Suche sind, innerhalb und außerhalb der Kirche, und sie zu Ihm führen, dem Löwen von Juda- anstatt in die Diktatur des Relativismus. Wir können nicht erst damit anfangen, wenn wir perfekt sind oder Gott ganz verstanden haben, denn dann werden wir niemals soweit sein.

Meine eigenen (Königs-) Kinder habe ich inzwischen ins Bett gebracht und mir dabei einen Satz des Autors von Narnia vor Augen gehalten: "Es gibt keine gewöhnlichen Menschen. Es sind Unsterbliche, mit denen wir scherzen, arbeiten, verheiratet sind, die wir kurz abfertigen und ausbeuten." Ich bin so dankbar für die Kreativität von Menschen wie C.S. Lewis, deren Herz von Jesus Christus entzündet worden ist. Für das mächtige Brüllen des Löwen. Möge es unsere tiefste Sehnsucht wecken.




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