10 September 2018, 11:40
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"Der jetzige Papst hat mit den offenkundigen Mißbrauchsfällen im Klerus nicht nur ein Problem in der Kirche, er scheint selbst ein Teil dieses Problems zu sein." Gastkommentar des Theologen Hubert Windisch

Regensburg (kath.net)
Der jetzige Papst hat mit den offenkundigen Mißbrauchsfällen im Klerus nicht nur ein Problem in der Kirche, er scheint selbst ein Teil dieses Problems zu sein. Wer sich dieser Tatsache nicht stellen will, sei es als Kardinal, als Bischof oder als Theologe, vergrößert das Problem und mindert zunehmend die Glaubwürdigkeit der Kirche. Das zu sagen, hat nichts mit unberechtigter Kritik am Papst zu tun, sondern ist Ausdruck der Verpflichtung zur Wahrheit und zur Liebe zur Kirche. Es erstaunt, daß diejenigen, die vor noch nicht allzu langer Zeit ob ihrer ständigen, oft unberechtigten Papstkritik geadelt wurden, jetzt diejenigen lautstark tadeln, die auf der Basis der Unterscheidung zwischen Amt und Person eine berechtigte Papstkritik üben.

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Man diskreditiert dabei die Reaktionen auf die schrecklichen Vorfälle in der katholischen Kirche weltweit und den damit verbundenen Vertrauensverlust in das Priesteramt, indem man die Fakten kleinredet, die Hintergründe verschleiert und die verunsicherten Gläubigen beschwichtigt. So aber kann leicht eine Verdrehung der Ursachen entstehen. Der Merkel-Apparat macht es im Augenblick im Umgang mit den Chemnitzer Ereignissen auf bedrückende Weise vor. Opfer können sogar zu Tätern stilisiert werden, etwa dann, wenn der ehemalige Kardinal Danneels von Brüssel dem von seinem Onkel, dem ehemaligen Bischof Vangheluwe von Brügge, mißbrauchten Neffen rät, sich bei seinem bischöflichen Onkel zu entschuldigen.

Vor dem Hintergrund der immer neu zu Tage tretenden Mißbrauchsfälle im Klerus kann auch nicht mehr verschwiegen werden, daß diesbezüglich ein problematischer Zusammenhang zwischen Priesteramt und Homosexualität besteht. Ein Anteil von 80- 90% der Fälle, in denen heranwachsende Jungen oder junge Männer durch Männer (Priester) sexuell mißbraucht wurden, lügt nicht. Die „Instruktion über Kriterien zur Berufsklärung von Personen mit homosexuellen Tendenzen im Hinblick auf ihre Zulassung für das Priesteramt und zu den heiligen Weihen“ der Kongregation für das
Katholische Bildungswesen vom 4. November 2005 ist endlich ernst zu nehmen und in den Priesterseminarien umzusetzen.

Homosexuelle Männer können Enthaltsamkeit versprechen, aber nicht das Zölibat, d. h. die Ehelosigkeit, außer man wollte behaupten, eine sog. „Homo-Ehe“ sei damit auch gemeint. Selbst ein Vir Probatus könnte nach katholischer Lehre nur in einer heterosexuellen Ehe leben. Damit ist zweierlei mitgesagt: Zum einen sollen diejenigen homosexuell empfindenden Männer, die schon zu Priestern geweiht sind, keusch ihren priesterlichen Dienst verrichten – zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen. Zum anderen sollen künftig homosexuell empfindende Männer in der Kirche auf andere Weise als im sakramentalen Priesteramt ihren kirchlichen Weg im Angesichte Gottes suchen und auch finden.

Zum Abschluß zwei biblisch fundierte Anregungen: 1. „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie“ (Gen 1,27). Und 2. Die „portae inferi“ sind auch in der Kirche präsent – das zeigt der kirchliche Augenblick sehr deutlich – „et non praevalebunt adversus eam“ (vgl. Mt 16,18).

Hubert Windisch ist emeritierter Professor für Pastoraltheologe der Universität Freiburg.

Symbolbild: Vatikan

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