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Orthodoxer Patriarchengipfel zu Ukraine am 31. August in Istanbul

11. August 2018 in Weltkirche, 3 Lesermeinungen
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Bartholomaios und Kyrill wollen Lösung finden - Verhinderung einer Entscheidung zugunsten einer kirchlichen Selbstständigkeit Kiews ist Hauptanliegen Kyrills


Rom (kath.net/KAP) Ein orthodoxer Patriarchengipfel zur Lösung des innerkirchlichen Konflikts um die Ukraine findet am 31. August in Istanbul statt. Das berichtete die vatikannahe Website "Il Sismografo" am Montag. Demnach wird der Patriarch von Moskau, Kyrill I., Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel am Sitz des Ökumenischen Patriarchats im Stadtteil Phanar in Istanbul besuchen. Bartholomaios und Kyrill wollen jetzt eine Lösung in dem zuletzt im Juli eskalierten Streit zwischen den beiden finden, bei dem es um die Ukraine geht. Kyrill werde vom Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion von Wolokolamsk, begleitet werden, heißt es.

Thema des Treffens ist die Zukunft der ukrainischen orthodoxen Kirche. Der Wunsch Kiewer Kirchenverantwortlicher nach Unabhängigkeit von Moskau war im Phanar vor einigen Monaten vorgebracht worden. In der Folge hatte am 27. Juli eine Delegation des Ökumenischen Patriarchats dem ukrainischen Präsident Petro Poroschenko die Botschaft überbracht, dass die kirchliche Verselbstständigung der ukrainischen Orthodoxie "beschlossene Sache" sei.


"Katastrophe für die Orthodoxie"

Der Patriarch von Moskau, von dem und von dessen Vorgängern die Ukraine seit dem 17. Jahrhundert in einer gemeinsamen Jurisdiktion gehalten wird, bezeichnete eine ukrainische Autokephalie allerdings als "Katastrophe für die Orthodoxie". Die Verhinderung einer solchen Entscheidung ist dementsprechend aktuell das Hauptanliegen Kyrills.

Poroschenko wiederum dankte am 27. Juli der Delegation aus dem Phanar für dessen Einleitung des Autokephalieprozesses: "Für die meisten Ukrainer ist es von Bedeutung, dass ihre Kirche nicht der russischen angehört, der sie im 17. Jahrhundert auf kirchenrechtswidrige Weise eingegliedert wurde. Wir sind der Ansicht, dass Konstantinopel unsere Mutterkirche ist." Die Rückkehr in den Schoß der Mutterkirche sei ein "historischer Augenblick für unser Land und unsere Kirche".

Seinerseits unterstrich der Phanar-Delegat, Metropolit Emmanuel Adamakis von Paris, "die kompromisslose Unterstützung" der Konstantinopler Mutterkirche für Kiew. Der diesbezügliche Beschluss der Heiligen Synode des Patriarchats habe "den Weg in eine neue Epoche" frei gemacht. "Kiew war immer unter der kirchlichen Protektion (Omophorion) des Ökumenischen Patriarchats. Wir haben alle historischen Dokumente in der Hand, die das beweisen", stellte Adamakis mit Nachdruck fest. Anschließend verlas Bischof Ilarion Rudnik von Edmonton in Kanada die Botschaft von Patriarch Bartholomaios I. an Poroschenko, mit der zentralen Aussage, dass die Würfel für die Autokephalie der ukrainischen Orthodoxie gefallen seien und die Promulgierung des diesbezüglichen Dokumentes (Tomos) nur mehr eine Formsache und Frage der Zeit darstelle.

Radikale Entwicklung unwahrscheinlich

Kirchenpolitische und diplomatische Beobachter orten bereits eine Spaltung der griechisch-orthodoxen Kirchenfamilie zwischen den von Konstantinopel und Moskau geführten Blöcken. Diese hatten sich bereits in der Frage des vom Ökumenischen Patriarchat einberufenen Orthodoxen Konzils von Kreta 2016 herausgebildet. Bartholomaios wird insbesondere von Rumänien unterstützt, Kyrill wiederum von Serbien und vom zweithöchsten Kirchenfürsten der Orthodoxie, Patriarch Theodoros II. von Alexandria. Während sich Medien zufolge eine weitere Kirchenspaltung innerhalb der Orthodoxie, mit dem "Dritten Rom" Moskau im Zentrum, abzeichnet, sprechen die bisherige Erfahrungen jedoch nicht für eine so radikale Entwicklung.

In der Orthodoxie bilden die zur Zeit 14 autokephalen Kirchen gleichberechtigte Glieder einer Glaubens- und Sakramentengemeinschaft. Zu den Vorrechten Konstantinopels gehören zwar die Gewährung der Autokephalie und andere Aufgaben, doch kein universeller Jurisdiktionsprimat, wie ihn der abendländische Papst für sich in Anspruch nimmt. Denn kein orthodoxes Kirchenzentrum kann ein anderes von den Sakramenten und besonders von der eucharistischen Communio ausschließen. Aufgekündigt wird in Streitfällen nur die Gebetsgemeinschaft für das strittige geistliche Oberhaupt der Rivalen.

Regelrechte Kirchenspaltungen hat es nur innerhalb ein- und derselben Gemeinschaft gegeben. So zwischen dem Moskauer Patriarchat und der russischen Emigrantenkirche im Ausland. Dieses Schisma wurde aber 2007 beigelegt.

Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich


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