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Am Abend in die Messe und danach Cocktails trinken - warum nicht?

6. Juni 2018 in Kommentar, 46 Lesermeinungen
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Sich schön schminken, bevor man in den Gebetskreis geht - was ist falsch daran? Zeugnis von Gott geben, aber nicht nur in der Pfarre, sondern auch auf einer Studentenparty - Die Jugendkolumne von kath.net - Von Alexandra Hartlieb


Salzburg (kath.net)
"Jetzt seid ihr Jungen dran", habe ich in den letzten Jahren des Öfteren von Verwandten und Bekannten gehört. Was sie damit meinten ist: Die nächsten, die heiraten und Kinder bekommen werden, seid ihr. Auf der Verwandtschaftsseite meines Vaters sind mittlerweile alle meine Cousinen und Cousins verheiratet und bereits Eltern geworden und somit ist es klar, dass die Blicke sich nun langsam auf meine älteren Brüder und irgendwann auch auf mich richten werden. In meinem Freundeskreis ist es ähnlich: Einige meiner engsten Freundinnen sind momentan verlobt, manche schon verheiratet und so stellt sich nun langsam in meiner Umgebung nicht nur die Frage, wann - so Gott will - Kinder kommen werden, sondern auch, wie die Erziehung aussehen soll.

Unter meinen Freunden ist das glasklar: Christlich soll sie sein. Aber welche Art von Christen wollen wir aufziehen? Mein Freund und ich haben uns letztens über dieses Thema unterhalten. Wir kamen auf eine Beobachtung zu sprechen, die wir beide separat gemacht hatten: Es ging um die Tatsache, dass viele christliche Kinder und Jugendliche einfach "uncool" wirken. Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich habe dabei das Bild von jungen Katholiken vor Augen, die ein unförmiges T-Shirt tragen, an ihren Füßen Socken unter den Sandalen haben und sich kaum trauen, den Mund aufzumachen. Christen, die so oberfromm erzogen wurden, dass sie keinen Humor erkennen und so leise und schüchtern reden, dass man sie kaum verstehen kann.


Als ich vor Jahren die Loretto Gemeinschaft kennenlernte, war ich von vielen Jugendlichen fasziniert, die ich da traf. Sie waren jung und katholisch, sie liebten und praktizierten ihren Glauben, waren voller Feuer für Gott und gleichzeitig so wunderbar normal, so schön, so (im besten Sinne des Wortes) reizvoll. Als ich dann 2013 für mein Studium nach Salzburg zog und selbst der Gemeinschaft beitrat, kam ich diesen Menschen immer näher. Ich lernte sie kennen und v.a. lieben, gerade deswegen, weil sie so gläubig und gleichzeitig herrlich normal waren. Durch sie sah ich, dass Glaube nicht alt und verstaubt, nicht schüchtern oder leise sein muss, sondern dass im Glauben so viel frisches, anziehendes und auch eben cooles sein kann. Und genau so sollten auch wir Christen sein. Am Abend in die Messe und danach Cocktails trinken - warum nicht? Sich schön schminken, bevor man in den Gebetskreis geht - was ist falsch daran? Zeugnis von Gott geben, aber nicht nur in der Pfarre, sondern auch auf einer Studentenparty – gehört das nicht zu unserem Auftrag?

Mir kommt es teilweise so vor, dass manche katholischen Eltern so Angst davor haben, ihre Kinder könnten vom rechten Weg abkommen, dass sie versuchen, sie so weit wie möglich von der „normalen“ Gesellschaft zu separieren. Es ist gut, ein wachsames Auge zu haben und es ist gut, Grenzen zu ziehen, aber ich glaube, man darf sie auch nicht zu eng ziehen und wir tun den Kindern Unrecht, wenn wir sie abschotten wollen, wenn wir nur darauf achten, dass ihre Kleidung sittsam, aber nicht schön ist, wenn wir nicht zulassen, dass sie sich ihre eigenen Freunde suchen. Oft hören wir: Wir sind in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt. So wahr dieser Satz auch ist, der erste Teil wird oft ignoriert. Es ist nichts schlechtes in dieser Welt zu sein. Es ist sogar gut, denn sonst könnten wir nicht Zeugnis von Dem geben, der uns antreibt.

Ihr lieben jungen Leute, die ihr Eltern werdet oder schon seid: Bitte erzieht eure Kinder nicht zu christlichen Losern! Wir brauchen Kinder und Jugendliche, die gläubig, schlagfertig und cool sind, die Humor haben, gut aussehen und in ihren Freundeskreisen von Jesus erzählen. Ich persönlich umgebe mich so gerne mit schönen Menschen, die Witz und Charme haben. Solche Christen sind eine große Chance, um Leute zu erreichen, die Gott noch nicht kennen, genau so war es auch bei mir. Unsere Kirche braucht eine Mission, die frisch und jugendlich ist. Unsere Kirche braucht junge Heilige, die in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt sind.


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