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Könnten Sie noch gut schlafen?

16. Mai 2018 in Kommentar, 11 Lesermeinungen
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US-Präsident Donald Trump ist aus dem Atomdeal mit dem Iran ausgestiegen – die Empörung ist gross. Wer schimpft, sollte sich fragen, welchen Nationen er eigentlich seine Nachtruhe verdankt. Gastkommentar von Giuseppe Gracia/Blick.CH


Chur (kath.net/Blick.CH) Dass die USA aus dem Atom-Deal mit dem Iran ausgestiegen sind, hat weltweite Reaktionen ausgelöst. Mich hat es an einen Videoclip des jüdischen Radiomoderators und Publizisten Dennis Prager erinnert. Das Video ist im Internet leicht zu finden unter dem Titel „The Middle East Problem“ (Das Nah-Ost-Problem).

Darin behauptet Dennis Prager, der Konflikt zwischen Israel und Syrien, Iran, Irak oder der im Gazastreifen regierenden Hamas sei nahezu unmöglich zu lösen, jedoch relativ leicht zu verstehen. Die eine Seite (Israels Nachbarn) wolle die andere Seite (Israel) tot sehen. Dazu bietet Prager ein Gedankenexperiment. Was würde passieren, wenn Israel morgen ankündigte: «Wir kämpfen nicht mehr! Wir legen unsere Waffen nieder und geben auf!» Israels Nachbarn würden das Land vernichten und die Juden in dieser Region komplett auslöschen. Und was würde passieren, wenn umgekehrt Syrien, Iran oder Irak ankündigten: «Wir kämpfen nicht mehr! Wir legen unsere Waffen nieder und geben auf!» Israel würde diese Länder nicht angreifen, sondern es würde Frieden einkehren.


Einen ähnlichen Gedanken äusserte auch der Schweizer Philosoph Michael Rüegg in der SRF-Radiosendung „Tagesgespräch“. Er erklärte, Israel besitze mehr als 200 Atomsprengköpfe, in Reichweite von Europa. Trotzdem habe niemand in Europa Angst vor diesen Bomben, denn niemand fürchte, dass Israel Europa angreife, nicht einmal jene, die kein gutes Haar an Israel lassen und als Apartheidstaat diffamieren. Man stelle sich vor, Ägypten, Syrien, Irak, Iran oder die Hamas verfügten über eine vergleichbare militärische Potenz. Wer in Europa könnte noch schlafen?

Wer jetzt also wegen dem Iran-Atomdeal über die USA schimpft, sollte sich fragen, welchen Nationen er in den letzten Jahrzehnten eigentlich seine Nachtruhe verdankt. Und welche Alpträume auf uns zukämen, wären nicht die Juden, sondern ihre Nachbarn im Besitz von 200 Atomsprengköpfen.

Giuseppe Gracia (50) ist Schriftsteller und Medienbeauftrager des Bistums Chur. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. In seiner BLICK-Kolumne, die jeden zweiten Montag erscheint, äussert er persönliche Ansichten.

Foto: Symbolbild


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