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Sorge um die Einheit

11. Mai 2018 in Spirituelles, 5 Lesermeinungen
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"Die Bindung an Jesus Christus als den einen Herrn muss das tragende Fundament der Einheit sein." Von Bischof Heinz Josef Algermissen


Fulda (kath.net/pbf) Die Briefe des Apostels Paulus sind häufig durch konkrete Probleme in seinen Gemeinden veranlasst. So auch der erste Brief an die Korinther. Das Problem, das Paulus gleich zu Beginn aufgreift, ist die Gefahr der Spaltung, die unter der kleinen Christengemeinde in der damaligen Weltstadt Korinth eine ernste Bedrohung darstellt.

Dem Apostel wurde berichtet, dass es Zank und Streit unter den Mitgliedern der Gemeinde gibt. Es haben sich drei Parteien gebildet, die sich auf verschiedene Missionare, Paulus, Apollos, Kephas, berufen. Eine vierte Partei beruft sich auf Christus selbst.

Apollos war ein Jude aus Alexandria, von dem die Apostelgeschichte sagt, dass er redekundig und in der Schrift bewandert war (vgl. Apg 18, 24). Die Gruppe um Apollos hat wohl dessen Theologie der schlichten Verkündigung des Paulus vorgezogen. Sie glaubt anscheinend, durch religiöse Erkenntnis schon jetzt das Endziel des Gottesreiches erreicht zu habe. Wer das aber glaubt, für den kann das Kreuz Jesu Christi keine Bedeutung mehr haben. Er ist nicht auf die Erlösungstat Jesu angewiesen, verlässt sich vielmehr auf eigene Leistung.


Die Anhänger des Kephas, des Apostels Petrus, haben vermutlich unter Berufung auf diesen Urapostel das Apostelamt des Paulus in Zweifel gezogen. Es handelt sich bei dieser Gruppe wohl um Judenchristen aus Palästina, die der Heidenmission des Paulus mit ihrer Botschaft vom gesetzesfreien Evangelium ohnehin ablehnend gegenüberstanden.

Paulus hat nach Auskunft der Apostelgeschichte (vgl. Apg 18, 1-16) die Gemeinde von Korinth gegründet. Seine Partei wird sich erst als Reaktion auf die Gruppenbildung um Apollos und Kephas-Petrus gebildet haben.

Gegen dieses Parteienunwesen in Korinth legt Paulus entschieden Widerspruch ein. Schon bevor er die einzelnen Parteien beim Namen nennt, mahnt er eindringlich, keine Spaltungen zu dulden. Die Bindung an Jesus Christus als den einen Herrn muss das tragende Fundament der Einheit sein. Demgegenüber haben Bindungen an Personen, die einander ausschließen, keinerlei Berechtigung.

All diesen Bestrebungen setzt Paulus die Fragen entgegen: „Ist denn Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?“ Im Hintergrund steht die Vorstellung von der Kirche als dem „Leib Christi“ (vgl. 1 Kor 12, 12). Dieser Leib, Christus, darf nicht zerrissen werden.

Was für die Kirche in Korinth drohende Gefahr war, das ist für die Kirche heute tragische Wirklichkeit.
Paulus würde der gespaltenen Kirche von heute die gleichen Fragen entgegenhalten wie damals der Kirche von Korinth: Ist denn Christus zerteilt? Wie könnt ihr „Ja“ zu Jesus Christus sagen, wenn ihr seine Kirche ablehnt, die er durch seinen Tod und seine Auferstehung begründet hat?

Was sollen wir auf solche Fragen antworten? Wir könnten Paulus nur beschämt Recht geben. Es bleibt uns, treuer dafür zu beten und glaubwürdiger zu arbeiten, dass die Konfessionen den Mut finden, Gräben zu überspringen, Trennungen zu überwinden, die immer wieder aufkeimenden alten Vorurteile aufzuarbeiten. Die notwendige Einheit der Kirche unter dem einen Herrn Jesus Christus bedarf für die katholische Kirche der Einheit im Glauben und in der Feier der Sakramente. Also nicht stehenbleiben bei „versöhnter Verschiedenheit“, sondern den ökumenischen Weg weitergehen zur „Einheit in der Vielfalt“!
Diese Tage zwischen den Hochfesten Christi Himmelfahrt und Pfingsten laden in besonderer Weise ein, für diese Einheit der Christen zu beten.

Foto Bischof Algermissen (c) Bistum Fulda


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