07 November 2003, 13:48
Schönborn kritisiert UN-Klonbeschluss und 'Wir sind Kirche'
 
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Bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Herbstsession der österreichischen Bischöfe stellte der Wiener Erzbischof die Ergebnisse des Treffens vor.

Wien (www.kath.net) Der Tag, der ein Jahr dauert - der "Mitteleuropäische Katholikentag" (MEKT) - war eines der Hauptthemen der Herbstsession der Österreichischen Bischofskonferenz, die von 3. bis 6. November in Wien tagte. Das Projekt beginne schon Wirkung zu zeigen, jedoch "mehr in den Nachbarländern als bei uns", erklärte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, am Freitagvormittag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Zentraler Gedanke dieses "Tages, der ein Jahr dauert" (Schönborn), sei die "Reinigung der Erinnerung" in den acht Teilnehmerländern, unterstrich der Wiener Erzbischof. Ohne diese sei eine Versöhnung "nicht wirklich möglich". Es gehe darum, "die Belastungen der Geschichte zu überwinden". Höhepunkt dieses gemeinsamen Weges ist die "Wallfahrt der Völker" am 23. / 24. Mai in Mariazell. Es werde eine Erinnerungsmedaille an dem MEKT geben, mit deren Erlös die Kosten für die Großveranstaltung finanziert werden soll, berichtete Schönborn (Wortlaut aller Erklärungen der Bischöfe am Ende des Berichts.)

Klonen und Euthanasie

Zweites Schwerpunktthema der Herbstsession waren Fragen der Lebensethik, vor allem Klonen, Embryonenforschung und Euthanasie. "Manchmal macht man der Kirche den Vorwurf, sie kümmert sich mehr um das ungeborene als das geborene Leben", sagte Schönborn. Dies sei jedoch eine "oberflächliche Polemik". Von Seiten der Bischöfe gebe es ein "klares Nein" zur Embryonenforschung. Das Scheitern der Verhandlungen für ein Klonverbot auf Ebene der Vereinten Nationen in der Nacht zum Freitag in New York sei eine "Katastrophe". Er fürchte, es sei "zu einem falschen Kompromiss" gekommen. Es gebe kein "Recht auf Euthanasie", betonte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz. Sonst würde sehr bald gesellschaftlicher, manchmal auch familiärer Druck entstehen, bei auftretenden Krankheiten, Minderung der Kräfte oder anderen Problemen das Leben abzukürzen: "Behinderte, alte und kranke Menschen müssen in Europa sicher leben können".

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Die Bischöfe plädierten in einer Erklärung für Solidarität mit dem Heiligen Land. Pilgerreisen und Wallfahrten seien mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen zu empfehlen, betonte Schönborn. Auch die weltweiten Gedenkveranstaltungen zum 70. Jahrestag der von Stalin ausgelösten Hungerkatastrophe in der Ukraine (1932/33) sind den Bischöfen ein Anliegen. Die Zahl der Opfer reiche von sieben bis elf Millionen Menschen, erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz. Das Gedenken an die ukrainische Katastrophe sei notwendig, weil es zeige, "wie sehr totalitäre Regime den Respekt vor dem menschlichen Leben vergessen haben", hielten die Bischöfe in einer Erklärung fest. Die österreichischen Bischöfe würdigten auch die Arbeit der "Koordinierungsstelle" für internationale Entwicklung und Mission, die die Länder des "Südens" unterstützt.

Frauen statt Frauenkommissionen

Auf die Kritik von Gruppierungen angesprochen, die den "Dialog für Österreich" als "eingeschlafen" und mangelhaft betrachten, meinte Schönborn, man könne "nicht sagen, dass der Dialog zu Ende ist". Er finde jedoch "nicht unbedingt in der Weise statt, wie manche Leute sich das erwartet haben". Zum Dialog gehörten immer zwei Partner. Wenn die "andere Seite" nicht mit dem Gespräch zufrieden sei, sei das "auch ein Teil des Dialogs". Angesprochen auf das Faktum, dass Wien die einzige österreichische Diözese ohne Frauenkommission sei, meinte der Erzbischof, die Mitarbeit von Frauen sei ihm wichtiger als die Existenz einer Frauenkommission. In der Wiener Erzdiözese nähmen eine Reihe von Frauen Spitzenpositionen ein.

Kritik übte Schönborn an der Gruppierung "Wir sind Kirche". Die Plattform unterstütze eine Initiative eines Netzwerks von Freimaurern, der "Europäischen Humanistischen Förderation", die die Entfernung des Artikels 51 aus dem EU-Verfassungsentwurf fordere. Der Artikel 51 befasst sich mit dem Status der Kirchen und weltanschaulichen Gemeinschaften. Es wird dort unter anderem festgestellt, dass die Union "den Status, den Kirchen und religiöse Vereinigungen oder Gemeinschaften in den Mitgliedstaaten nach deren Rechtsvorschriften genießen", achtet und ihn nicht beeinträchtigt. Außerdem wird festgehalten, dass die Union einen "offenen, transparenten und regelmäßigen Dialog" mit den Kirchen führt. "Diese Dialogklausel wird von 'Wir sind Kirche' in Frage gestellt", sagte Schönborn: "Man wundert sich." Es bestehe ein "deutlicher Erklärungsbedarf".

Wortlaut der Presseerklärungen der Herbstvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz vom 3. bis 6. November 2003 in Wien

1. Mitteleuropäischer Katholikentag

Die Katholiken von acht Ländern in der Mitte Europas haben sich gemeinsam auf den Weg gemacht, um Christus als "Hoffnung Europas" zu bezeugen. Höhepunkt dieses Weges ist die "Wallfahrt der Völker" nach Mariazell am 21./23. Mai 2004. Die Bischöfe laden die österreichischen Katholiken ein, sich an dieser Wallfahrt zu beteiligen, aber auch Herzen und Türen für jene Menschen zu öffnen, die aus den anderen Teilnehmerländern des Katholikentags zur "Magna Mater Austriae" pilgern werden. Mariazell ist einer jener "Quellorte des Glaubens" auf dem europäischen Kontinent, an denen die Menschen Kraft für ihren Weg und Mut zum Leben im Zeichen der Gottes- und Nächstenliebe empfangen. Auch an diesem Wendepunkt unserer Geschichte vertrauen wir auf die Fürbitte der Gottesmutter und laden die Katholiken, aber auch alle anderen Menschen guten Willens ein, die "Wallfahrt der Völker" zum Ausgangspunkt eines neuen Miteinanders in der Herzmitte Europas zu machen. Angesichts des Beitritts von zehn neuen Mitgliedsstaaten zur Europäischen Union am 1. Mai des kommenden Jahres gewinnt die "Wallfahrt der Völker" einen besonderen Stellenwert. Die Katholiken der acht Länder in der Mitte Europas gehen gemeinsam ihren Weg, um einen unverwechselbaren Beitrag zur Wiedervereinigung Europas zu leisten, damit "zusammenwächst, was zusammengehört". Stationen auf diesem Weg sind die großen internationalen Symposien zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen und die internationalen Wallfahrten, die in diesen Monaten in den acht Teilnehmerländern des Mitteleuropäischen Katholikentags - Bosnien-Hercegovina, Kroatien, Slowenien, Ungarn, Slowakei, Tschechische Republik, Polen und Österreich - stattfinden. Die Einladung nach Mariazell gilt allen, insbesondere aber den Pfarrgemeinden, der Jugend, den katholischen Laienverbänden und -bewegungen und den Ordensgemeinschaften. Zur Vorbereitung und Durchführung der "Wallfahrt der Völker" werden in allen österreichischen Diözesen Pilgerbüros eingerichtet.

2. Umfassendes Klonverbot

Im Hinblick auf die Bemühungen um ein weltweites Klonverbot auf UN-Ebene ersuchen die österreichischen Bischöfe die verantwortlichen Politiker, dafür Sorge zu tragen, dass keine falschen Kompromisse geschlossen werden. Beim reproduktiven und beim "therapeutischen" Klonen werden die gleichen Techniken angewendet. Eine Zulassung des "therapeutischen" Klonens wäre unvermeidlich eine Unterminierung des Verbotes des reproduktiven Klonens. Es wäre ein schwerer Verstoß gegen die Integrität und die Würde des menschlichen Lebens, wenn angefangen wird, den Menschen wie einen "Rohstoff" zu behandeln, den man beliebig erzeugt und verwendet. Der wichtigste Grund, warum "therapeutisches" Klonen angestrebt wird, ist die Gewinnung embryonaler Stammzellen. Angesehene Wissenschaftler beteuern, dass adulte Stammzellen eine ethisch unbedenkliche Alternative zu embryonalen Stammzellen darstellen.

3. Nein zur Embryonenforschung

Die österreichischen katholischen Bischöfe danken der für den Bereich Forschung zuständigen Bundesministerin Elisabeth Gehrer, dass sie mit ihrem Veto gegen die Förderung der "spezifischen Forschungsprogramme" im Rahmen des 6. EU-Forschungsrahmenprogramms ein Moratorium erreicht hat. Diese "spezifischen Programme" schließen Forschungsvorhaben mit "überzähligen" Embryonen und embryonalen Stammzell-Linien (sowohl mit bereits vorhandenen als auch mit solchen, die durch Zerstörung von Embryonen gewonnen werden) sowie Forschungstätigkeiten ein, die zur Zerstörung menschlicher Embyronen führen. Menschliche Embryonen dürfen nicht zu einem "Rohstoff" werden. Eine solche Instrumentalisierung missachtet das Lebensrecht, das dem menschlichen Embryo von Anfang an zukommt. Der Mensch ist Mensch von Anfang an, auch als Embryo, und er bleibt der gleiche Mensch bis zu seinem natürlichen Tod, auch wenn er verschiedene Entwicklungsphasen durchläuft. Die österreichischen Bischöfe geben ihrer Hoffnung Ausdruck, dass doch noch eine qualifizierte Sperrminorität erreicht wird und die vorhandenen EU-Gelder für jene Forschungszwecke verwendet werden, bei denen keine ethischen Bedenken bestehen. Dies gilt konkret auch für die Forschung an adulten Stammzellen, mit denen gerade in unserem Land bereits beachtliche wissenschaftliche Erfolge erzielt wurden.

4. Euthanasie-Diskussion

Die österreichischen katholischen Bischöfe haben mit Sorge die erneute Diskussion über Euthanasie in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats wahrgenommen. Sie ersuchen die politischen Vertreter unseres Landes in der Parlamentarischen Versammlung, ihre ganze Überzeugungskraft aufzuwenden, um die von der gleichen Versammlung im Juni 1999 beschlossene Empfehlung aufrecht zu erhalten. Menschliche Zuwendung und entsprechende physische und psychische Betreuung sowie geistliche Begleitung, aber auch palliative Maßnahmen sind der richtige Weg, um den Problemen des Alters, der Krankheit und des Sterbens in humaner Weise zu begegnen. Das Recht eines unheilbar Kranken oder eines Sterbenden, auf lebensverlängernde Maßnahmen zu verzichten, ist zu achten, ein "Recht auf Euthanasie" gibt es jedoch nicht. Ein solches Recht verwandelt sich dort, wo es zugelassen wird, sehr bald in eine Gefahr für die betroffenen Menschen, weil ein gesellschaftlicher, manchmal auch familiärer Druck entstehen kann, bei auftretenden Krankheiten, Minderung der Kräfte oder anderen Problemen das Leben abzukürzen. Behinderte, alte und kranke Menschen müssen in Europa sicher leben können!

5. Heiliges Land

Die katholischen Bischöfe Österreichs sind in tiefer Sorge über die Situation im Heiligen Land. Die Lesung der Heiligen Schrift verbindet die Christen täglich mit diesem Land und seinen Menschen. Um so mehr sind die Christen zutiefst betroffen über alle Nachrichten von blutigen Terrorakten und ebenso blutigen Vergeltungsschlägen. Friede kann nur werden, wenn Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe die Oberhand gewinnen. Ein bescheidener Beitrag zum Frieden im Land Jesu besteht auch darin, dieses Land nicht einfach abzuschreiben. Gerade Österreich ist historisch vielfach mit dem Heiligen Land verknüpft, unter anderem auch durch das Österreichische Hospiz in Jerusalem. Das Mitgefühl und das Mitleiden der Katholiken in Österreich gilt allen Menschen im Heiligen Land, Juden, Christen und Muslimen. Darüber hinaus ist die Solidarität mit den Christen im Land Jesu eine besondere Verpflichtung. Am Ursprungsort des Christentums dürfen nicht nur tote Steine von den Anfängen reden, die Botschaft des Evangeliums muss auch in lebendigen Christengemeinden präsent sein. Einzelne Gemeinschaften - wie die Ritter vom Heiligen Grab - haben bereits bisher die Solidarität mit den Christen des Heiligen Landes zu ihrer Sache gemacht. Diese Solidarität ist eine Verpflichtung.

6. Gedenken an die Ukraine

Heuer jährt sich zum 70. Mal das Gedenken an die Opfer der von Stalin ausgelösten Hungerkatastrophe der Jahre 1932/33 in der Ukraine. Die Angaben über die Zahl der Opfer reichen von drei bis acht Millionen Menschen. Die Tragödie wurde damals tot geschwiegen; so ist es bis heute geblieben. Die historischen Verbindungen zwischen Österreich und der Ukraine, aber auch die Präsenz einer großen ukrainischen Kommunität in Österreich, sind für die katholischen Bischöfe in Österreich ein zusätzlicher Impuls, sich den weltweiten Gedenkveranstaltungen in den nächsten Wochen anzuschließen. Das Gedenken an die ukrainische Katastrophe ist in zweifacher Hinsicht notwendig: Es zeigt, wie sehr totalitäre Regime den Respekt vor dem menschlichen Leben vergessen haben. Es erinnert aber zugleich daran, dass auch heute der "Skandal des Hungers" in so vielen Ländern nicht vergessen werden darf. Das Recht auf Nahrung ist eines der grundlegenden Menschenrechte. Wer dieses Recht in Frage stellt, lästert Gott.

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