25 April 2018, 11:30
„Wir werden es nie erfahren, wenn wir es nicht so machen wie Petrus“
 
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„Was ändert sich, wenn Jesus in unserer Welt herrscht, das heisst in meiner persönlichen Welt, in meinem Herzen? Sehr viel! Vielleicht sogar alles!“ Von Nuntius Thomas E. Gullickson

Einsiedeln (kath.net) kath.net dankt S.E. Erzbischof Thomas E. Gullickson, Apostolischer Nuntius in der Schweiz, für die freundliche Erlaubnis, seine Predigt in der Hl. Messe beim Einkehrtag der katholischen Volksbewegung „Pro Ecclesia“ in Einsiedeln am 21. April 2018 in voller Länge veröffentlichen zu dürfen. - Apostelgeschichte 9,31-42; Joh 6,60-69.


Gelobt sei Jesus Christus!

Es ist wirklich schön, dass wir unseren Einkehrtag hier der Mutter Gottes von Einsiedeln anvertrauen dürfen. In der Osterzeit ist die erste Lesung jeweils aus der Apostelgeschichte. Die Apostelgeschichte bietet uns eine Betrachtung der Macht Gottes, des Vaters, welche ausgeübt wird im Leben der Kirche durch das Wirken des auferstandenen Sohnes im Heiligen Geist. Eine Volksbewegung wie „Pro Ecclesia“ muss sich inspirieren und formen lassen vom Wirken dieser Heiligen Kirche, die wir vor unseren Augen sehen. Es ist heute wie in der Apostelgeschichte dieselbe Kirche der Anfangszeit.

Das Evangelium bietet uns in besonderer Weise die Gelegenheit, über die zentrale Bedeutung Christi und die Ausgiessung des Heiligen Geistes für unser Heil nachzudenken. Wir können die Botschaft des eben gehörten Evangeliums in diesen knappen Worten zusammenfassen: Für das Heil der Welt gibt es nichts Besseres und nichts anderes als Jesus Christus.

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„Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“

Was bedeutet es, Jesus als den „Heiligen Gottes“ zu bekennen? Es bedeutet, dass wir in und aus seiner Kraft leben und nicht auf unsere eigene Vertrauen. Es bedeutet, dass ich mich darum bemühe, seinen Willen zu erkennen und mich dann diesem Willen zu unterwerfen. Es bedeutet, Christus, den König in allen und allem herrschen zu lassen.

Und was ändert sich bei einer solchen Lebenseinstellung? Was ändert sich, wenn Jesus in unserer Welt herrscht, das heisst in meiner persönlichen Welt, in meinem Herzen? Sehr viel! Vielleicht sogar alles! Ich hoffe, dass ich jetzt niemanden verletze, wenn ich sage, dass es ausserhalb der kontemplativen Männer- und Frauenklöstern und neben den Heiligen schwer ist, in der Kirche eine so radikal auf die Person Jesu konzentrierte Lebenseinstellung zu begegnen. Es sieht ganz so aus, als ob die heute im aktiven Leben tätigen Katholiken, Päpste, Kardinäle, Bischöfe, Äbte, Priester, Diakone, Ordensleute und in der Kirche engagierte Laien nicht mehr bereit sind, wie damals Petrus und die andern Apostel dem Herrn den ersten Platz einzuräumen auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens.

„Die Kirche in ganz Judäa, Galiläa und Samarien hatte nun Frieden; sie wurde gefestigt und lebte in der Furcht vor dem Herrn. Und sie wuchs durch die Hilfe des Heiligen Geistes.“

Diese Worte und ihre Bedeutung für unser Leben in Christus werden von uns oft zu wenig beachtet: Die Kirche zu Zeiten der Apostelgeschichte hatte Frieden; sie wurde gefestigt und lebte in der Furcht vor dem Herrn. Die Kirche wuchs durch die Hilfe des Heiligen Geistes. Dieser Friede und das Wachstum im Heiligen Geist wurden sichtbar in den von den Aposteln gewirkten Zeichen.

Von zwei dieser Zeichen, die dem Heiligen Petrus zugeschrieben wurden, haben wir eben gehört. Schauen wir noch einmal, was uns die wenigen Verse der Apostelgeschichte aus der ersten Lesung von heute sagen:

„Petrus sagte zu ihm: Äneas, Jesus Christus heilt dich. Steh auf und richte dir dein Bett! Sogleich stand er auf.“

Der Text ist ganz eindeutig und klar: Der Hl. Petrus kündigt im Gehorsam zu Christus die Heilung des Äneas an, „…der seit acht Jahren lahm und bettlägerig war.“

Noch eindrücklicher ist die Beschreibung der Art und Weise, wie Petrus Tabita unter die Lebenden zurückruft: „Petrus aber schickte alle hinaus, kniete nieder und betete. Dann wandte er sich zu dem Leichnam und sagte: Tabita, steh auf! Da öffnete sie ihre Augen, sah Petrus an und setzte sich auf. Er gab ihr die Hand und ließ sie aufstehen; dann rief er die Heiligen und die Witwen und zeigte ihnen, dass sie wieder lebte.“

Was müsste die Frucht eines Einkehrtages wie der unsrige heute sein für das Leben von jedem von uns und im Leben der Volksbewegung „Pro Ecclesia“? Wir werden es nie erfahren, wenn wir es nicht so machen wie Petrus. Wie der Hl. Petrus müssen wir die an uns gerichteten Bitten der andern, das heisst, die Bitten von Gläubigen und vertrauensvollen Menschen, aufnehmen und sie vor den Herrn tragen, wie es Petrus gemacht hat: „Petrus aber schickte alle hinaus, kniete nieder und betete.“

Wie lässt es sich erklären, dass wir heute den Eindruck haben, die Kirche lebe nicht in Frieden, sondern sei vielmehr in einer Krise. Vielleicht ist es nur eine Frage unserer Wahrnehmung oder unseres mangelnden Vertrauens in Jesus. Es reicht schon, wenn wir schauen, in welchem Zusammenhang dieses Wort vom Frieden steht. Vor und nach dieser Stelle im 9. Kapitel berichtet die Apostelgeschichte ununterbrochen von Verfolgung und Martyrium der ersten Jünger genau an dem Ort, wo Jesus gelebt hat.

„Die Kirche in ganz Judäa, Galiläa und Samarien hatte nun Frieden; sie wurde gefestigt und lebte in der Furcht vor dem Herrn. Und sie wuchs durch die Hilfe des Heiligen Geistes.“

Menschlich gesprochen sagt man von gewissen Ländern, dass sich die Einheit und den Zusammenhalt des Landes dadurch sichern, dass sie alles unternehmen, um sich dauernd im Belagerungszustand zu befinden. Sie definieren sich als Volk oder Nation durch die Beziehung zu einem oder mehreren äusseren Feinden, welche das Überleben des Volkes bedrohen. Auch wenn wir uns stets vor dem Teufel in Acht nehmen müssen, so will Gott nicht, dass wir in seiner Kirche in einem solchen Belagerungszustand leben müssen. Es scheint vielmehr so, dass wir uns sehen können als vom himmlischen Vater durch seinen einzigen Sohn, den Menschgewordenen, angenommene Söhne und Töchter. Wir müssen den Akzent nicht auf die äussere Bedrohung legen, sondern auf Gott schauen, der uns aus Liebe geschaffen und erlöst hat. Wir dürfen und müssen ganz auf Gott vertrauen, der alles zu seiner Zeit zur Vollendung führen wird.

Vor kurzem sprach ich mit einer Gruppe Priestern, die hier in der Schweiz als Missionare für fremdsprachige Katholiken tätig sind, über ihre Sorgen und die Leiden ihrer Gläubigen. Sie fühlen sich von der Kirche in diesem Land nicht angenommen als vollwertige Söhne und Töchter. So erzählten sie mir z.B., dass ihnen bei mit Schweizern gemeinsam organisierten Prozessionen verboten wurde, die von ihnen geliebte Marienstatue mitzuführen. Wir müssen dabei beachten, dass der Vorrang Jesu, das totale Sich-Anvertrauen an den Sohn Gottes nur dann lebendig bleibt, wenn es verbunden bleibt mit dem Bekenntnis dass dieser Christus auch der Sohn des Menschen ist, also der Sohn Marias, der Mutter Gottes. Die Vertrautheit mit dem Herrn in Gebet, war für Petrus die Quelle der Macht, die Äneas heilte und Tabita im Namen des Allmächtigen von den Toten erweckte. Und diese Macht des Petrus gründet in der Erfahrung, die Petrus zusammen mit Maria, der Mutter Gottes, beim Gebet im Obergemach in Jerusalem gemacht hat.

So lasst uns heute etwas Wunderbares machen: Stellen wir uns hier vor die Mutter Gottes in Einsiedeln. Als Katholiken können wir nichts Besseres machen, als selbst diese intime Vertrautheit mit Christus zu leben, welche Christus mit seiner Mutter Maria verbindet. Übergeben wir unsere Herzen Maria, der Mutter Gottes, im vollen Vertrauen, dass sie sie sicher zum Sohn Gottes führen wird. Maria möge uns lehren, wie wir leben können „Pro Ecclesia“ für die Kirche.

„Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“

Gelobt sei Jesus Christus!

Archivvideo: Erzbischof Thomas Gullickson, Apostolischer Nuntius in der Schweiz: Pontifikalamt 2016 in der Wallfahrtskirche Maria Vesperbild




Archivfoto Nuntius Gullickson (c) Schweizer Bischofskonferenz

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