30 März 2018, 11:10
Das Leiden Jesu in den abgelehnten Kindern
 
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Gedanken anlässlich der Karwoche mit Blick auf das stellvertretende Leiden Christi.

Aachen (kath.net)
Viele abgetriebene Kinder teilen das Schicksal des verfolgten und getöteten Herrn Jesus Christus

Leider ist es eine grausame Tatsache, dass viele Kinder abgetrieben werden, weil sie als Konkurrenten der Lebensentwürfe ihrer Eltern und einer eigennützigen Gesellschaft wahrgenommen werden. Die Nachricht von einer Schwangerschaft löst nicht selten Entsetzen und Erschrecken aus und lässt die natürliche Freude über das Geschenk eines Kindes nicht zur Entfaltung kommen. Diese ablehnende Reaktion erfuhr schon der menschgewordenen Sohn Gottes, nämlich Jesus Christus. Zu Beginn des Johannesevangeliums ließt man die tragischen und traurig machenden Worte: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Joh 1,11). Überraschenderweise keine Aufnahme für einen Menschen, der doch eigentlich selbstverständlich dazugehört – dem im Falle des Menschensohnes sogar alles gehört! Jedes Kind im Mutterleib ist eigentlich schon in seinem Zuhause und sollte dort willkommen geheißen sein von seinen natürlichen Eltern. Aber viele dieser Eltern nehmen ihr Kind erstaunlicherweise nicht auf. Statt: „Du bist hier, wo du hingehörst, und gehörst nun in unsere Mitte!“, gibt es schlimme Ausgrenzung: „Es gibt keinen Platz für dich hier!

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In diesen Tagen der Karwoche meditieren wir einmal mehr auf möglichst intensive und sehr persönliche Weise die Folgen der Ablehnung des einzigen Sohnes Gottes durch konkrete Menschen seiner Zeit, die allerdings für all die heutigen Menschen stehen, die das Geschenk des Lebens und der Erlösung nicht annehmen wollen. Die Abweisung Jesu kulminiert bekanntlich mit seiner bedrückenden Tragik in seinem bitteren Leiden und seinem grausamen Tod am Kreuz.

Die jährliche Abtreibung mehrerer Millionen von Kindern in der Welt und die Ablehnung und Tötung des Sohnes Gottes stehen in einem tiefen Sinnzusammenhang, den wir nun etwas beleuchten wollen um zu verstehen, was ihre Ursachen und ihre Heilungswege sein können.

Schon zum Zeitpunkt der Geburt Jesu geschah der erste und grausame Akt der Ablehnung eines Menschen in Jesus Christus. König Herodes erschrickt angesichts der eigentlich doch froh stimmenden Nachricht, dass der Retter des jüdischen Volkes, der Messias Jesus Christus, in Bethlehem geboren worden ist (vgl. Mt 2,3). Herodes will sein bequemes Leben mit all den Annehmlichkeiten auf keinen Fall mit einem anderen „König“ teilen und beschließt für sich, Jesus Christus töten zu lassen (vgl. Mt 2,13-18). Der Kindermord in Bethlehem steht für die Reaktion eines vor Grausamkeiten nicht zurückschreckenden Egoisten, der bereit war, Menschenleben vernichten zu lassen, um Einschränkungen für sein eigenes Leben – auf Teufel komm raus, muss man wohl sagen –zu vermeiden. Dabei zieht er andere Menschen in sein selbstsüchtiges Kalkül hinein und bürdet ihnen eine Mitverantwortung auf, die sie unmöglich tragen können. Seine Helfershelfer werden genötigt, ein Verbrechen zu begehen, das sie von sich aus niemals erdacht und begangen hätten.

Selbst wenn Herodes ein Menschenfreund und liebevoller Vater und gütiger Herrscher gewesen wäre (wir wissen aus historischen Quellen, dass es nicht so war), so war mit der Ankündigung der Geburt des „König der Juden“ seine Toleranzschwelle deutlich überschritten und sein sonst großzügiges Gehabe vergessen. Scheinbare Liebesfähigkeit und vorgetäuschte Liebeserweise entpuppen sich spätestens in diesem Moment als versteckte Eigenliebe, die zur wahren Liebe unfähig ist. Andere Personen werden dann nur in Funktion des persönlichen Nutzens und Wohlbefindens wahrgenommen. Jesus allerdings entkommt diesem ersten Anschlag auf sein Leben. Aber weitere Anschläge werden folgen und irgendwann wird die Herzenshärte der Menschen sein Leben – vorläufig – vernichten. Wie sehr werden viele schwangere Frauen ein ums andere Mal brutal bedrängt, bis sie irgendwann zermürbt zulassen, dass ihr Kind getötet wird. Die Herodese dieser Zeit trachten weiterhin nach dem Leben unschuldiger Kinder und erreichen leider viel zu oft ihre Beseitigung.

Kajaphas, der Hohenpriester des Hohen Rates der Juden und mit ihm seine Glaubensbrüder, sahen in Jesus ebenfalls einen Konkurrenten (vgl. Joh 11,45-53). Im Evangelium kommt dies in den besorgten Überlegungen einiger Mitglieder des Hohen Rates klar zum Ausdruck: „Wenn wir ihn gewähren lassen, werden alle an ihn glauben. Dann werden die Römer kommen und uns die heilige Stätte und das Volk nehmen.“ Die Hauptsünde des Neides und gewisse „Existenzängste“, genährt von Standesdenken und Selbstbehauptung, nähren diese letztlich destruktiven Sorgen.

Kajaphas bietet eine pragmatische Lösung für das Problem an: „Ihr bedenkt nicht, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht!“ Der Freund oder Ehemann der schwangeren Frau argumentiert in der Logik des Kajaphas heutzutage ähnlich: „Es ist besser, dass wir das Kind wegmachen lassen, damit wir mit unserer Familie in Frieden weiterleben können. Dieses Kind ist zuviel. Wir müssen auch an uns und unsere Kinder denken. Lass es abtreiben!“ Immer gibt es „gute Gründe“, im Sinne einer Folgenabwägung ein Sühneopfer zu bringen, das für die häufig selbst herbeigeführte Misere büßen muss wie der berühmte Sündenbock der Bibel. Aber in Wirklichkeit sind diese Argumente voller Täuschung und Lüge. Sie vergiften das Herz und blenden den Verstand. Solche herbeiargumentierten „Lösungen“ sind letztendlich Irrwege und werden oft zu Sackgassen, in denen später Verzweifelung herrscht.

Auch der erste Papst, Simon Petrus, hat sich aus Angst vor den Konsequenzen seiner Jüngerschaft aus der Verantwortung stehlen wollen, als er die Verbindung mit Jesus verleugnete: „Ich kenne den Menschen nicht!“ (vgl. Mt 26,69-75). Noch heute mutet diese lügnerische Behauptung brutal an. „Ich habe mit dem Kind nichts zu tun! Das ist deine Sache!“ Bis heute verleugnen viele Männer ihre Vaterschaft und lassen die Frau mit ihrem gemeinsam gezeugten Kind allein. Pilatus lehnt kurze Zeit nach der Verleugnung des Petrus die Verantwortung für die Ermordung von Jesus Christus ab: „Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache!“ (Mt 27,24). Der römische Statthalter bietet vorher noch auf perfide Weise eine Alternative an, um sich aus der Schlinge der Verantwortung ziehen zu können: „Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Barabbas oder Jesus…“ (Joh 27,17).

Aktualisiert: „Frau, du kannst wählen: ich oder das Kind! Wenn Du allerdings das Kind wählst, verlasse ich dich!“ Offenbar neigen wir Menschen seit Anfang an dazu – wir erinnern uns an den Schöpfungsbericht mit dem Sündenfall (Gen 3) –, uns aus der Affäre zu stehlen und unseren Anteil an Verantwortung abzuschieben. Daraus erwächst viel sündiges Verhalten und folgenreiche Schuld. Gott weiß das alles und ist deshalb Mensch geworden, um uns von dieser tödlichen Logik zu befreien und zu erlösen und um uns zu lehren, den Weg des Lebens zu beschreiten. Jesus Christus, der der Wahrheit ist, teilt uns mit, wie wir Menschen auf die großen Herausforderungen unseres Lebens – wenn uns beispielsweise die Existenz eines neuen Menschen, der sanft und still Teilnahme an unserem Leben einfordert, zu bedrohen scheint – zu reagieren haben: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben!“ (Joh 13,34).

Auch wenn das eigenen Kind niemals als Feind für das eigene Leben betrachtet werden dürfte – weil es oft doch so empfunden wird, steht für uns Christen Jesu Wort als höchster Ausdruck der Liebe ermutigend und stärkend zur Seite: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen!“ (Mt 5,43). Eine Schwangerschaft kann viele Befürchtungen mit sich bringen und die direkt Beteiligten tatsächlich „verfolgen“. Jesu Beispiel lädt dann zum Wagnis der Liebe ein, die liebende Zuneigung zum eigenen Kind zuzulassen und ein Leben mit ihm zu wagen, indem man sich für das neue Leben zur Verfügung stellt: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,12-13).

Jesus Christus zeigt uns in diesen Tagen seine unendlich große Liebe. Es ist zu wünschen (und dafür zu beten), dass die durch eine unerwartete Schwangerschaft verunsicherten und erschrockenen Eltern den Weg wahrer Liebe und damit des Lebens finden und zu gehen vermögen. Die Auferstehung des ausgegrenzten und ermordeten Sohnes Gottes zeigt uns Menschen, dass Gottes Liebe eine Lösung für alle scheinbar ausweglosen Situationen parat hat. Angst und Verzweiflung werden überwunden durch den zuversichtlichen Mut des Glaubens an den Auferstandenen und die verlässlichen Zeichen der Hoffnung, die uns die Osterbotschaft mitteilt.

Andreas Kuhlmann ist katholischer Priester der Prälatur Opus Dei, zuvor Arzt, wohnhaft in Aachen, Schulseelsorger in Jülich am Mädchengymnasium.

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