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„Sonst fallen alle Normen katholischer Sexualmoral wie Dominosteine“

29. März 2018 in Kommentar, 8 Lesermeinungen
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Christian Brugger, früherer theologischer Berater der US-amerikanischen Bischofskonferenz, schreibt wegen „Amoris laetitia“ einen offenen Brief an die Bischöfe der katholischen Kirche – Brief in voller Länge!


Rom (kath.net) „Die Stellungnahme von Laien und rechtgläubigen Priestern ist von Bedeutung, wird aber die Entscheidungen des Papstes kaum beeinflussen. Nur die Stellungnahme durch Brüder im Bischofsamt darf abzuwenden hoffen, was für die Katholische Kirche zu einer geistlichen Katastrophe zu werden droht. Sollte nämlich das ‚neue Paradigma‘ in Fragen der Empfängnisverhütung offiziell zur Anwendung kommen, werden alle Normen der katholischen Sexualmoral fallen wie Dominosteine. Daraus wird großes Unheil folgen. Viele Seelen werden verloren gehen. Gott wird auch daraus Gutes kommen lassen. Aber nicht ohne gewaltigen Verlust.“ Das schreibt der US-amerikanische Professor für Moraltheologie Christian Brugger in seinem offenen Brief an die Bischöfe der Katholischen Kirche.

kath.net dokumentiert den Brief in voller Länge in eigener Übersetzung. Wir danken Prof. Brugger für die Erlaubnis, den Brief in voller Länge zu veröffentlichen, und Arnd Kerkhecker/Schweiz für die Übersetzung. Übersetzung © kath.net

Ein offener Brief an die Bischöfe der Katholischen Kirche

Verehrte Erzbischöfe, Bischöfe und Brüder in Christus,

einige einflussreiche Stimmen in der Kirche sprechen von einem „neuen Paradigma“, um Handlungen zu rechtfertigen, von denen seit langem erkannt ist, daß sie im Widerspruch zu göttlichem und natürlichem Recht stehen. Vor kurzem habe ich dazu Folgendes geschrieben: „Das ‚neue Paradigma‘ eröffnet (ohne dies je ausdrücklich zu sagen) Priestern und Bischöfen die Möglichkeit, einerseits zu bestätigen, daß sie die Morallehre der Kirche annehmen, und gleichzeitig dem ‚individuellen Gewissen‘ derjenigen, die nicht nach dieser Lehre leben, die Freiheit einzuräumen, ihr Leben im Widerspruch zur Lehre der Kirche fortzusetzen und zugleich zum Tisch des Herrn zu treten.“

Wir sehen dies an Orten, wo es Katholiken, die in objektiv sündigen Verbindungen leben, freigestellt wird, auch ohne den aufrichtigen Vorsatz, ihr Verhalten zu bessern, zur Heiligen Kommunion zurückzukehren. Damit macht das „neue Paradigma“ Handlungen statthaft, die von Christus und dem Hl. Paulus im Neuen Testament und von der Kirche zwei Jahrtausende hindurch abgelehnt wurden. In Deutschland, Argentinien, auf Malta und anderswo gibt es jetzt eine „katholische Ehescheidung und Wiederverheiratung“ sowie „katholischen Ehebruch“.


Wenn Sie nicht einschreiten, um zu verhindern, daß dem „neuen Paradigma“ Wirkung und Einfluß auf die katholische Morallehre insgesamt eingeräumt wird, so scheint es unausweichlich, daß seine Schlußfolgerungen auch auf Handlungen zur Empfängnisverhütung angewendet werden (trotz der traditionellen Lehre der Kirche, wie sie in Gaudium et Spes und in Humanae Vitae bestätigt wurde), ferner auf homosexuelle Handlungen (trotz der in Persona Humana und im Katechismus der Katholischen Kirche bestätigten Lehre) sowie auf andere Verhaltensweisen, die traditionell abgelehnt wurden. Diejenigen, die das „neue Paradigma“ verteidigen, werden sagen: „Wir tun nichts anderes, als die Lehre der Kirche mit größerer pastoraler Sensibilität anzuwenden, indem wir der Komplexität konkreter ‚Umstände‘ erhöhte Aufmerksamkeit schenken und indem wir der Würde des ‚Gewissens‘ größeren Respekt erweisen; die feststehende Morallehre selbst steht nicht in Frage.“

Die Stellungnahme von Laien und rechtgläubigen Priestern ist von Bedeutung, wird aber die Entscheidungen des Papstes kaum beeinflussen. Nur die Stellungnahme durch Brüder im Bischofsamt darf abzuwenden hoffen, was für die Katholische Kirche zu einer geistlichen Katastrophe zu werden droht. Sollte nämlich das „neue Paradigma“ in Fragen der Empfängnisverhütung offiziell zur Anwendung kommen, werden alle Normen der katholischen Sexualmoral fallen wie Dominosteine. Daraus wird großes Unheil folgen. Viele Seelen werden verloren gehen. Gott wird auch daraus Gutes kommen lassen. Aber nicht ohne gewaltigen Verlust.

Darum wende ich mich an alle Bischöfe – in Ost und West –, die der Auffassung sind, daß das „neue Paradigma“ gegenwärtig benutzt wird und weiterhin benutzt werden wird, um Verhaltensweisen zu rechtfertigen, die traditionell als göttlichem und natürlichem Recht widersprechend beurteilt wurden – und bitte Sie hochachtungsvoll, die folgenden vier Schritte in Erwägung ziehen zu wollen:

1. dem Apostolischen Nuntius Ihres Landes privat zu schreiben und ihn respektvoll zu bitten, dem Heiligen Vater Ihre Besorgnis über das „neue Paradigma“ zur Kenntnis zu bringen, und ihn vor allem zu drängen, von dessen Anwendung auf die Lehren von Humanae Vitae abzusehen;

2. an Papst Franziskus selbst privat zu schreiben, ihm gegenüber Ihre brüderliche Besorgnis über ebendiese Gegenstände zum Ausdruck zu bringen und ihn respektvoll zu bitten, unzweideutig die moralischen Wahrheiten des katholischen Glaubens zu lehren, vor allem in Fragen, die unter das Fünfte und Sechste Gebot des Dekalogs fallen, sowie die pastoralen Irrtümer zu korrigieren, zu denen einige seiner Lehren Anlaß gegeben haben;

3. für Ihre Diözese offiziell ein Reglement zu erlassen, das sich dem pastoralen Umgang mit jenen heiklen Fragen widmet, die in Amoris Laetitia (vor allem in Kapitel 8) aufgeworfen wurden – ein Reglement in Übereinstimmung mit den Lehren Johannes Pauls II., Benedikts XVI. sowie der Tradition katholischer Moral und Pastoral überhaupt;

4. mit Bischöfen, die diese Anliegen teilen, privat in Verbindung zu treten und nach konstruktiven Wegen zu suchen, Ihr Magisterium im Dienst an den bischöflichen Pflichten zur Geltung zu bringen, wie sie der Katechismus der Katholischen Kirche feststellt: „Das Lehramt muß das Volk vor Verirrungen und Glaubensschwäche schützen und ihm die objektive Möglichkeit gewährleisten, den ursprünglichen Glauben irrtumsfrei zu bekennen. Der pastorale Auftrag des Lehramtes ist es, zu wachen, daß das Gottesvolk in der befreienden Wahrheit bleibt“ (890).

Wenn Sie in Ihrer Korrespondenz über das „neue Paradigma“ sprechen, könnte das vielleicht in Anlehnung an Johannes Pauls II. Äußerung zum Proportionalismus in Veritatis Splendor geschehen:

„Derartige Theorien sind jedoch der Lehre der Kirche nicht treu, wenn sie glauben, die freie und bedachte Wahl von Verhaltensweisen, die den Geboten des göttlichen und des Naturgesetzes widersprechen, als sittlich gut rechtfertigen zu können. Diese Theorien können sich nicht auf die katholische moralische Tradition berufen“ (76).

Es wäre leicht, zu sagen: „Ich habe getan, was ich konnte. Es ist in Gottes Hand. Wir müssen uns bescheiden und es Ihm überlassen.“ Bitte, sehen Sie, daß Sie Jesu Hände sind, um in dieser sehr ernsten Lage zu handeln.

Ich bin bereit, mit allem, was mir möglich ist, zu helfen – etwa bei der Vorbereitung von Gesprächsunterlagen, Thesenpapieren, diözesanen Richtlinien etc. Zögern Sie bitte nicht, sich mit mir in Verbindung zu setzen.

Hochachtungsvoll in Christus,
Ihr

E. Christian Brugger (D.Phil.)
Moraltheologe

Jacksonville Beach, Florida
USA
ecb.assistance[AT]gmail.com

E. Christian Brugger ist Senior Research Fellow in Ethik an der Culture of Life Foundation in Washington, D.C. Im Jahre 2016 war er theologischer Berater des Committee on Doctrine der U.S.-amerikanischen Bischofskonferenz. Er war Dekan der School of Philosophy and Theology an der australischen University of Notre Dame sowie J. Francis Cardinal Stafford Professor der Moraltheologie am St. John Vianney Theological Seminary in Denver. Er ist Autor des Buches ‘The Indissolubility of Marriage and the Council of Trent’ (Catholic University of America Press, 2017). Er lebt mit seiner Frau und fünf Kindern in Jacksonville Beach, Florida.

Der Brief im englischen Original - Anklicken und downloaden



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