19 März 2018, 10:15
Vatikan, Fake-News und Regime-Propaganda - UPDATE!
 
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Manipulation der Kommunikation und Wirklichkeit, ein Lehrstück – wie es nicht geht. Die in Klammern gesetzte Wahrheit. Von Armin Schwibach - UPDATE: Der ausgelassene Abschnitt des Briefes Benedikts XVI. in voller Länge!

Rom (kath.net/as/red) Die Geschichte eines Briefes – sie ist „bekannt“, in vielerlei Hinsicht. „Bekannt“ ist, wie sie der Vatikan und das Heer der Medien, die sich diesen Pontifikat ausgesucht haben, um die Revolution zu feiern und voranzubringen, erzählt haben wollten. Der Vatikan gibt eine Reihe von elf Heftchen heraus, die der „Theologie von Papst Franziskus“ gewidmet sind und am 12. März 2018 vorgestellt wurden. Damit sollte gewissen „Vorwürfen“ entgegnet werden. Nur nebenbei: Vorwürfe von wem? Vorwürfe aus welchem Grund?

Dies blieb ungenannt, was natürlich sofort über die „Gegner“ von Papst Franziskus spekulieren ließ: die „Rigiden“, die „Pharisäer“, die „Traditionalisten“, all jene, die sich der verkündeten „Revolution der Zärtlichkeit“ und der neuen „Kirche von Franziskus“ angeblich widersetzen, während der emeritierte Papst sich dagegen verwahre, dass Franziskus theologische und philosophische Kompetenz abgesprochen werde, und gleichzeitig die „innere Kontinuität“ der Pontifikate unterstreiche. Gefundenes Fressen für die Propaganda, die diese vermeintliche Sicht schön anlässlich des fünften Jahrestages des Wahl von Bergoglio auf den Stuhl Petri verbreitete, nicht zuletzt um alle „Konservativen“, alle, die ob der herrschenden Verwirrung im krisengebeutelten Schiff Petri besorgt sind, vorzuführen. Dieser Zweck schien alle Mittel zu rechtfertigen.

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Bereits einen Tag nach der Vorstellung der elf Heftchen zur Theologie von Papst Franziskus war klar, dass dem nicht so ist. Die Veröffentlichung des zweiten Absatzes des Briefs Benedikts XVI. durch den Dekan der italienischen „Vaticanisti“, Sandro Magister, ließ keinen Zweifel aufkommen. Magister hatte sich die Videoaufzeichnung vorgenommen, die festhielt, wie der Präfekt des Sekretariats für Kommunikation, Dario Edoardo Viganò, das Schreiben Benedikts XVI. verlas, und transkribierte den nur mündlich verlesenen zweiten Absatz. Bereits dieser nunmehr anscheinend vollständige Text machte deutlich: das Licht, in das Benedikt XVI. gerückt werden sollte, ist falsch und nichts anderes als Teil einer triumphalistischen Propaganda. Die Äußerungen des emeritierten Papstes waren subtiler.

Dazu kam: der Vatikan veröffentlichte ein manipuliertes Foto des Schreibens, auf dem der zweite Absatz digital unkenntlich gemacht wurde (was später mit „künstlerischen Gründen“ gerechtfertigt wurde). Somit sollte die Aufmerksamkeit allein auf den ersten Absatz mit seiner scheinbaren Unterstützung für Franziskus und seinen Äußerungen „gegen“ Kritiker gelenkt werden. Natürlich stürzte sich der Medienapparat, der vor fünf Jahren beschlossen hatte, Bergoglio in all seiner „revolutionären Neuheit“ erglänzen zu lassen, gerade und ausschließlich auf diesen Absatz. Und somit war das Essen für die „traditionalistischen Gegner“ des Papstes serviert. Es ist wahr: das vatikanische Mediensekretariat begünstigte diese Situation durch seine Inszenierung und ein manipuliertes Foto. Aber: es waren ja mehr als zwanzig Journalisten anwesend, die alle die Lesung des zweiten Absatzes gehört hatten, und dennoch... oder gerade deshalb...

Das ist nicht das Ende der Geschichte, denn die Geschichte ist eine andere.

Am 12. Januar 2018 informierte das Mediensekretariat Benedikt XVI. über das Vorhaben, elf Heftchen zur Theologie von Papst Franziskus zu veröffentlichen, dies verbunden mit der Anfrage, ob es Benedikt XVI. möglich sei, einen Beitrag zu diesem Projekt zu leisten. Die Antwort Benedikts XVI. auf dieses Ansinnen ist auf den 7. Februar datiert. Es handelte sich dabei um ein privates Schreiben an den Präfekten Viganò, das nicht zur Veröffentlichung bestimmt war: auf dem Umschlag stand: „personale riservata“. Dennoch wurden die ersten beiden Absätze verlesen, der erste Absatz veröffentlicht. Bereits an diesem Punkt war der innere Zusammenhang des Schreibens bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt worden.

Aber, und das ist das Neue: es gibt auch einen dritten Absatz, der ganz unterschlagen wurde

In diesem Absatz erklärt Benedikt XVI., dass er nicht die Absicht habe, mit einem Projekt zu tun zu haben, bei dem einer der Beteiligten der deutsche Theologe Peter Hünermann ist, ein entschiedener Gegner Johannes Pauls II., des damaligen Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre Ratzinger und dann des neuen Papstes Benedikt XVI.

Fazit: die Geschichte mit dem „Brief“ zu den elf Heftchen über die Theologie von Papst Franziskus ist ein klassisches Beispiel der Konstruktion einer Fakenews, die dann zu schädigenden Instrumentalisierungen und Polemiken genutzt wird. Tagelang brodelte es in den Wassern. Die dem Papst missfallenden „Sockenlecker“, wie sie Franziskus einmal mit einem etwas vulgären argentinischen Ausdruck genannt hatte, freuten sich, dass nun „endlich“ Benedikt XVI. den „neuen Kurs der Kirche von Franziskus“ absegnete.

So konnte zum Beispiel der Papstberater, Direktor von „La Civiltà Cattolica“ und „spin doctor“ des Jesuiten-Pontifikats, Antonio Spadaro SJ, Glied des „inner circle“ von Santa Marta, sofort auf Twitter jubeln: „Benedikt XVI. distanziert sich elegant und entschlossen von ‚dubia’ und theologischen Gespreiztheiten“. Auch die „Dubia-Kardinäle“ und alle theologisch „Gespreizten“ also, das heißt alle, die kritische Anfragen stellen, bekamen sofort ihr Fett weg. Doch: nichts ist ferner als das. Was deutlich wurde: der Hofstaat von Santa Marta legte eine große Nervosität zu Tage, was Franziskus letztendlich nur Schaden zufügte.

Allein die Veröffentlichung der elf schlecht gebundenen Heftchen von bis auf Hünermann unbekannten Autoren in einem Schuber, bei dem nach zweimaliger Nutzung der Kleister springt, spricht Bände. Sie verlangte anscheinend nach einer „höheren Rechtfertigung“.

Viel Energie wurde aufgewandt für diese Fake-Konstruktion, was natürlich die Frage nach der Kompetenz einiger Stellen aufkommen lässt. Und: in einer hierarchischen Monarchie mit einem Oberhaupt, das für seine Entschlossenheit, autokratischen und autoritären Züge bekannt ist, präsentiert sich dieser Vorgang natürlich in einem noch düstereren Licht. Man wird den Eindruck nicht los, als ob mit derart dubiosen Methoden eine Festung gesichert werden soll, deren Mauern an allen Ecken und Enden zerbröseln. Es dürfte wohl nicht im Sinn des Papstes sein, durch Unterlassungen und Manipulationen „gestützt“ zu werden. Aber leider ist es so in der „Neo-Kirche“: die Wahrheit wurde in Klammern gesetzt.

UPDATE: kath.net dokumentiert den zunächst ausgelassenen Abschnitt in voller Länge in eigener Übersetzung:

„Nur am Rande möchte ich meiner Überraschung über die Tatsache Ausdruck verleihen, dass unter den Autoren auch Professor Hünermann ist, der sich während meines Pontifikates damit hervorgetan hat, führende antipäpstliche Initiativen zu unterstützen. Er spielte eine relevante Rolle bei der Veröffentlichung der ‚Kölner Erklärung‘, welche im Zusammenhang mit der Enzyklika ‚Veritatis splendor‘ das päpstliche Lehramt massiv attackierte, besonders in Fragen der Moraltheologie. Ebenso war die „Europäische Theologengesellschaft“, die er gegründet hat, von ihm ursprünglich als eine Organisation der Opposition zum Päpstlichen Lehramt gedacht gewesen. Später hat das kirchliche Empfinden vieler Theologen diese Orientierung verhindert und ermöglicht, dass diese Organisation ein normales Instrument der Begegnung zwischen Theologen wurde.

Ich bin gewiss, dass Sie für meine Absage Verständnis haben werden, und ich grüße Sie herzlich.

Ihr Benedikt XVI.“


Der Text des restlichen Briefes findet sich hier: „Vatikan hat Benedikt-Brief manipuliert dargestellt“

Das diskutierte Foto




Vatican News - Zur Information: Eine offizielle vatikanische Darstellung des Briefes Benedikts XVI. - Sie lässt wichtige Passagen aus




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