23 Februar 2018, 12:00
Bratpfanne oder Christus in uns?
 
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Mein wichtigster Fastenvorsatz in diesem Jahr lautet deswegen: Gott jeden Tag schon in der Früh mein Herz schenken, damit Er es wandeln kann - BeneDicta am Freitag von Linda Noe

Linz (kath.net)
„Tun, was Jesus getan hat“ klingt ja erst mal gut, wenn auch vielleicht auf den ersten Blick ein wenig weit hergeholt. Soweit jedenfalls der Titel des Buches von Robby Dawkins, das ich momentan gerade lese. Die Fastenzeit bietet ja Gelegenheit dazu, den Blick neu auszurichten und vieles zu überdenken, auch und besonders das, was wir tun oder lassen, weil wir gläubig sind, was wir für Gott und Seine Kirche tun.

„Wenn Du glaubst, dass es schwierig ist, zu tun, was Jesus getan hat, dann versuche mal, perfekt zu sein. Matthäus 5,48 sagt uns, dass wir vollkommen sein sollen, so wie unser Vater im Himmel vollkommen ist. Allerdings ist Gott allein vollkommen. Wir sind weniger eingeladen, WIE Jesus zu sein, als IN Ihm zu sein.“ … „Newsflash des Tages: Christen, die versuchen, wie Gott zu sein, sind nicht die Hoffnung der Welt. Jesus in (und unter) uns ist die Hoffnung auf Herrlichkeit.“ (Kol 1,27)

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Dieser Satz hat mich berührt und mich neu über mein eigenes und auch generell das Bemühen der Kirche nachdenken lassen, Jesus zu den Menschen zu bringen. Zuerst nehmen mir persönlich diese Worte Druck.

Ich kann mich gut erinnern, als ich Kirche und gläubige Menschen noch von außen betrachtet hatte, Jesus nicht kannte, keine besonders gute Meinung von Kirche hatte- aber immerhin war ich davon überzeugt, dass gläubige Menschen irgendwie auch die besseren Menschen sein sollten, bzw. falls einmal irgendwo öffentlich ein Skandal über ein „Aushängeschild“ der Kirche ruchbar wurde, war ich darüber doppelt so entsetzt, als wenn Gleiches jemand anderer getan hätte. Solche Situationen kennen wir alle, und wohl ist das Entsetzen auch berechtigt. Wenn man sich allerdings bekehrt und somit auch aktiverer Teil der Kirche wird, merkt man schnell, dass es dort vielleicht mehr menschelt, als man in einer ersten Euphorie es sich vielleicht erträumt hätte, zumindest mir ist es so ergangen.

Und wenn man weiter auch ehrlich sich selbst gegenüber ist, muss man sich in weiterer Folge eingestehen, dass eine erste Bekehrung, und der Wunsch, das Bemühen, Gottes Wege zu gehen, auch nicht immer so wahnsinnig toll gelingt. Dass man sich nicht gleich so vollkommen verändert, wie es der Hoffnung, ein neuer Mensch in Christus zu sein, entsprechen würde. Das könnte einen verzweifeln lassen, über sich selbst und über andere. Man könnte versucht sein, sich selbst und Glaubensgeschwister zu verurteilen oder ihnen mit der Bratpfannen-Methode das bessere Christsein über den Schädel hauen zu wollen.

Es ist wohl auch einfach die uralte Erfahrung mit dem Gesetz, das wir nicht aus eigenem Bemühen einhalten können. Ja, aber wir haben doch Jesus, im Gegensatz zum Volk Gottes des Alten Testaments! Andererseits: leben wir auch so, aus Seiner Gegenwart? Ich glaube, dass wir uns jeden Tag von Neuem darum bemühen müssen, den Blick weg von unserem „von Außen nach Innen“ und „aus eigener Kraft lieb und gut sein“- Bemühen zu bekommen und ihn zu allererst auf Christus zu richten, auf Seine Gegenwart. Das bezieht sich auf unseren eigenen Weg, aber genauso auf den Weg der Mission.

Warum ist das so schwer? Warum haben wir so oft auch in der Kirche das Gefühl, dass sich vielerorts Menschen extrem bemühen, sich abarbeiten, reflektieren, auch sozial so viel Gutes tun- und gegen all das ist ja bitteschön überhaupt nichts Schlechtes zu sagen!- und trotzdem bleiben die Kinder nach der Erstkommunion oder Firmung gleich wieder weg, und auch deren Eltern scheinen nicht zu sehen, dass sie dadurch möglicherweise etwas Lebenswichtiges verpassen könnten, was anderswo nirgends zu finden ist?

Ich glaube es ist so schwer, weil die tiefe Begegnung mit Gott nicht „machbar“ oder von uns kontrollierbar ist, und wir von Natur aus einfach aus diesem Prinzip des Machen und Machen-wollens leben. Es erfordert einen wirklich grundlegenden Paradigmenwechsel, ein Zurücktreten, Bemühen um die eigene Empfänglichkeit, Gebet, das Hinhören auf Seine Stimme, die eigene Begegnung mit Ihm, aus der die Kraft kommt, das wirkliche Bauen auf Seine Gegenwart. Das alles erfordert im Gegensatz zum „Selbermachen“ Demut und eben wirklich immer neu den Schritt des Glaubens, der ja bedeutet, in dem Festzustehen was man erhofft und überzeugt zu sein von Dingen, die man NICHT sieht (Hebr 11,1). Das BLEIBT eine Herausforderung, selbst wenn man schon ein gutes Stück des Weges gegangen ist und die Wunder Gottes mit eigenen Augen gesehen hat.

Wo hat sich in meinem Leben in den Jahren seit ich Jesus kennen gelernt habe, wirklich etwas (in mir und anderen) verändert (- und Gott ist da sehr geduldig)? Das ist einfach zu beantworten: immer dort, wo es tatsächlich eine Begegnung mit Ihm gegeben hat, eine Erfahrung Seiner Gegenwart. Waren Bemühen und das Dasein anderer Menschen dafür unwichtig? Nein! Absolut nicht. War ihre Anstrengung unbedeutend? Keineswegs. Jesus selbst spricht ja auch davon, wie dringend notwendig Arbeiter für den Weinberg sind und dass wir darum bitten sollen (LK 10,2). Aber Veränderung bringt immer Gottes Gegenwart allein, und die tiefe Begegnung mit Ihm ist nicht menschlich erzeugbar. Die wichtigen Menschen auf meinem Weg mit Jesus haben immer auf irgendeine Art und Weise dafür Sorge getragen, dass es für mich leichter war, Gott zu begegnen. Durch ihr eigenes Zeugnis und kraftvolles Gebet, durch das Bereitstellen von Räumen und Gelegenheiten, in denen ich offen(er) sein konnte, dadurch, dass etwas von Seinem Licht und Seiner Kraft in ihnen durchscheinen konnte.

Wir können unsere Durchlässigkeit für Gott nicht mit einem Gradmesser messen. Und trotzdem wird es natürlicher Weise Frucht geben, wenn wir Gott und unsere Beziehung zu Ihm an erste Stelle setzen. Dass wir Räume und Gelegenheiten für andere Menschen gestalten und anbieten können, in denen es für sie leichter ist, Jesus zu begegnen, in denen Seine Gegenwart spürbar(er) wird, in dieser Fastenzeit, sowohl ganz persönlich als auch als Kirche, dafür bete ich. Dass wir dabei wirklich auf Ihn hoffen und auf Seine Gegenwart setzen, und nicht selbst das ganze Gewicht tragen und alles selbst machen wollen.

Mein wichtigster Fastenvorsatz in diesem Jahr lautet deswegen: Gott jeden Tag schon in der Früh mein Herz schenken, damit Er es wandeln kann. Er kann und wird nämlich wandeln, was wir Ihm schenken.

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