19 Februar 2018, 10:30
„Die Eucharistie ist der Höhepunkt des kirchlichen Lebens“
 
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Im Fasten-Hirtenbrief rückt der Paderborner Erzbischof Becker das Sakrament der Eucharistie in den Mittelpunkt – „Sooft ich die heilige Messe auch feiere, sie bleibt immer etwas Besonderes, ein wertvolles Geschenk, das ich nicht missen möchte“

Paderborn (kath.net/pep) kath.net dokumentiert den Fastenhirtenbrief von Erzbischof Hans-Josef Becker in voller Länge:

Liebe Schwestern und Brüder!
Im vergangenen Jahr durfte ich den 40. Jahrestag meiner Priesterweihe begehen. Viele Male und an unzähligen Orten habe ich das Wort Gottes verkündet und ausgelegt sowie die Sakramente gespendet – insbesondere das Sakrament der Eucharistie. Aber sooft ich die heilige Messe auch feiere, sie bleibt immer etwas Besonderes, ein wertvolles Geschenk, das ich nicht missen möchte. Ausgehend von dieser Erfahrung, möchte ich heute ein wenig intensiver mit Ihnen über dieses für uns so zentrale Sakrament nachdenken.

Am Abend vor seinem Leiden nahm Jesus Brot und Wein und reichte beides den Aposteln als seinen Leib und sein Blut. In Erinnerung an dieses Geschehen spricht der Priester in jeder Messfeier die Einsetzungsworte: „Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“ und „Nehmet und trinket alle daraus: Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Durch den Gebrauch der Worte Jesu wird deutlich: Es ist Christus selbst, der hier handelt. Und wie die Apostel beim letzten Abendmahl, so ist jeder Gläubige eingeladen, Jesu Leib und Blut im Mahl der Kommunion zu empfangen. Es wäre jedoch eine Verkürzung des Verständnisses der Messfeier, hier nur von einem Mahl zu sprechen. Denn das, was Jesus im Abendmahlssaal getan hat, tat er im Hinblick auf seinen Kreuzestod am nächsten Tag. Wenn wir die Eucharistie feiern, wird der Tod Jesu in sakramentaler Weise gegenwärtig. Hier dürfen wir nicht stehenbleiben. Der Tod Jesu ist untrennbar verbunden mit seiner glorreichen Auferstehung am Ostermorgen. Aus dem Tod ersteht das neue Leben. Ganz so, wie es in der 2. Lesung des Ersten Fastensonntags heißt: „Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, er, der Gerechte, für die Ungerechten, um euch zu Gott hinzuführen; dem Fleisch nach wurde er getötet, dem Geist nach lebendig gemacht“ (1 Petr 3,18). Beides, Tod und Auferstehung Jesu Christi, feiern wir dankbar in jeder heiligen Messe. Daran erinnert der lobpreisende Ruf der Gemeinde nach den Wandlungsworten: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“

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In der Gemeinschaft der ganzen Kirche gedenken wir des Todes und der Auferstehung Jesu und erwarten seine Wiederkunft. Denn die Messfeier der einzelnen Gemeinde übersteigt diese in räumlicher und zeitlicher Hinsicht. In der heiligen Messe verbinden wir uns mit der Kirche auf dem ganzen Erdkreis. Zugleich glauben wir, dass zu dieser Kirche die auf Erden Lebenden genauso gehören wie die Heiligen, um deren Fürsprache wir bitten, und alle Verstorbenen, die wir im Gebet Gottes Barmherzigkeit empfehlen. Das eucharistische Hochgebet preist Gottes Heilshandeln an uns Menschen und dient zugleich der dankbaren Vergewisserung unseres Glaubens an die erlösende Hingabe Jesu Christi. An ihr erhalten wir Anteil, wenn wir ihn in der heiligen Kommunion empfangen. Er will in uns leben, damit wir aus ihm heraus leben. Durch seine Gegenwart in uns erhalten wir Stärkung für unser Leben und Kraft für unsere Sendung in die Welt heute.

Liebe Schwestern und Brüder!
Aus christlicher Tradition heraus
ist der Sonntag in unserer Gesellschaft für die meisten Menschen ein arbeitsfreier Tag. Natürlich gibt es hier Ausnahmen: Menschen, die beispielsweise in einem Krankenhaus oder Altenheim, bei der Feuerwehr oder der Polizei beschäftigt sind, müssen um der Menschen willen arbeiten. Doch gibt es in den letzten Jahren verstärkt Bemühungen, aus wirtschaftlichen Interessen den Sonntag auszuhöhlen, obwohl ihn unser Grundgesetz schützt. Daneben beanspruchen immer mehr Menschen den Sonntag ausschließlich als Freiraum für ihre Entspannung.

Natürlich soll der Sonntag als Ruhetag auch der persönlichen Erholung und dem gemeinsamen Familienleben dienen. Doch es geht um mehr. Die Kirche betont die Heiligung des Sonntags um der Heiligung des Menschen willen. Denn nur durch wirtschaftliche Leistung oder persönliche Zerstreuung kann der Hunger des Menschen nach wirklichem Leben nicht gestillt werden. Dieses wirkliche, weil göttliche Leben aber begegnet uns in der Eucharistie.

Deshalb erinnert die Kirche immer wieder an das Gebot, an Sonntagen und kirchlich gebotenen Feiertagen die heilige Messe mitzufeiern und keine Arbeiten und Tätigkeiten zu verrichten, die die Heiligung dieser Tage gefährden. Dieses Gebot gibt es nicht, damit die Kirchen voll sind. Auch möchte ich hier nicht von einer Sonntags-„ Pflicht“ sprechen, als ob der Kirchgang nur etwas äußerlich Auferlegtes sei, das es zu erfüllen gelte. Das Sonntagsgebot erinnert vielmehr an den neuen und ewigen Bund, den Christus mit der Menschheit geschlossen hat. Zu jeder Messfeier sind wir eingeladen, dieses Bundes zu gedenken. Da sollte es uns doch wenigstens einmal in der Woche, besonders am Sonntag, dem Tag der Auferstehung Jesu, ein echter Wunsch sein, dieses Geheimnis unseres Glaubens zu feiern.

Mich beeindruckt in diesem Zusammenhang immer wieder das Beispiel der 49 Märtyrer von Abitene, einem kleinen Dorf im heutigen Tunesien. Anfang des 4. Jahrhunderts, zur Zeit der Christenverfolgung, kamen sie trotz Verbots zur sonntäglichen Messfeier zusammen und wurden verhaftet. Als sie beim Verhör gefragt wurden, warum sie dem strengen Befehl des Kaisers zuwidergehandelt hätten, antwortete einer von ihnen: „Wir können nicht leben, ohne uns am Sonntag zur Feier der Eucharistie zu versammeln.“ Nach grausamer Folter wurden die 49 Männer und Frauen von Abitene getötet. Mit dem Vergießen ihres Blutes bezeugten sie ihren Glauben an die bleibende Gegenwart des auferstandenen Herrn.2 Die Erfahrung der Christen von Abitene müssen auch wir Christen des 21. Jahrhunderts reflektieren. Jede und jeder von uns weiß und spürt es auch: Es ist heutzutage alles andere als leicht, als Christen zu leben.

In der österlichen Bußzeit begleitet uns das Thema der Umkehr in besonderer Weise. Die Umkehr zu Gott, die Hinwendung zu ihm, kann in unserem Zusammenhang ganz konkret bedeuten, in diesen kommenden Wochen bis Ostern die eigene Praxis der Mitfeier der heiligen Eucharistie zu reflektieren und gegebenenfalls zu intensivieren.

Liebe Schwestern und Brüder!
Ich bin mir schmerzhaft bewusst, dass vor allem im ländlichen Raum nicht mehr in jeder Kirche an jedem Sonntag eine heilige Messe gefeiert werden kann. Und es leben in diesen Orten Gläubige, die aufgrund ihres Alters, ihrer Gesundheit oder schlicht wegen einer fehlenden Fahrgelegenheit nicht in eine benachbarte Kirche zur Messfeier fahren können, selbst wenn sie es gerne wollen. Daher bin ich sehr dankbar für die vielen engagierten Frauen und Männer, die sich für die Leitung von Wort-Gottes-Feiern haben ausbilden und von mir haben beauftragen lassen und die in ihrer Gemeinde solche Feiern am Sonntag halten. Wie schon der heilige Papst Johannes Paul II. betonte, üben diese Laien „in lobenswerter Weise das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen aus, das in der Taufgnade gründet“

Mit Beginn des neuen Kirchenjahres habe ich die Erlaubnis gegeben, dass die heilige Kommunion in Wort-Gottes-Feiern am Sonntag empfangen werden kann.

Die zu beachtenden Regelungen sind für die Verantwortlichen vor Ort wichtige Entscheidungshilfen. Ich hoffe, dass meine Sorge um die angemessene Wertschätzung der Eucharistiefeier deutlich geworden ist. „Die Eucharistie ist als Sakrament der Einheit das Zentrum und der Höhepunkt des kirchlichen Lebens. In ihr kommt die Gemeinschaft (communio) der Kirche am intensivsten zum Ausdruck.“

Um die enge Verbindung des Kommunionempfangs mit der Messfeier zu verdeutlichen, soll die heilige Eucharistie durch eine Kommunionhelferin oder einen Kommunionhelfer aus einer benachbarten Gemeinde, in der zeitnah eine Messe gefeiert wird, in die Wort-Gottes-Feier überbracht werden. Gemeinden, die diese Praxis erprobt haben, berichten, dass sie insbesondere die Zeit, in der die Ankunft des eucharistischen Herrn erwartet wurde, als eine geistlich sehr intensive Zeitspanne erlebt haben. Seine Ankunft wurde als nichts Selbstverständliches, sondern als wertvolles Geschenk wahrgenommen.

Zugleich wird so deutlich, „dass eine wahrhaft eucharistische Gemeinde sich nicht selbstgenügsam in sich verschließen, sondern offen sein muss gegenüber jeder anderen katholischen Gemeinde“6, wie der heilige Papst Johannes Paul II. unterstrich.

Liebe Schwestern und Brüder!
Die österliche Bußzeit endet mit der Feier der heiligen drei Tage und somit mit dem Gedächtnis der Einsetzung der Eucharistie, der Feier des Leidens und Sterbens Jesu Christi sowie seiner Auferstehung in Herrlichkeit. Von Herzen erbitte ich Ihnen Gottes Segen, dass die vor uns liegenden Wochen eine geistlich fruchtbare Zeit für Sie sein mögen, in der Sie insbesondere aus der Begegnung mit Jesus Christus in der Eucharistie die nötige Kraft für Ihr Leben schöpfen können.

Im Gebet verbunden,
grüßt Sie herzlich
Ihr Erzbischof
Hans-Josef Becker

Foto Erzbischof Becker (c) Erzbistum Paderborn

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