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Überlegungen zu »...und führe uns nicht in Versuchung«

3. Jänner 2018 in Spirituelles, 16 Lesermeinungen
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Manchmal taucht ganz unvermittelt eine Diskussion zu kirchlichen Themen auf, die sogar von den profanen Medien aufgenommen wird. Welche großartige Chance! Gastkommentar von Pfr. Peter van Briel


Münster (kath.net/Karl-Leisner-Jugend) Manchmal taucht ganz unvermittelt eine Diskussion zu kirchlichen Themen auf, die sogar von den profanen Medien aufgenommen wird. Welche großartige Chance, vom Glauben zu reden! - ist doch das Interesse an religiösen Themen ansonsten eher gering. Schade ist dann allerdings, wenn am eigentlichen Problem vorbeigeredet wird, anstatt auch »religiös unmusikalischen Menschen« grundlegende Klärungen christlichen Glaubens nahezubringen.

So kam 2017 die Frage auf, wie die Vaterunser-Bitte »...und führe und nicht in Versuchung« korrekt übersetzt werden müsse. Ausgehend von einer neuen Übersetzung im Französischen, wurden (auch von Papst Franziskus) die unterschiedlichen Akzente zum Beispiel in der (klassischen) deutschen Übersetzung und der (geglätteten) spanischen Übertragung gegeneinander gehalten. Die Frage allerdings, ob Gott vielleicht in Versuchung führt und wir deshalb darum bitten sollte, dass er dies lieber nicht tun solle, offenbart eine eklatante Unkenntnis christlichen Betens.

Das Wesen des Bittgebetes

Wenn wir einem Menschen gegenüber eine Bitte äußern, so ist das etwas gänzlich anderes, als wenn wir Gott gegenüber ein Bittgebet formulieren. Einen Menschen müssen wir unter Umständen über unser Bedürfnis informieren (»Mama, ich habe Hunger!«) oder ihn durch unsere Bitte dazu bewegen, auf mich zu achten (»Bitte, hör doch auf meinen Magen!«) oder von seinem ursprünglichen Plan abzusehen und dann doch auf unsere Bitte einzugehen (»Bitte, gib mir doch etwas zu essen; danach kannst Du immer noch Deine Ziele verfolgen!«). Alle diese Motivationen verbieten sich selbstverständlich für das Gebet, das sich an Gott richtet: Er weiß bereits, dass wir ein Bedürfnis haben (Mt 6,8: »...denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.«), wir müssen Ihn auch nicht durch unser Gebet bewegen oder von Seinen ursprünglichen (bösen?) Plänen abbringen.

Deshalb führt es in die Irre, wenn wir einer jeden Bitte unterstellen, sie ginge von einem jeweils gegensätzlichem Gedanken aus. Wir bitten Gott nicht, uns von dem Bösen zu erlösen, weil er es sonst nicht tun würde. Wir bitten nicht um das tägliche Brot, weil Gott unseren Hunger vielleicht vergessen oder übersehen würde. Wir bitten auch nicht um die Vergebung der Schuld, weil Gott sie uns ohne unsere Bitte belassen würde. Und wir bitten auch nicht darum, dass Gott uns nicht in Versuchung führt, weil das sein ursprünglicher Plan gewesen wäre. Ein solches Verständnis von Bittgebet ist ebenso absurd wie das dahinter liegende Gottesbild.

Vielmehr hat Jesus uns das Vaterunser-Gebet gelehrt, weil er uns zeigen wollte, worum wir »in rechter Weise bitten sollen« (Röm 8,26). Es geht also auch beim Bittgebet um uns. Wir sollen uns durch unser Gebet ändern – nicht wir ändern Gott oder sein Verhalten. In der Bergpredigt, in der Jesus (Matthäus zufolge) uns das Vaterunser beten lehrt, steht der veränderte Mensch im Zentrum der Predigt. Wir sollen uns und unser Verhalten überdenken und ändern. Wenn Jesus also sagt: »So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name...« dann nicht als Gebrauchsanweisung, um Gott effektiv in Bewegung zu setzen, sondern zur Selbst- und Neu-Ausrichtung des glaubenden Menschen.

Aber, so stellt sich die Frage: Warum lehrt uns Jesus dann darum zu beten, nicht in Versuchung geführt zu werden? Käme denn überhaupt jemand auf diesen absurden Gedanken?

Die Versuchung der Versuchung

Es mag ein wenig überraschend klingen. Aber sich in der Versuchung zu bewähren, kann selbst eine Versuchung sein. Es liegt in der Natur des Menschen, sich und seine Erkenntnis und Beziehungen der Erprobung auszusetzen.

Jemand, der sich in einer Diskussion befindet und ein neues Argument entwickelt, brennt darauf, es zu erproben: Trägt es? Klärt es den Konflikt? Hält es anderen Argumenten gegenüber stand?

Ein Forscher, der ein Ergebnis eines Experimentes zur Untermauerung seiner eigenen Theorie entdeckt, kann es oft kaum abwarten, diese Entdeckung der Forschergemeinde vorzustellen und zur Diskussion zu stellen. Es soll, ja es muss geprüft werden: Stützt es wirklich die Theorie? Lässt es sich wiederholen? Ist das Ergebnis wirklich aussagekräftig? Können Einwände entkräftet werden?

Jemand, der eine Liebesbeziehung geschenkt bekommt, möchte zeigen, wozu er bereit ist. Die Sehnsucht, sich gegen alle Umstände für den Partner einzusetzen und sogar Leib, Besitz und Leben zu riskieren und der Geliebten (und auch aller Welt) die eigene Liebe zu beweisen, ist der Grund aller romantischen Literatur. Diese Sehnsucht kann sogar soweit gehen, dass widrige Umstände geradezu gesucht werden, um sich gegen sie zu behaupten: Ein Phänomen nicht nur in der Pubertät.

Das gilt auch für die religiöse Überzeugung - in jeder der vorgenannten Hinsichten. Sowohl Argumente für den Glauben, die eigene gläubige Weltsicht als auch die liebevolle Beziehung zum menschgewordenen Gott drängen dazu, sich der Probe auszusetzen. In Zeiten der frühen Christenverfolgungen haben sich ganze Dörfer frisch bekehrter Christen aufgemacht, um in den Städten den Christenverfolgern zu begegnen (siehe J.H.Newman, »Callista«).

So sollt ihr beten: Führe uns nicht in Versuchung!

In diese historische und allgemeingültige Wirklichkeit hinein spricht Jesus also davon, nicht um Versuchung zu bitten. Vielmehr sollt ihr beten: »und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!« Die Weise der christlichen Existenz ist nicht die Konfrontation mit den Widerständen und die Bestätigung der eigenen Größe (der Argumente – der Weltsicht – der Gottesbeziehung). Sucht nicht die Probe Eurer Argumente (»Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt.« Mt 10,19); sucht überhaupt nicht die Versuchung! Bittet vielmehr darum, dass Ihr erlöst werdet. Das soll der Inhalt Eures Gebetes sein!

Klärung des Inhaltes oder Klärung der Übersetzung?

Nun haben natürlich diejenigen recht, die darauf hinweisen, dass alles dies den Hörern und Betern des Vaterunsers nicht immer klar ist. Moderne Menschen hören bei dieser Vaterunser-Bitte heraus, Gott möge uns nicht zum Bösen verführen; so mancher Beter wird diese Bitte vielleicht als Abwehr vor bösen und verführerischen Tendenzen Gottes verstehen. Aber die Frage, ob das nicht Grund genug sei, die Bitte treffender zu übersetzen, führt dennoch in die Irre. Eine Neu-Übersetzung der Bitte mag das Missverständnis, wir wollten Gott mit unsere Bitte davor bewahren, Böses zu tun, zwar umgehen. Ausgeräumt ist dieser Gedanken dadurch ja noch lange nicht; noch weniger wird die Gelegenheit genutzt, ein grundlegende Kurzkatechese zum Gebet zu formulieren. Genau das aber ist die Chance aller »Stolpersteine« unseres Glaubens (wie z.B. auch das »pro multis« im Hochgebet): Wir können auf Fragen hoffen, deren Antwort erwartet wird. Ein kostbares Gut in heutiger Zeit; denn allzuoft wird Falsches ungefragt geglaubt und Gutes fraglos verworfen.

Der Autor (Jahrgang 1965) ist Pfarrer in einer Dorfgemeinde im Bistum Münster und Schulpfarrer an einer Bischöflichen Schule (Realschule und Gymnasium). Zugleich ist er Sprecher der Karl-Leisner-Jugend, einem „Arbeitskreis von Laien und Priestern zur Vertiefung und Bereicherung der katholischen Jugendarbeit im Bistum Münster“. Als solcher hat er zahlreiche Katechesen verfasst, die sich auf der Homepage der Karl-Leisner-Jugend finden; ein großer Teil davon ist 2016 in Buchform als „Grundkurs zum Glauben“ (siehe unten) erschienen.

kath.net-Buchtipp
Grundkurs zum Glauben
24 Katechesen
Von Peter van Briel
Taschenbuch, 394 Seiten
2016 Pneuma Verlag
ISBN 978-3-942013-33-8
Preis 24.95 EUR

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Lesermeinungen

 Christophorus. 16. Mai 2018 

Und führe uns in der Versuchung..

Auch wenn die aktuelle Übersetzung soviel ich weiß schon richtig ist (und führe uns nicht in Versuchung). So scheint sie mir doch nicht richtig zu sein. Im 1.Jakobusbrief 13 steht es meines Erachtens korrekt: Keiner, der in Versuchung gerät soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott lässt sich nicht zum Bösen versuchen, er führt aber auch selbst niemanden in Versuchung. Insofern bete ich selbst für mich privat: Und führe mich in der Versuchung und ich glaube daß der Papst recht hat wenn er die aktuell gebetete Vater Unser Version korrigieren möchte.
führe uns nicht in Versuchung wäre eine Übersetzung die jeder auf Anhieb richtig verstehen würde ohne theologische Klimmzüge machen zu müssen.


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 Pythia 5. Jänner 2018 
 

Worte Gottes

Der Wortlaut des Vater Unser stammt direkt von Jesus Christus, der seine Jünger dieses Gebet gelehrt hat. Dieses Gebet muss daher nicht interpretiert und hinterfragt, sondern von denen, die seine Jünger sein wollen, einfach angenommen werden. Die wörtliche übersetzung ist daher die beste. An ihr sollte nicht gerüttelt werden, auch wenn wir sie vielleicht nicht verstehen.


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 Pythia 5. Jänner 2018 
 

Worte Jesu Christi


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 Fatima 1713 4. Jänner 2018 
 

Vertrauen auf den heiligen Geist,

im Gebet und in jeder Lebenslage, das ist das wichtigste. Da gebe ich Ihnen auch wieder recht, und auch vielen anderen hier. Das Wort Prüfung würde ich rein gefühlsmäßig auch nicht als passend oder "zu schwach" empfinden. Griechisch kann ich leider nicht, aber ich vertraue eben hier auch der Lehre und Tradition der Kirche. Danke noch einmal und Gottes Segen, auch allen anderen, die zur anregenden und fruchtbaren Diskussion beitragen!


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 lesa 4. Jänner 2018 

Der Geist betet in uns

@Fatima: In dieser schnelllebigen Zeit sind wir allzu rasch "überrumpelt". Es freut mich dass Sie "insistieren". Sie haben recht, die "seltsamen Assoziation" bleiben möglich. Aber angenommen man würde das griechische Wort mit "Prüfung" übersetzen, könnten manche das mit Führerschein-joder Matheprüfung assoziieren. Das Wort peirazo besagt viel mehr! Es bleibt also eine gewisse Herausforderung. Wir dürfen dem Geist Gottes in der lebendigen Lehrtradition vertrauen. Beim Nachdenken über alle Bezüge dieses Gebetes im Gesamt der Offenbarung (Hiob, Versuchungen in der Wüste, Ölgarten, Tod, Auferstehung) dürfen wir uns ganz beim Erlöser geborgen wissen im "Vater unser" - in der Art, wie hape empfiehlt in seinem Kommentar. "Der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, bewahrt Herz und Denken in Gott" (Phil) "Wir wissen nicht, wie wir in rechter Weise beten sollen, aber der Geist Gottes betet in uns."(Röm.) Dennoch ist Nachdenken gut und wertvoll! Das ist Kommentar 7. Bis ein anderesmal!


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 Fatima 1713 4. Jänner 2018 
 

@lesa

Entschuldigen Sie, dass ich insistiere. Sie haben im Prinzip vollkommen recht und ich bin auch nicht für eine Änderung, aber ich denke, es bleibt das Problem, dass bei den meisten Menschen (vor allem, wenn sie im Glauben nicht so gefestigt sind), bei der Formulierung "in Versuchung führen" sofort das Lämpchen "jemand (Gott) will mich verleiten etwas Böses zu tun" aufblinkt, und ich bin nicht sicher, ob man das, selbst mit guten Erklärungen, so schnell ausschalten kann. Aber vielleicht zeigt das alles ohnehin nur, dass Verkündigung und Katechese in den letzten Jahrzehnten immer dürftiger wurden. Wie dem auch sei, ich bin auch nicht für eine Änderung und möchte zudem weder Sie noch die Diskussion überstrapazieren. Danke für Ihre geduldigen Antworten und Gottes Segen!


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 Rosenzweig 4. Jänner 2018 

“Oft reichen uns ein paar Satzfragmente -

manchmal nur ein Blick."

DANKE werter @hape– wie schon oftmals, bringen Sie auch hier dieses immer wieder “aufkeimende” Diskussions-THEMA – erfreulicherweise mit zwei Sätzen auf den entscheidenden PUNKT!

Und dazu so ganz real und schmunzelnd MIT-vollziehbar– einfach aus unserem Menschl. MITeinander!

Und Ihr Geheimtipp: “Es ist die LIEBE!”
Für mich sagen diese Worte - ALLES!

So erfrischend dankend verbunden..


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 lesa 4. Jänner 2018 

@Fatima: Eine gewisse "Sturheit" ist gut. Warum steht nicht "Prüfung" da? Weil das Griechische beides besagt: Versuchung sowohl als Prüfung. Ist es nicht auch in Wirklichkeit so? Kann man es so genau auseinanderdivideren? Eine Prüfung ist es wohl allemal ...


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 lesa 4. Jänner 2018 

Bitte um die helfende Gnade

@Fatima: Ja, es liegt an der Sprache. Im Fall von Fragen (die es immer wieder geben wird) muss man erklären, dass "Versuchung" hier im Sinne herausfordernder "Prüfung" zu verstehen ist. Wer sich dem Jesus des Vater Unsers anvertraut, dem kann nichts von Seiner Liebe trennen. (vgl. Röm.) Er hat alles, was uns trifft an "Versuchungen und Prüfungen" schon durchgemacht und teilt es mit uns (vgl Hebr) Er gibt uns heute "unser tägliches Brot", den Geist, der in uns ruft "Abba, Vater" (vgl Röm, seinen "Geist der Kraft und Besonnenheit, und nicht der Verzagtheit" (vgl Tim.) "Es geht in der letzten Vater -unser-Bitte um die helfende Gnade, nicht aber, dass darum gebeten werde, überhaupt nicht in Versuchung zu geraten." (aus einem Leserbr. i. TP.19.12.17)Gewisse Dinge muss man eben kurz erklären. So dumm sind die Leute nicht, dass das nicht möglich ist. Nicht alles und jedes kann und darf geglättet und geändert werden im Sinne des zeitgenössischen "Fassungsvermögens".


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 Fatima 1713 4. Jänner 2018 
 

Meiner Meinung nach ist das alles

eher ein sprachliches und kein theologisches Problem. Die sprachliche Wendung "in Versuchung führen/geraten" bedeutet im Deutschen und wohl in den meisten anderen Sprachen, dass man den Gedanken, die Neigung oder den Drang, etwas Böses zu tun, bereits in sich trägt oder spürt. "Der Anblick dieser Frau führt mich in Versuchung" oder "Wenn mich jemand ärgert, gerate/bin ich in Versuchung, ihm eine runter zu hauen." Dieser Gedanke ist aber nicht die Versuchung, er ist ja schon da. Er wird von der Versuchung (von der schönen Frau oder dem lästigen Zeitgenossen) ausgelöst oder verursacht, womöglich ohne, dass die beiden bewusst vorhatten, mich zu reizen. Sie sind auch nicht an meinen Gedanken Schuld. Im Vaterunser kann das nicht so gemeint sein. Gott verursacht in uns keine bösen Gedanken, weder absichtlich noch unabsichtlich. Mein AHS-Latein reicht leider nicht aus, um zu beurteilen, was genau diese sprachliche Wendung im Lateinischen aussagt (et ne nos inducas in tentationem).


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 hape 4. Jänner 2018 

Ohne Worte

Offenbar geht es Pfr. van Briel um eine theol. korrekte Gebetslehre. Das ist natürlich berechtigt und ergänzt die aktuelle Diskussion um die Übersetzung der 6. Vater-unser-Bitte. Unterm Strich wirkt diese Diskussion auf mich aber seltsam verkopft.

Muss ich denn erst Theologie studieren, um richtig beten zu können? Gebet ist doch kein theologischer Disput, sondern eine liebevolle Zwiesprache von Vater und Kind, von Herz zu Herz. Dabei passt sich der Vater dem Kind an und nicht umgekehrt.

Eine andere Beobachtung: meine Frau weiß, dass ich viel Unsinn rede, wenn der Tag lang ist. Trotzdem verstehen wir uns blendend. Oft reichen uns ein paar Satzfragmente, manchmal nur ein Blick.

Es ist die Liebe, die das möglich macht. Und so ist mir völlig egal, ob mein Gebet gerade theologisch korrekt ist oder nicht. Gott kennt mich besser als ich mich selbst kenne. Er weiß, dass ich ihn liebe und er weiß, wie er mein Gebet einzuordnen hat.

Manchmal braucht es dazu noch nicht mal Worte.


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 Stefan Fleischer 3. Jänner 2018 

Im Übrigen

Fast 2000 Jahre haben nun die Christen gebetete: "Führe uns nicht in Versuchung". Niemandem wäre in den Sinn gekommen, dies so zu verstehen, als würde Gott uns zur Sünde verleiten wollen. In meiner Jugend jedoch sprach man noch oft von den "Prüfungen", welche Gott uns in seiner Vorsehung schickt. Darunter fiel es dann auch, dass er die Versuchungen des Widersachers nicht immer verhinderte. Man lehrte uns damals, auch dann das Vertrauen in unseren lieben Vater nicht zu verlieren, wenn er uns den Skorpion nicht gibt, den wir uns wünschen, dafür aber den Fisch, den wir im Augenblick brauchen. Warum lassen wir also den Text nicht einfach stehen, wie er ist, und lehren uns selbst und alle Menschen, Gott auch dann zu lieben und ihm zu vertrauen, wenn wir ihn nicht – oder müsste man sagen falsch - verstehen?


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 Beobachter 3. Jänner 2018 
 

Zum Problem der "Versuchung" durch Gott: 2 Sam 24,4 heißt es: "Er (=Gott, der Herr) reizte David gegen das Volk auf und sagte: Geh, zähl Israel und Juda!" Hier versucht wirklich Gott selbst zur Sünde. Das scheint dem Autor von 1 Chr. offenbar nicht erträglich, und so schreibt er über dieselbe Episode: "Der Satan trat gegen Israel auf und reizte David, Israel zu zählen." Ich glaube, dass diese Sicht letztlich dem neutestamentlichen Gottesbid besser entspricht. Gott lässt zu, dass wir durch innere und äußere Möchte versucht werden, bleibt uns auch da hilfreich nahe, aber er versucht uns in keiner Weise selbst. Wie ich auf Erfahrung weiß, verstehen sehr viele gläubige Zeigenossen die Vaterunserbitte unwillkürlich so, als ob Gott wirklich selbst aktiver Urheber der Versuchung wäre, darum wäre ein Übersetzung etwa in dem Sinn: "Lass uns nicht in Versuchung geraten" zielführend.


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 Stefan Fleischer 3. Jänner 2018 

Auf ein Mail zu diesem Problem

habe ich soeben geantwortet:
Ja, mein Kopf raucht schon lange bei solchen Diskussionen. Ich bin weder Theologe noch Sprachwissenschaftler. Deshalb überlasse ich solche Fragen diesen. Was mich stört ist, dass man immer mehr mit solchen Streitfragen in die Öffentlichkeit geht, welche – wie ich z.B. – damit vollkommen überfordert ist, statt zuzuwarten bis gesicherte Resultate vorliegen. Ehrlich gesagt, ich sehe darin die Handschrift des Widersachers, des „Verwirrers“ von Anbeginn, der nur eines will, die Glaubwürdigkeit der Schrift und der Kirche zu zerstören. Doch immer mehr merke ich auch, dass das viel zu wenige, auch von unseren Hirten, realisieren. Hätten wir nicht die Zusicherung unseres Herrn, dass er seine Kirche nicht untergehen lässt, es wäre zum Davonlaufen."


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 Beobachter 3. Jänner 2018 
 

Bittgebet

Ich halte das für eine reichlich verquere Theologie des Bittgebets. Ich denke, dass wir Gott in uunsern Anliegen ganz schlicht und einfach bitten und immer wieder erfahren dürfen, dass er antwortet. Manchmal bindet es seine Gaben an uns wirklich an unsere Gebete. Natürlich weiß er unabhängig von unseren Gebeten um unsere Anliegen Bescheid, natürlich ist er unabhängig davon bereit, uns zu beschenken. Aber er will grundsätzlich von uns gebeten werden, weil er an diesen Ausdruck unseres Vertrauens und der Hingabe an seine Menschenfreundlichkeit größtes Wohlgefallen hat


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 maska 3. Jänner 2018 
 

Danke, wie

immer bei Pfarrer van Briel, Klarheit und liebevolles Erklären.


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