Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:









Top-15

meist-diskutiert

  1. "Wir brauchen eine Debatte über das jüngste Konzil"
  2. Vatikan besorgt über Einbrüche im weltweiten Tourismus
  3. Kontroverse um die "Tagespost"
  4. Pseudokatholik Joe Biden wählt Katholikenhasserin als Vize-Kandidatin
  5. „Die Grundsatzfrage: Welchen Gott wollen wir?“
  6. Kolumnistin: Abtreibung, um im Urlaub Bikini-Figur zu haben, ist völlig berechtigt
  7. Corona: Ethikerin appelliert zu mehr Spielraum für Pflegeheime
  8. Evangelischer Landesbischof Ralf Meister behauptet: "Der Mensch hat ein Recht auf Selbsttötung"
  9. Deutscher Corona-Irrsinn: Kinder sollen Eltern weggenommen werden können
  10. Kamala Harris - gekauft von der Abtreibungsindustrie
  11. Unser Bischof hat sich nur einseitig informiert!
  12. Der Priester handelt in persona Christi
  13. Parteizeitung: Peking und Vatikan werden Abkommen erneuern
  14. Lackner: "Wir müssen wieder von Gott reden lernen"
  15. Hartl: „Wer außer mir teilt diese Wünsche?“

Jesus war kein Flüchtlingskind

28. Dezember 2017 in Kommentar, 26 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Alle Jahre wieder wird in diversen Artikeln und Kommentaren der Mythos verbreitet, Jesus wäre ein Flüchtlingskind - Gastkommentar von Dr. Markus Franz


Wien (kath.net/www.thedailyfranz.at)
Politisch linksorientierte Menschen haben es üblicherweise nicht so mit der Kirche und dem Christentum. Wenn aber Kirchenfeste wie Weihnachten Anlass und Möglichkeiten bieten, sie für die eigenen, oft sinistren Zwecke zu instrumentalisieren oder gar den Christen aus demselben Grund die Evangelien erklären zu wollen, dann werden die üblichen Kirchenkritiker, die das restliche Jahr meist Häme gegenüber dem Christentum verbreiten, plötzlich zu Bibelspezialisten und beherrschen scheinbar die Exegese der Heiligen Schrift besser als die Theologen und Priester.

Die Familie war nicht auf der Flucht

Alle Jahre wieder wird in diversen Artikeln und Kommentaren der Mythos verbreitet, Jesus wäre ein Flüchtlingskind und seine Geburt in Bethlehem deswegen eine dramatische und gefährliche Angelegenheit gewesen. Das ist aber nach dem offiziellen und in jeder Weihnachtsmesse verlesenen Weihnachtsevangelium von Lukas definitiv nicht wahr. Maria und Josef waren gemäß dem Evangelisten Lukas auf dem Weg zu einer von Kaiser Augustus angeordneten Volkszählung, die zur Erstellung der Steuerlisten angeordnet worden war. Die Einwohner Judäas mussten deswegen in ihre Geburtsstadt reisen, um sich dort zu melden. Maria und Josef brachen deswegen auf, fanden aber zur Zeit der Niederkunft kein freies Zimmer in den Herbergen und mussten sich mit einem Stall begnügen (was damals kein ungewöhnlicher Platz für Reisende war). Die Geburtsgeschichte aus dem Stall in Bethlehem wird trotzdem fälschlicherweise immer wieder als Flüchtlingsgeschichte dargestellt.


Eine andere Version

Freilich, der Evangelist Matthäus erzählt eine andere Version von Weihnachten bzw. der Zeit danach. Sie gilt allerdings nicht als das klassische Weihnachtsevangelium. Nach den Beschreibungen des Matthäus war der als brutale Schlächter verrufene und in ständiger Angst vor Attentaten lebende König Herodes höchst besorgt, dass laut den kursierenden Informationen ein neuer König der Juden (eben der Messias) geboren werden würde. Als er von Jesu Geburt hörte, schickte er Kundschafter aus, die bei Matthäus als "die Weisen" bezeichnet werden. Nach der Verifizierung der Geburt ordnete Herodes die Tötung aller männlichen Kinder unter zwei Jahren an. Er wollte sichergehen, dass nirgendwo ein Erstgeborener als Messias gefeiert werden könne.

Laut Matthäus wurde Josef rechtzeitig von einem Engel gewarnt und er floh danach mit seiner Familie nach Ägypten, um sich dort vor den Häschern des Königs zu verstecken und das Leben des Kindes zu retten. Nach dem Tod des Herodes kehrten Maria und Josef wieder nach Judäa zurück. Das war also keine Flucht, die der heutigen Massenmigration in irgendeiner Weise gleichzustellen ist. Es ging damals um eine ganz konkrete persönliche Bedrohung und nicht um wirtschaftliche, kulturelle oder religiöse Motive. Die Reise von Jesus, Maria und Josef erfolgte auch bloß über die nächste Grenze. Die heutige Massenmigration erstreckt sich hingegen über Kontinente und es migrieren kaum Familien, sondern vor allem junge Männer - aus wie gesagt gänzlich anderen Motiven.


Ein Missbrauch des Evangelisten

Die Matthäus-Geschichte wird trotzdem gern von linken Zynikern als "Beweis" dafür missbraucht, dass die Heilige Familie ein typisches Migrantenschicksal durchgemacht hätte und dass daher gerade die Christen das größte Verständnis für Flüchtlinge aller Art haben müssten. Das ist natürlich eine unlautere und anmaßende Argumentationstechnik. Christen sollten auf diese meist als Provokation gemeinten Anwürfe und Falschmeldungen nicht hereinfallen und sie gar nicht ernst nehmen. Apropos: Jeder ernstzunehmende Mensch wird anderen Menschen in echter Not und körperlicher Bedrängnis Hilfe vergönnen und selber etwas dazu beitragen, Notsituationen zu beheben oder zumindest zu lindern. Dazu braucht man keine linken Bibel-Exegeten, die das Evangelium offensichtlich noch weniger verstanden haben oder verstehen wollen als ihren Marx und ihren Engels.

Klare Worte sind notwendig

Christen müssen aber stets auch klarstellen: Die Bereitschaft zur Hilfe bedeutet nicht, dass man Migranten aller Art über tausende Kilometer nach Europa kommen lassen oder diese sogar per Jet einfliegen muss, wie dies kürzlich in Italien geschehen ist. Und Nächstenliebe heisst definitiv nicht, dass man kritiklos der Massenmigration das Wort reden und alle aufnehmen muss. Das Gegenteil ist wahr: Verantwortungsvolle Hilfe und ein vernünftiges Bewältigen der Migrationskrise kann nur in den Herkunftsregionen stattfinden. Und am allerwenigsten wird die Lösung der Krise in den von sauertöpfisch-atheistischen Besserwissern und linken Provokateuren besetzen Redaktionsstuben gelingen, aus denen zu Weihnachten regelmäßig süffisante Kommentare an die Öffentlichkeit dringen.

Dr. Markus Franz ist praktizierender Katholik aus der Erzdiözese Wien und war bis Oktober 2017 Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 freya 3. Jänner 2018 
 

@marybe

Demnach wird man die Hl. Familie bald mit Ufo und grünen Männchen abbilden und ihrer Schutzherrschaft neben den "Refugees" auch alle "Aliens" und sonstigen Außerirdischen anempfehlen ;-)


1

0
 
 Konrad Georg 2. Jänner 2018 
 

Jesus war bei seiner Geburt nicht arm!

Er hatte alles, was ein Neugeborener braucht: Eine liebevolle Mutter, Windeln, eine Nahrungsquelle und einen treusorgenden (Pflege-)Vater. Mehr braucht ein Kind nicht.
Warum ließ Herodes alle Knaben bis zwei Jahre umbringen? Weil die Drei Weisen berichteten, wann der Stern erschienen war. Jesus war bei der Flucht nach Ägypten etwa zwei Jahre alt.

Eine Lappalie am Rande: Nach unserem GG hat nur ein Mensch Anspruch auf ein Asylverfahren, wenn er als Pole, Tscheche usw in seinem Heimatland unausweichbar von staatlichen Stellen bedrängt wird.

In DE wird wohl eher die Fernstenliebe gepflegt. Lieber mit den Protestanten einen hoffnungslosen Dialog, als mit den Piusbrüdern Annäherung suchen, lieber Invasoren betüteln als sich für die 1000 Ungeborenen einsetzen, die pro Tag Killern zum Opfer fallen.

In den Kirchen wird um Frieden gebetet, dabei ist bei uns alles bestens für den Krieg gegen unsere Zukunft organisiert.


3

0
 
 Fatima 1713 1. Jänner 2018 
 

@marybe

Hier finde ich besonders schön den Gedanken, die heilige Familie als Schutzpatron für Flüchtlinge zu sehen. Wir sollten sie auch als solche anrufen, für "richtige" Flüchtlinge, aber auch für andere, und vor allem für viele Bekehrungen von muslimischen Flüchtlingen, wie auch immer man sonst zu diesem Thema stehen mag.


2

0
 
 marybe 29. Dezember 2017 

Papst Pius XII sagte:

“The émigré Holy Family of Nazareth, fleeing into Egypt, is the archetype of every refugee family. Jesus, Mary and Joseph, living in exile in Egypt to escape the fury of an evil king, are, for all times and all places, the models and protectors of every migrant, alien and refugee of whatever kind who, whether compelled by fear of persecution or by want, is forced to leave his native land, his beloved parents and relatives, his close friends, and to seek a foreign soil.”
Pius XII, Exsul Familia Nazarethana, 1952

(Habe es leider nur auf Englisch)


2

0
 
 Diasporakatholik 29. Dezember 2017 
 

@stenov und @Fatima1713

Sehr gut, was Sie beide an Gedanken zum Thema Nächstenliebe und Barmherzigkeit schrieben.

Ich denke und ergänze hierzu noch für mich, dass jeder/jede mit dem Geben von Barmherzigkeit bzw. Nächstenliebe nach den eigenen Möglichkeiten und eigenen Grenzen - jedoch so freigebig wie nur möglich - verfahren sollte.

Das beinhaltet auch das "Risiko", dass diese Liebesgabe auch mal Unwürdigen zuteil wird. So kommt auch jedes Mal immer wieder ein Stück vom Reich Gottes - der Liebe - in diese dessen so bedürftige Welt.

Ich denke da sowohl an das Gleichnis Jesu vom Sämann, der den guten Samen freigebig verteilt - nicht nur auf das gute Ackerland sondern auch auf den Weg, den Felsen und unter die Dornen...

Ebenso auch an das Gleichnis von den ausgegebenen Talenten an die Diener des Hausherrn, um eben mit ihnen verantwortungsvoll zu arbeiten.

Keinesfalls jedoch, um sie etwa zu vergraben und am Ende ungenutzt zurück zu geben...


5

0
 
 stenov 29. Dezember 2017 
 

@Fatima 1713

Ich denke aber doch, dass die eigentlich korrekte Interpretation (der Nächste ist der Helfer, der tätige Liebe geübt hat) viel für sich hat. Jesus war bzw. ist Realist und weiß nur zu gut, dass wir alle mehr oder weniger schwere Sünder sind und (noch) nicht heiligmäßig zu leben im Stande sind. Er sagt somit, es ist entscheidend, dass man die liebt, die einem geholfen haben, und zwar wie sich selbst, d.h. ohne sich selber egoistische Vorteile ihnen gegenüber zuzugestehen. Das ist so wichtig, dass er es als gleichwertig einstuft mit der Gottesliebe. Wenn wir uns nur daran halten, wird die Welt schon besser und letztlich gut. Für die meisten Menschen stellt die landläufige Interpretation des Nächsten eine Hürde dar, der sie nicht gerecht werden können und sie auch mit Recht als Überforderung betrachten. Satan versucht ja, die Liebe in allen ihren Formen zu bekämpfen und in Hass zu pervertieren; wo ihm das nicht auf direktem Weg gelingt, probiert er es mit der Übertreibung des Guten.


4

0
 
 Fatima 1713 29. Dezember 2017 
 

@ stenov

Mit dem Grad der Heiligkeit haben Sie vollkommen recht. Je näher wir Jesus stehen, desto mehr können wir unsere Mitmenschen mit Seinen Augen betrachten und ihnen dementsprechend begegnen. Heilige wie Mutter Teresa kommen diesem Anspruch schon sehr nahe, eben weil sie so eine innige Beziehung zu Jesus haben.


6

0
 
 Fatima 1713 28. Dezember 2017 
 

Der barmherzige Samariter

Die beste Auslegung zu diesem Gleichnis, die ich jemals gehört habe in Kurzfassung: Jesus selbst ist der, der überfallen, ausgeraubt, geschlagen und seiner Kleider beraubt wurde und am Straßenrand liegen blieb. Gleichzeitig ist er aber auch der barmherzige Samariter, der sich des Misshandelten annimmt, seine Wunden verbindet, ihn in die Obhut anderer gibt und dafür bezahlt, dass man sich um ihn kümmert, bis er wieder kommt und selbst dann will er noch den Rest bezahlen, wenn mehr benötigt wird. Er ist derjenige, der sich für uns schlagen,foltern und töten ließ und gleichzeitig der einzige, der unsere Wunden heilen kann. Jesus ist unser Nächster ... (Gleichzeitig oder genau deshalb gilt natürlich auch: "Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt ...")


6

0
 
 stenov 28. Dezember 2017 
 

Nächstenliebe - Barmherzigkeit

@Diasporakatholik
Sie haben vollkommen Recht: Jesus sagt ja als Schlusssatz: „Dann geh hin und handle genauso!“ Er fordert uns also auf, Barmherzigkeit zu üben, damit wir anderen zu Nächsten werden. Leider wird Barmherzigkeit eben allgemein meistens mit Nächstenliebe verwechselt. Das verursacht bei Menschen, die das ernst nehmen, viel schlechtes Gewissen, wenn man nicht jeden Menschen auf Anhieb gleich liebt wie sich selbst. Gleichzeitig macht dieser scheinbare Anspruch andere undankbar, was wiederum ein Verstoß gegen die Nächstenliebe ist. Pointiert ausgedrückt: Die „zornigen jungen Männer“ sollten eigentlich dankbar sein für die Hilfe, aber man entschuldigt ihr oft schlechtes Verhalten mit ihren traumatischen Erlebnissen...


7

0
 
 OStR Peter Rösch 28. Dezember 2017 
 

@stenov: Brisant!

Stenov gibt hier einen sehr interessanten Hinweis, dessen Brisanz man gar nicht gleich kapiert: Jesus fragt nicht nach dem Nächsten des Retters, sondern sprachlich aufwändiger nach dem Nächsten des Geretteten. Und es stellt sich also heraus: Der Retter ist der Nächste, welcher zu lieben ist!
Das widerspricht diametral der landläufigen Auslegung, die uns verinnerlicht wurde. - Kann es sein, daß unsere gängige Vorstellung von "Nächstenliebe" auf einem grandiosen Mißverständnis der biblischen Aussage beruht?


4

0
 
 mirjamvonabelin 28. Dezember 2017 
 

@Cremarius

Auch sie haben es sehr schön dargelegt. So hat es sicher Dr. Markus Franz gemeint.


5

0
 
 Elliver 28. Dezember 2017 
 

@Cremarius

Danke für Ihre wertvollen Beiträge!!

Liebe Grüße und Gottes Segen!
Elliver


6

0
 
 Fatima 1713 28. Dezember 2017 
 

Augenmaß

Ich denke, Dr. Franz hat das Thema mit Augenmaß behandelt. Die Reise nach Bethlehem war keine Flucht. Von dort aber musste die heilige Familie sehr wohl nach Ägypten fliehen. Jesus hat in allem unser Schicksal geteilt, aber man sollte das Evangelium nicht einseitig politisch interpretieren. Das große und erhabene Wunder: Gott wurde Mensch, um uns zu erlösen - das sollte zu Weihnachten im Mittelpunkt aller Predigten stehen.


8

0
 
 Ad Verbum Tuum 28. Dezember 2017 

Was wars nun?

Die Flucht nach Ägyten wäre heute wohl unter dem Begriff Asyl einzuordnen, Schutz aufgrund individueller Verfolgung. Ins Nachbarland, wahrscheinlich ohne irgendeine Unterstützung und mit freiwilliger Rückkehr nach Entfall der Ursache. Asylrecht gehört auch heute zu unseren Grundrechten - leider 100.000fach missbraucht.
Barmherziger Samariter - guter Maßstab für die Hilfe vor Ort (z.B. Kirche in Not, UNHCR u.ä.). Warum nur waren 2015 dem UNHCR die Gelder zusammengestrichen worden?


8

0
 
 horologius 28. Dezember 2017 
 

Jesus

wurde NACH seiner Geburt zum Flüchtling und kehrte aus Ägypten wieder zurück.
Derzeit wird generell ein Verwirrspiel getrieben mit den Begriffen Flüchtling, Asylant, Migrant. Jemand, der flüchtet, bekommt nicht automatisch Asyl (sichere Zuflucht) und ist auch nicht zwangsläufig einer, der seinen Lebensmittelpunkt in ein anderes Land verlegt (Migrant).


11

0
 
 Cremarius 28. Dezember 2017 

@Nadal - Selektive Auswahl

Jesus sagte allerdings auch, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben sei. Dass niemand zum Vater komme, denn durch ihn. Dass man sie an ihren Früchten werde erkennen können. Dass nach ihm nur noch falsche Propheten auftreten werden.

Und das Wichtigste von allem: Dass seine Botschaft in die Welt hinausgetragen und dass alle getauft werden sollen. Ite missa est!

Aufgabe der Kirche wäre es daher, unter den Migranten für Christus zu werben und möglichst viele für das Evangelium zu gewinnen. Das geschieht allerdings nicht.

Insofern ist es sehr bedenklich, selektiv Jesus-Worte auszuwählen und andere zu ignorieren.

Hilfe in der Bibel ist stets Hilfe zur Selbsthilfe. Der barmherzige Samariter hat den Verletzten nicht bei sich aufgenommen und bis an das Ende seiner Tage alimentiert.

Paulus weist mehrfach darauf hin, dass er niemandem zur Last falle, für sich selber sorge.

Mit Gefangenen sind übrigens diejenigen gemeint, die ihres Glaubens an Christus wegen eingesperrt sind...


13

0
 
 Cremarius 28. Dezember 2017 

Widersprüchliches Verhalten in der Exegese

Was mich sehr stört, ist der selektive Umgang mit der Bibel von manch ideologischem Ausleger.

Diejenigen, die die Heilige Familie zu Flüchtlingen machen, die vor dem Kindermörder Herodes flieht, bestehen in diesem Fall darauf, die entsprechende Schriftstelle könnte nur wortwörtlich ausgelegt werden. In anderen Fällen indes möchten sie davon jedoch nichts wissen. Wenn es bspw. um Homosexualität, Wunder oder die Unauflösbarkeit der Ehe geht, dann heißt es, die entsprechenden Schriftzeugnisse seien allegorisch, in einem übertragenen Sinne zu verstehen. Es seien Mythen (Wundergeschichten), in der Nachfolge Eugen Drewermanns, die keinesfalls wortwörtlich zu nehmen seien.

Ferner sei der kulturelle Kontext zu beachten, die Lust der Orientalen an der Übertreibung und der dramatischen Ausschmückung.

Es wird dekonstruiert und kein Stein darf auf dem anderen bleiben.

Also das genaue Gegenteil. Je nach Bedarf der Ideologie.

Frei nach Goethe: Legt ihr es nicht aus, so legt was unter...


16

0
 
 Adamo 28. Dezember 2017 
 

Herr Dr. Markus Franz - Sie irren!

Wenn Jesus als Neugeborener unter den Befehl des Herodes fällt, dass alle männlichen Neugeborenen von seinen Häschern umgebracht werden müssen und seine Eltern das neugeborene Kind Jesus ausser Landes bringen, um es damit vor dem sicheren Tod zu bewahren, dann war Jesus mit Sicherheit EIN FLÜCHTLINGSKIND, Maria und Josef waren ebenfalls FLÜCHTLINGE. Das war überhaupt keine REISE sondern eine echte FLUCHT, mit einer Rückkehr in ihre angestammte Heimat nach Beendigung der Todesbedrohung.


14

0
 
 Diasporakatholik 28. Dezember 2017 
 

Was ist eigentlich Barmherzigkeit?

Nach meinem Eindruck ist Barmherzigkeit = liebevolle Zuwendung einem derselben Bedürftigen gegenüber.

Also ist der/die barmherzige Spender/in dem Empfänger dieser liebevollen Zuwendung anfänglich in gewisser Weise überlegen und gibt von seinem Überfluss etwas ab.

Barmherzigkeit ist damit tätige Liebe entweder gegeben von Gott zum Menschen (Gnade) oder auch von Mensch zu Mensch (tätige Liebe, durch die der Spender für den Empfänger zum Nächsten wird).

Das ist ja eben auch die Antwort auf die Frage des Herrn, wer denn wohl im Gleichnis vom barmherzigen Samariter dem Hilfsbedürftigen der Nächste gewesen ist:

Der ihm Barmherzigkeit erwies - hier eben der Samariter, mit dem man eigentlich als gläubiger Jude (vorher) nichts gemein hat, nicht wahr...?


5

0
 
 Diasporakatholik 28. Dezember 2017 
 

@stenov

Es stimmt, was Sie schreiben.
Allerdings darf man in dem Gleichnis Jesu eben nicht übersehen, dass gerade der Samariter als erster Barmherzigkeit geübt hat und zwar an einem Menschen, der nicht zu seinem engeren Glaubens- bzw. Volksstamm gehörte, ja der als Jude eigentlich keine Gemeinschaft mit Samaritern pflegte - und umgekehrt.
Also sprang zunächst einmal einer über seinen Schatten, übt Barmherzigkeit ohne Ansehen der Person und wird dadurch dieser zum Nächsten.


5

0
 
 stenov 28. Dezember 2017 
 

Nächstenliebe

Nächstenliebe wird vielfach stark vereinfacht: JEDER Mensch, der mir begegnet, ist mein Nächster. Das lässt sich durch das Gleichnis Jes vom barmherzigen Samariter aber nicht rechtfertigen. Nach der Frage nach dem Hauptgebot, die Jesus mit Gottes- und Nächstenliebe beantwortet, fragt der Schriftgelehrte, um sich zu rechtfertigen: „Und wer ist mein Nächster?“ Das erklärt nun Jesus mit dem Gleichnis. Am Ende fragt er: „Wer hat sich nun als der Nächste dessen erwiesen, der unter die Räuber fiel?“ „Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat.“ Der Nächste ist also der Samariter, der Hilfe geleistet hat. Einfach ausgedrückt: Man soll einen Menschen lieben, wenn er einem geholfen hat, auch wenn man ihn vorher nicht gemocht hat (wie zum Beispiel die Juden die Samariter verachteten). Bedenkenswert ist auch, dass Jesus diese Form der Liebe als gleich wichtig erachtet wie die Gottesliebe. Wenn man jede Form von Hilfe für andere gleich als Nächstenliebe bezeichnet, fehlt das Element der Dankbarkeit.


7

0
 
 Nadal 28. Dezember 2017 

Christus spricht: Ich war ...

... hungrig, durstig, obdachlos, krank und im Gefängnis. ER selbst ist es, dem wir Gutes tun oder eben nicht, in Seinen geringsten Brüdern und Schwestern.
Insofern ist es völlig nebensächlich, ob die Heilige Familie Flüchtlinge, Binnenmigranten oder sonstwas waren. Wie wir heute handeln, das allein zählt in den Augen Gottes.


7

0
 
 Diasporakatholik 28. Dezember 2017 
 

Nun, es war schon eine FLUCHT der hl. Familie damals

vor den Soldaten des Herodes.
Insofern waren sie Flüchtlinge, und sie blieben solange in Ägypten, bis die unmittelbare Bedrohung durch Herodes mit dessen Tod endete.


17

0
 
 freya 28. Dezember 2017 
 

@ Cremarius

Sie haben's auf den Punkt gebracht! Danke!


11

0
 
 Cremarius 28. Dezember 2017 

Binnenmigration

Sehr schön dargelegt.

Die Familie floh nach Ägypten. Ägypten zählte allerdings, wie Syrien (im damaligen Verständnis), zum Römischen Reich. Es liegt somit allenfalls eine "Binnenmigration" vor.

Ferner sollte bedacht werden, dass Ägypten kein unbedeutender Ort für die Bibel ist. Moses führte die Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft in die Freiheit, in das gelobte Land. Wie Moses, so brachte auch Jesus die Freiheit, schloss den neuen Bund. Hier zeigt sich eine starke Symbolik.

Anstatt diese Erzählung zu instrumentalisieren, sie zu missbrauchen, wäre es angebracht, über diesen neuen Bund zu predigen, die essentialia unseres Glaubens, der Menschwerdung Gottes, der Erfüllung der Verheißungen.

Wenn eine Predigt nichts anderes ist als eine Rede, die auch auf einem Parteitag der Grünen hätte gehalten werden können, dann stimmt etwas nicht.

Abgesehen davon: Diese "Flüchtlinge" kehrten auch wieder heim.


20

0
 
 Karlmaria 28. Dezember 2017 

Wenn man schon instrumentalisieren will

Dann aber auch wahrheitsgemäß. Denn es stimmt ja dass die Heilige Familie Flüchtlinge waren. Nicht in Bethlehem sondern in Ägypten. Es stimmt aber auch dass die Heilige Familie nach dem Ende der Bedrohung wieder zurück gekehrt ist. Ich bin dafür ein Asyl nach ein paar Jahren wieder zu überprüfen ob der Asylgrund noch besteht!


20

0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Migration

  1. Bei Anwesenheit von NGO-Schiffen wurden konzertierte Abfahrten aus Libyen festgestellt
  2. US-Studie: Höhere Sozialleistungen locken Migranten an
  3. Und wieder 50.000 Euro von Marx für umstrittene Seenotrettung
  4. Deutschland: Pfarramtsmitarbeiter zu Weihnachten niedergestochen
  5. Franziskus geht mit Flüchtlingspolitik hart ins Gericht
  6. Keine Kirchensteuer für Flüchtlingsschiff
  7. Deutsche Grüne wollen 'Klimaflüchtlinge' aus der ganzen Welt aufnehmen
  8. Studie: Gleich viele Tote trotz Seenotrettung im Mittelmeer
  9. Bis zu 5 Millionen "irreguläre" Migranten in Europa








Top-15

meist-gelesen

  1. Kontroverse um die "Tagespost"
  2. Pseudokatholik Joe Biden wählt Katholikenhasserin als Vize-Kandidatin
  3. Sommerspende für kath.net - Eine Bitte an Ihre Großzügigkeit
  4. "Wir brauchen eine Debatte über das jüngste Konzil"
  5. Unser Bischof hat sich nur einseitig informiert!
  6. Kolumnistin: Abtreibung, um im Urlaub Bikini-Figur zu haben, ist völlig berechtigt
  7. Birgit Kelle: „…dann ist man bei den ‚Humanisten‘“
  8. Kamala Harris - gekauft von der Abtreibungsindustrie
  9. „Die Grundsatzfrage: Welchen Gott wollen wir?“
  10. Benedikt XVI. auf dem Weg der Besserung
  11. Evangelischer Landesbischof Ralf Meister behauptet: "Der Mensch hat ein Recht auf Selbsttötung"
  12. Vatikan besorgt über Einbrüche im weltweiten Tourismus
  13. Hartl: „Wer außer mir teilt diese Wünsche?“
  14. Der Priester handelt in persona Christi
  15. US-Bischof stellt Exkommunikation eines Priester fest, der Papst Franziskus nicht anerkennt

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz