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Die Diskussion über Leitkultur ist „längst überfällig“

22. Dezember 2017 in Interview, 3 Lesermeinungen
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Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel/CDU: Die Diskussion über Leitkultur ist, „wie Sie an Themen wie Zwangsehe, Genitalverstümmelungen oder Ehrenmorden sehen, aus meiner Sicht längst überfällig“. KATH.NET-Interview von Petra Lorleberg


Düsseldorf (kath.net/pl) „Bereits vor Jahren, als ich noch Ratsfrau in Düsseldorf war, haben sich Lehrerinnen hilfesuchend an mich gewendet und von verzweifelten Schülerinnen gesprochen, die ahnten und fürchteten, dass sie in den Ferien verheiratet werden sollten.“ Besorgt über Zwangsverheiratungen und arrangierte Ehen zeigte sich die Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel im kath.net-Interview. Frauen wie Nekla Kelek und Seyran Ates bezeichnet die CDU-Politikerin als „sehr mutige Frauen“, „es sollten mehr Frauen aufstehen und wie Frau Kelek oder Frau Ates öffentlich und mit Nachdruck auf Missstände hinweisen, denn wir brauchen diese Art der Aufklärungsarbeit.“ Die Düsseldorferin ist fünffache Mutter und Katholikin, gehört dem Bundesvorstand der Frauen Union an, außerdem ist sie Mitglied im „Berliner Kreis“, einem Zusammenschluss wertkonservativer Politiker aus CDU und CSU.

kath.net: Arrangierte Ehen, Zwangsverheiratung – Frau Pantel, haben wir das längst auch in Deutschland?

Sylvia Pantel: Leider ja. Bereits vor Jahren, als ich noch Ratsfrau in Düsseldorf war, haben sich Lehrerinnen hilfesuchend an mich gewendet und von verzweifelten Schülerinnen gesprochen, die ahnten und fürchteten, dass sie in den Ferien verheiratet werden sollten.

kath.net: Wie massiv sind die Auswirkungen für ein in Deutschland aufgewachsenes oder nach Deutschland gekommenes Mädchen bei der Zwangsverheiratung Ihres Erachtens nach?

Pantel: Ich halte die Auswirkungen für massiv. Zwangsverheiratungen sind mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar und in Deutschland als Straftat eingestuft. Leider sind sie vor allem in muslimisch geprägten Ländern noch weit verbreitet. Wir müssen verhindern, dass vor allem junge Mädchen gegen ihren Willen bei uns oder im Herkunftsland der Eltern verheiratet werden.


kath.net: Reicht die Heraufsetzung des Heiratsalters auf 18 Jahre, die der Bundestag vor wenigen Monaten beschlossen hat, um Mädchen vor Zwangsverheiratung zu schützen? Oder sollte dies von weiteren Maßnahmen flankiert werden?

Pantel: Das Gesetz gegen Kinderehen und die damit verbundene Heraufsetzung des Ehemündigkeitsalters auf 18 Jahre ist ein Anfang. Wir müssen aber auch sicherstellen, dass Verstöße entsprechend geahndet werden. Wir benötigen niederschwellige Hilfsangebote für die Betroffenen und eine konsequente Strafverfolgung der Eltern. Mir sind übrigens auch Fälle bekannt, bei denen sich junge Männer einer Zwangsverheiratung nicht entziehen konnten.

kath.net: Warum schreien nur so wenige nach Schutz für jene muslimischen Mädchen, die sich bei uns integrieren wollen, die Jeans, offene Haare und Schminke tragen wollen – und die vor allem ihren Bildungs- und Lebensweg und ihren Ehepartner frei wählen wollen? Und warum schweigt ausgerechnet die große Mehrheit der Feministinnen und Linken derart dröhnend?

Pantel: An Frauen wie Dr. Necla Kelek, die seit Jahren mit Vehemenz die schlechten Zustände beklagt, zeigt sich doch deutlich, wie viel Mut es braucht, die Dinge beim Namen zu nennen. Weil keiner Ärger mit den oft gewaltbereiten Angehörigen der Betroffenen möchte, schweigt die große Mehrheit.

Häufig tragen dann bestimmte Medien dazu bei, diese Angst noch zu verstärken, wird man doch schnell als ausländerfeindlich oder intolerant bezeichnet.

Vieles geschieht zudem unter dem Deckmantel der Religion und obwohl immer mehr mutige Frauen wie Sabatina James ihre Geschichte erzählen, beschäftigt sich die Öffentlichkeit leider nur oberflächlich mit diesem Thema.

kath.net: Frau Pantel, wenn dasselbe mit auch nur zwei katholischen Mädchen in Deutschland gemacht werden würde – womöglich mit religiöser Begründung – wäre der allgemeine Aufschrei zu Recht gewaltig (Anm.: solche Ehen wären nach katholischem Verständnis ungültig). Warum dieses Messen mit zweierlei Maßstäben?

Pantel: Wer sich mit der Problematik der Zwangsverheiratung oder arrangierten Ehen auseinandersetzt, bekommt häufig Gegenwind oder handelt sich gar Ärger ein. Würde etwas Derartiges in christlichen Familien passieren, fiele die religiöse Legitimation weg und es gäbe dementsprechend auch kein Verständnis in der Öffentlichkeit. Nach streng muslimischer Tradition hingegen müssten Betroffene, die sich zur Wehr setzen, damit rechnen, aus der Familie verstoßen zu werden oder hätten den so genannten Ehrenmord zu fürchten und es gäbe öffentliches Unverständnis. In den meisten Fällen stehen die Mädchen zudem in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrer Familie, verfügen über keine eigenen Einkünfte und sind deshalb einem enormen Druck ausgesetzt. Dementsprechend groß ist daher die Angst, aufzubegehren und sich Hilfe zu suchen.

kath.net: Wie können wir moderaten Muslimen, die das Grundgesetz achten wollen, konkret helfen? Haben wir als Staat diesbezüglich Verantwortung gerade auch gegenüber unseren jungen Muslimen und Musliminnen?

Pantel: Ja, aus meiner Sicht haben auch wir eine Verantwortung, der wir nachkommen müssen. Die Eltern müssen wissen, dass sie eine Straftat begehen, wenn sie ihr Kind zwangsverheiraten und dass sie mit hohen Strafen zu rechnen haben. Außerdem brauchen wir eine Anlaufstelle und müssen die Betroffenen aus der Abhängigkeit herausholen.

kath.net: Sie erwähnten Necla Kelek. Ich denke auch an Seyran Ates. Sind für Sie solche Frauen Hoffnungsträgerinnen?

Pantel: Ja, das sind sehr mutige Frauen, die so oder so kein einfaches Leben haben. Es sollten mehr Frauen aufstehen und wie Frau Kelek oder Frau Ates öffentlich und mit Nachdruck auf Missstände hinweisen, denn wir brauchen diese Art der Aufklärungsarbeit. Wir müssen darauf dringen, dass die Gesetze in unserem Land eingehalten werden und Verstöße, häufig in Zusammenhang mit einer Missachtung der Gleichberechtigung von Mann und Frau, konsequent aufgearbeitet und verfolgt werden.

kath.net: SPD-Politiker Sigmar Gabriel und auch Grünen-Politiker Boris Palmer gegenüber kath.net haben sich jüngst positiv zu einer Debatte über Leitkultur geäußert. Wie stehen Sie dazu?

Pantel: Diese Diskussion ist, wie Sie an Themen wie der Zwangsehe, Genitalverstümmelungen oder Ehrenmorden sehen, aus meiner Sicht längst überfällig.

Mich ärgert es auch, wenn die Diakonie in ihren Kindergärten nicht mehr Sankt Martin, sondern das Lichterfest feiert, und es in ihren christlichen Einrichtungen aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch mehr auf dem Speiseplan gibt.

CDU-Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel vor dem Deutschen Reichstag


Die CDU-Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel im Interview: ´Die CDU muss wieder konservativer werden!´


Foto MdB Sylvia Pantel (c) Sylvia Pantel


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