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Nordirak: 30 Prozent der christlichen Flüchtlinge zurückgekehrt

16. Dezember 2017 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Irakische Ordensfrau im "Kathpress"-Interview über aktuelle Situation in der Ninive-Ebene und den nach wie vor starken Einfluss der IS-Ideologie auf viele Muslime


Wien-Erbil (kath.net/KAP) "Solange es Christen im Irak gibt, bleibt auch die Kirche." Das hat die irakische Ordensfrau Sr. Larsa Khazmee im "Kathpress"-Interview in Wien betont. Die Dominikanerin arbeitet als Ärztin in einem Spital in Erbil, der Hauptstadt der autonomen Region Kurdistan im Norden des Landes. Der Orden setzt sich u.a. für jene christlichen Flüchtlinge ein, die 2014 vor dem IS aus ihren Städten und Dörfern in der nordirakischen Ninive-Ebene fliehen mussten und nun zurück wollen. Die Dominikanerinnen arbeiten dabei auch mit dem internationalen päpstlichen Hilfswerk "Kirche in Not" zusammen, laut dem bisher rund 30 Prozent der vertriebenen christlichen Flüchtlingsfamilien wieder in ihre Heimstätten zurückgekehrt sind. Tausende würden diesen Schritt gerne noch vor Weihnachten setzen, so Sr. Larsa.

Genaue Zahlen der noch im Irak verbliebenen Christen gibt es nicht. Pessimistische Schätzungen gehen von nur mehr gut 200.000 Menschen aus, Optimisten sprechen von 350.000. Zurückgeblieben seien vor allem Christen aus den ärmeren Schichten, die sich ein Auswandern nicht leisten können, berichtete Sr. Larsa. Umso mehr Unterstützung würden sie nun benötigen, um sich in ihrer Heimat wieder eine Existenz aufzubauen.


"Kirche in Not" hat dieser Tage die Adventkampagne "Zurück zu den Wurzeln" gestartet. Insgesamt soll damit 8.000 Familien die Rückkehr in ihre Wohnorte in der Ninive-Ebene ermöglicht werden. Zudem bereitet das Hilfswerk eine große Weihnachtsaktion für die Kinder und Jugendlichen der Ninive-Familien vor, sowohl für die in die Heimat zurückgekehrten als auch für jene, die in der kurdischen autonomen Region des Irak Zuflucht gefunden haben.

In Ankawa, einer Vorstadt der kurdischen Hauptstadt Erbil, bereiten Dutzende chaldäisch-katholische Freiwillige in einem großen Magazin tausende Weihnachtspakete für Kinder und Jugendliche vor. In den Päckchen sind Windjacken zum Schutz gegen die Kälte, Schokoladen und - je nach Alter - Kinderbibel oder Katechismus enthalten. Jedes Paket kostet 20 Euro, "Kirche in Not" stellt insgesamt 300.000 Euro zur Verfügung. Die Geschenke gehen an Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Konfessionszugehörigkeit in Orten wie Karamles oder Bartella in der Ninive-Ebene, aber auch in den Flüchtlingsquartieren in Erbil.

Auch wenn der IS nun militärisch besiegt ist, lebe seine Ideologie weiter, warnte Sr. Larsa im "Kathpress"-Interview. Diese extremistische Ideologie sei auch nicht erst mit dem IS aufgekommen. In Mossul beispielsweise habe es schon seit vielen Jahren und Jahrzehnten Ausschreitungen bzw. Attentate gegen Angehöriger religiöser Minderheiten gegeben. Wie sehr ein einzelner Muslim Christen oder Angehörigen anderer Religionen gegenüber feindlich eingestellt ist, hänge oft auch mit dem Bildungsstand zusammen, so Sr. Larsa. Obwohl Christin und Ordensfrau, komme sie mit ihren muslimischen Kollegen im Spital sehr gut zurecht, so Sr. Larsa. Freilich: "Das Spital ist eine religionsfreie Zone."

Rückkehr nach Karakosch

"Kirche in Not" ist auch in Karakosch, der größten christlichen Stadt der Ninive-Ebene, tätig. Zwar gibt es derzeit keine genauen Angaben, doch dürften bereits bis zu 10.000 Christen in die einst rund 50.000 Einwohner zählende Stadt zurückgekehrt sein.

Vor kurzem fand in Karakosch eine große kirchliche Feier statt, bei der tausende Christen mit Olivenzweigen in den Händen und mit aramäischen Gesängen durch die Stadt zur syrisch-katholischen Kirche zogen, wo ein Gottesdienst gefeiert wurde. Die Veranstaltung wurde von einem massiven Sicherheitsaufgebot inklusive gepanzerter Fahrzeuge begleitet. P. Andrzej Halemba, Projektverantwortlicher von "Kirche in Not" für die Ninive-Ebene, rief die Menschen bei der Prozession dazu auf, denen zu vergeben, die sie aus ihren Häusern vertrieben und ihre Städte und Dörfer angegriffen hätten.

250 Millionen Dollar für Wiederaufbau

Schon im März 2017 wurde von den drei christlichen Hauptkirchen der Region - der syrisch-orthodoxen, syrisch-katholischen und chaldäisch-katholischen Kirche -, von Experten und von "Kirche in Not" ein sogenannter "Ninive-Wiederaufbau-Ausschuss" (Niniveh Reconstruction Committee, NRC) gegründet. Die Gesamtkosten des Wiederaufbaus - es geht u.a. um 13.000 Privathäuser in neun christlichen Dörfern bzw. Städten - belaufen sich laut Angaben des NRC auf mehr als 250 Millionen Dollar.

Weiterführender Link: www.irak-wiederaufbau.at

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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