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Der „hinterlistige Christ“ – ein neuer Typos moderner Theologie?

12. Dezember 2017 in Kommentar, 2 Lesermeinungen
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„Sie konnten zueinander nicht kommen“ hieß ein Streitgespräch zwischen dem emeritierten Dogmatiker Karl Heinz Menke und seinen Kontrahenten, dem Fundamentaltheologen Magnus Striet und dem Moraltheologen Stefan Goertz. Gastbeitrag von Helmut Müller


Köln (kath.net) „Sie konnten zueinander nicht kommen“ hieß ein Streitgespräch an der Karl Rahner Akademie in Köln am Nikolausabend zwischen dem emeritierten Bonner Dogmatiker Karl Heinz Menke und seinen beiden Kontrahenten, dem Freiburger Fundamentaltheologen Magnus Striet und dem Mainzer Moraltheologen Stefan Goertz. Karl Heinz Menke hatte vor wenigen Monaten „eine Streitschrift“ wie er sie nannte mit dem Titel „Macht Wahrheit frei oder die Freiheit wahr?“ veröffentlicht. In ihr stellte er eine zunehmende Polarisierung theologischen Denkens auf allen Ebenen fest, die sich nicht mehr bloß an den sogenannten „heißen Eisen“ kenntlich zeigt, sondern sich in der Dialektik des gewählten Buchtitels ablesen lässt .

Am Abend selbst erweckten Striet und Goertz den Eindruck auf der „Höhe der Zeit“ zu denken und eine schlimme Wirkungsgeschichte kirchlichen und theologischen Handelns und Lehrens hinter sich gelassen zu haben. Mit Kant und Fichte „aufgeklärt“, könne nun mit neuem Kurs in See gestochen werden. Es sollte unterschwellig der Eindruck entstehen – vor allem von Seiten Goertz‘ befördert - dass Menke weiterhin mit dem schwerfälligen Kirchenschiff und altem Kurs, wie gehabt, das Meer der Zeit durchpflügen wolle. Menke wehrte sich überraschender Weise nicht komplett gegen diese Unterstellung. Er betonte allerdings schon zu Anfang, dass Kant und Fichte ihm nicht fremd seien. Allerdings wies er darauf hin, dass der Kurs durch das Meer der Zeit weiterhin „synchron und diachron“ im Kommunikationsraum des römisch-katholischen Bekenntnisses bzw. Kirchenschiffs gehalten wird. Christus als inkarnierter, nicht bloß spiritueller göttlicher Logos ist Ursprung und Ziel des Kurses. Dieser sollte auf allen Ebenen kommuniziert werden.


Striet und Görtz dagegen erweckten den Eindruck das Schiff geentert zu haben. Schon der Titel ihrer herausgegebenen Buchreihe „Katholizismus im Umbruch“ scheint darauf hinzuweisen. Allein Kant mit seiner praktischen Vernunft, mit durchaus entbehrlichem Gottespostulat – Striet betonte das immer wieder – soll den Kurs angeben. Um Kant (und Fichte) nicht allein das Steuer zu überlassen – und aus deren transzendentalem Ich heraus zu kommen, hin zu einer kommunikativen Vernunft, ist noch ein kirchenferner Lotse namens Habermas an Bord genommen worden, um wirklich kompetent das Meer der Moderne zu durchpflügen. In einer Nebenbemerkung von Menke ist deutlich geworden, dass Goertz offenbar ihn und Ratzinger am liebsten in einem elfenbeinernen Turm verwahrt sehen möchte. An Bord sind vor allem Menschen, die auf ihre Freiheit und Vernunft geradezu schwören – auf nichts sonst, natürlich die Freiheit des anderen ist jedem heilig. Zugegeben die Fahrt durchs Meer der Zeit des alten Kirchenschiffs war nicht immer berauschend, aber es ist in all den Jahren nicht untergegangen. Das neue Schiff jedoch ist nicht bloß im Umbruch, sondern vielmehr noch im Aufbruch, mit vermutlich nur noch Kapitänen. Christen unter ihnen sind sicherlich erwünscht, um nicht eine „geschlossene Gesellschaft“ wie bei Sartre zu werden in der es dann heißt: „Die Hölle, das sind die anderen“. Manchmal hatte man dennoch den Eindruck Christen seien durchaus auch entbehrlich. Wäre nicht Menke auf dem Podium gewesen, wäre das Wort Christus, vielleicht gar nicht gefallen.

Ich bin den Eindruck nicht losgeworden, als wäre bei Striet und Görtz das Ereignis der Offenbarung nur eine Erhellung der menschlichen Vernunft gewesen. Wenn dann durchaus „gewöhnliche“ Ereignisse vor 2000 Jahren und danach dieser „erhellten Vernunft“ begegnen, werden sie „ungewöhnlich interpretiert“. Ein starker Kaffee kann bisweilen die gleiche Wirkung haben. Ein Schiff, auf dem alles eine Sache der Interpretation zu werden scheint, die heteromorphe Gestalt unserer Leiber nichts weiter bedeutet, von inkarnierter Vernunft und Freiheit wenig die Rede ist, drängt es sich da nicht auf, dass es sich bei besagtem Schiff um ein Geisterschiff handelt?

Nietzsche hat Kant einmal wegen seines Gottespostulates einen „hinterlistigen Christen“ genannt und ein zeitgenössischer Schweizer Philosoph die transzendentalen Ideen Kants überhaupt als Wahnideen bezeichnet. Wie ergeht es Striet an der philosophischen Fakultät in Freiburg, der er ja auch angehört mit seinem vielleicht nur noch biographischen Restchristentum – ich kann mich da durchaus täuschen – wenn er bewusst den konfessionellen Raum der Kommunikation wie Habermas verlassen hat? (Menkes Beitrag war ein einziges Plädoyer dafür, darin zu verbleiben um dann daraus argumentieren zu können). Wird Striet dort unter Philosophenkollegen vielleicht auch als „hinterlistiger Christ“ mit Wahnideen wahrgenommen? Oder wird er hoffentlich aufgefordert wie der amerikanische evangelische Theologe Stanley Hauerwas, doch einmal „to say something theological“?

Wenn der Raum der Kommunikation gänzlich von säkular akzeptierten Parametern bestimmt wird, wo bleibt dann Mt 28, 19: „Darum geht zu allen Völkern...“ Das ist alles andere als politisch korrekt. Andererseits was soll man noch sagen, wenn die beiden höchsten deutschen Repräsentanten der beiden Konfessionen in der Stadt in der Christus das Kreuz wirklich auf sich genommen hat, es bei einem Besuch ab gelegt haben? Da hat seinerzeit selbst der Kommentator der Bild-Zeitung nur noch mit dem Kopf geschüttelt. Oder „interpretiere“ ich das alles falsch?

UPDATE:

Prof. Dr. Magnus Striet bittet um eine Klarstellung, der ich gerne nachkommen möchte, zusammen mit einer Nachricht von Prof. Dr. Karl Heinz Menke an mich: Herr Menke betont noch einmal die "Grundsatzpositionen auf der einen Seite Freiheit, die sich selbst bestimmt [Striet]; auf der anderen Seite Freiheit, deren Bestimmung die Übereinstimmung mit dem Willen Gottes bzw. Gottebenbildlichkeit ist [Menke]". Herr Striet bittet darum, meinen Bericht dahin zu ergänzen, dass er an diesem Abend ausdrücklich eine Stellungnahme zu seiner Christologie abgegeben hat. Diese Stellungnahme orientiert sich in seiner Ausführung an der Freiheitsanalyse nach Kant, die er an diesem Abend vorgetragen hat.


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Lesermeinungen

 Zeitzeuge 11. Dezember 2017 
 

Das Kirchenschiff kann niemals untergehen,

das verbürgt uns zwar nicht der irdische Kapitän(Papst),
wohl aber der Eigentümer des Schiffs, der
Gott-Mensch Jesus Christus und damit der
Gott der Dreifaltigen Liebe!

Daß allerdings div., große Beiboote (Ortskirchen) mit klangvollen Namen wie "Deutschland" usw. seit Jahrzehnten auf falschem Kurs schippern und nicht absolut unsinkbar sind, ist leider ebenso Fakt, da fehlen einfach mutige, sachverständige Kapitäne (Bischöfe) und genügend
navigationskundige Offiziere (Priester, Professoren/innen), Ausn. bestätigen die Regel, diese wären dann die Lotsen der relativ kl. Rettungsbote!

Den Passagieren, die das merken,ver- bleiben zusätzl. unsinkbare Rettungsringe zur
freien Benutzung, z.B. Gottvertrauen,
würdige Meßopferfeier, Gebet und natürl. das richtige Kursbuch der unverfälschten Lehre!

Diese Rettungsmittel sind natürl. Teile des Hauptschiffs und werden nach dessen Kurskorrektur i.d. richtige Richtung gemeinsam mit diesem mit Gottes Hilfe
dem einzigen Ziel entgegensteuern!


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 Michael F. 11. Dezember 2017 
 

Danke!

"Ein Schiff, auf dem alles eine Sache der Interpretation zu werden scheint, die heteromorphe Gestalt unserer Leiber nichts weiter bedeutet, von inkarnierter Vernunft und Freiheit wenig die Rede ist, drängt es sich da nicht auf, dass es sich bei besagtem Schiff um ein Geisterschiff handelt?"
Ja, man hört so oft schöne pastorale Worte und nix dahinter bzw. dahinter der falsche Geist.
"Christus als inkarnierter, nicht bloß spiritueller göttlicher Logos ist Ursprung und Ziel des Kurses. Dieser sollte auf allen Ebenen kommuniziert werden."
Ja, kommunizieren wir immer Christus. Z.B. auch bzgl. des aktuellen Kampfs um die Ehe: sie ist nicht nur eine Beziehung zu zweit, sondern Christus ist der 3. und 1. im Bund. Das weckt eine tiefe Ehrfurcht und Demut vor diesem Sakrament.


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