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Duft, Dampf und Tinnitus

3. Dezember 2017 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Drinnen und draußen duftet, überall christkindelt es: Advent, Advent, ein Lichtlein brennt! Mit lärmendem Getöse bricht die „staade“ Zeit an. Von Prälat Wilhelm Imkamp (Maria Vesperbild)


Ziemetshausen (kath.net) Drinnen und draußen duftet, überall christkindelt es: Advent, Advent, ein Lichtlein brennt! Mit lärmendem Getöse bricht die „staade“ Zeit an. Aus dem Lichtlein ist längst eine veritable Lichtverschmutzung geworden und die süßklingenden Glocken sind nichts anderes als der Tinnitus einer glaubenslosen Gesellschaft. Leise singen die Hirten ihre Schafe in den Schlaf. Bei diesem Schlaf kann der Weltuntergang nur stören, es sei denn, er wird vom „Master of Desaster“, dem Sindelfinger Großapokalyptiker Roland Emmerich, oder auch gerne von Francis F. Coppola inszeniert, selbst der „Spiegel“ verkündete auf dem Titelcover fett gedruckt „Das Ende der Welt“, weil ein nicht genehmer Kandidat in Amerika zum Präsidenten gewählt worden ist. Diese politisch korrekten Weltuntergänge gehören zur allgemein akzeptierten Möblierung bei der „Verwohnzimmerung“ (Wolfgang Huber) des Christentums.


Leser, Prediger und sogar Schriftgelehrte haben aber allergrößte Schwierigkeiten mit dem Weltuntergang in der hl. Schrift. Sie schwanken „hin und her zwischen einem Gefühl des Horrors und einem tiefen Widerwillen“ meint ein wirklich bedeutender protestantischer Schriftausleger und bekennt ganz offen, die Gefahr zu spüren, „„unschöne“ Texte mit Hilfe bequemer exegetischer Entscheidungen leichter und handhabbarer zu machen und den geheimen Wunsch, gerade bei ihnen in der Kürze die Würze zu suchen und auf diese Weise möglichst einen Bogen um sie zu machen. Das geschieht ja im Gottesdienst und in der kirchlichen Bildungsarbeit oft genug“. Da hat der große Berner Schriftgelehrte, Ulrich Luz, konfessionsübergreifend recht: Im Wohnzimmer inhalieren wir begeistert die Weltuntergänge Emmerichs und Coppolas; in der Politik, bei amerikanischen Wahlen, beim Klimawandel ersetzt der Weltuntergang oft und gerne Argumente. In Gottesdienst, Predigt, Religionsunterricht und bei der privaten Bibellektüre wird er dagegen ebenso oft verdrängt.

Im Evangelium des heutigen ersten Adventssonntags verteilt Jesus weder Zimtsterne noch Glühwein, sondern ruft zur Wachsamkeit auf, alles ist vergänglich und die Stunde weiß niemand, deshalb ist die Adventszeit vor allem auch eine Zeit der Besinnung auf das Ende der Zeiten auf den Weltuntergang und nur wer sich auf die erste Ankunft des Herrn in der Zeit intensiv vorbereitet, wird bei der zweiten Ankunft am Ende der Zeiten gerüstet sein. Zwischen diesen beiden „Ankünften“ gilt es wachsam zu sein. Sich nicht von den Zeitgeistsedativa der Mainstream-Theologien einschläfern und/oder berauschen zu lassen. Nützen wir die Adventszeit, uns wach und hellhörig diese Frage zu stellen: Was tust du, wenn Jesus in der nächsten Stunde wiederkommt? Die richtige Antwort: „Ich suche sofort einen Beichtvater“. Dann, aber auch erst dann, sind wir in der einzig echten Adventsstimmung für duftende Zimtsterne und dampfenden Glühwein – und der Tinnitus ist auch weg!

Foto (c) kath.net/Petra Lorleberg


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