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Ein „neues Bethlehem“ für irakische Christen

30. November 2017 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Das jahrtausendealte Siedlungsgebiet der Christen gleicht einer Trümmerwüste. Das päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ leitet den Wiederaufbau und bringt christliche Vertriebene wieder in ihre Heimat zurück.


München-Wien (kath.net/KIN) Der Advent ist die Zeit der Erwartung. Über 90 000 Christen im Irak leben seit über drei Jahren im „ständigen Advent“: Sie erwarten die Rückkehr in ihre Heimatorte in der Ninive-Ebene, aus denen sie 2014 vor den Truppen des sogenannten „Islamischen Staates“ fliehen mussten. Doch das jahrtausendealte Siedlungsgebiet der Christen gleicht einer Trümmerwüste. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ leitet den Wiederaufbau und bringt christliche Vertriebene wieder in ihre Heimat zurück.

„Zurück zu den Wurzeln“ heißt die Kampagne, mit der das Hilfswerk zu Spenden für die christliche Minderheit im Irak aufruft. „Zurück zu den Wurzeln“ ist auch das Motto des Wiederaufbaukomitees, das „Kirche in Not“ zusammen mit katholischen und orthodoxen Kirchenvertretern im Irak ins Leben gerufen hat. Derzeitiger Vorsitzender des Komitees ist Dr. Andrzej Halemba, Nahost-Referent von „Kirche in Not“. Er sieht eine Parallele zur biblischen Geschichte: „Der überlieferte Geburtsort Jesu, Bethlehem, bedeutet übersetzt ,Haus des Brotes‛. Wir wollen den Christen im Irak ein neues Bethlehem ermöglichen, eine bleibende Heimat, die ihren leiblichen wie geistlichen Hunger stillt.“

Noch bleibt viel zu tun, um dieses „neue Bethlehem“ Wirklichkeit werden zu lassen. Das zeigt die Schadenserhebung, die Kirchenmitarbeiter und zahlreiche Freiwillige in neun christlichen Dörfern rund um Mossul durchgeführt haben. Dort sind rund 13 000 Gebäude beschädigt, niedergebrannt, teilweise komplett zerstört – darunter Privathäuser ebenso wie Kindergärten, Schulen, medizinische Versorgungszentren und Kirchengebäude.


Die Eigeninitiative der Christen ist groß. Schon 2000 Euro reichen, um ein Haus wieder bewohnbar zu machen. Dennoch belaufen sich die geschätzten Gesamtkosten für den Wiederaufbau auf über 250 Millionen US-Dollar. „Kirche in Not“ sucht deshalb das Projekt auf breite Schultern zu stellen – und hat dazu kürzlich Unterstützung erhalten vom „zweiten Mann im Vatikan“, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. „Ihr Marshall-Plan für die Ninive-Ebene ist ein großes Zeichen Ihrer Sorge sowie Ihrer bemerkenswerten Leistungs- und Organisationsfähigkeit.“ Parolin rief Katholiken und Zivilgesellschaft zur breiten Unterstützung des Projekts „Zurück zu den Wurzeln“ auf.

„Über 24 000 Christen können in diesem Jahr bereits Weihnachten in ihrer alten Heimat feiern“, erklärt Andrzej Halemba freudig. Ihre Zeit der Erwartung hat ein Ende gefunden. Für gut 75 Prozent der vertriebenen Christen bleibt aber die Lage weiter angespannt. Sie sind nach wie vor rund um Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan, untergebracht. „Kirche in Not“ versorgt sie auch dort.

„Zuerst halfen wir mit Wohn-Containern, damit die Vertriebenen überhaupt ein Dach über dem Kopf haben; sie kampierten ja anfangs unter freiem Himmel“, erzählt der geschäftsführende Präsident von „Kirche in Not“, Johannes Freiherr von Heereman. Auch acht Containerschulen für christliche Flüchtlingskinder hat „Kirche in Not“ gebaut. Heute leistet das Hilfswerk unter anderem Beihilfen für kleine Wohnungen, in denen mehrere Flüchtlingsfamilien untergebracht sind. Die Lebensmittelspenden gehen weiter, und das Hilfswerk unterstützt die Klinik „Sankt Josef“ in Erbil, in der tausende Flüchtlinge kostenlos versorgt werden.

Eine im März durchgeführte Umfrage unter den Binnenflüchtlingen in Erbil ergab, dass rund 41 Prozent unbedingt in ihre Dörfer zurückkehren wollen und weitere 46 Prozent eine Rückkehr in Erwägung ziehen. Die Stimmung ist also hoffnungsvoll, hat aber durch die Auseinandersetzungen zwischen Zentralregierung und Kurden nach dem Unabhängigkeitsreferendum einen Dämpfer bekommen. „Die Christen sitzen zwischen den Stühlen“, erklärten Bischöfe aus der Region. Mittlerweile aber hat sich die Lage wieder beruhigt. „Wir dürfen die christliche Minderheit nach dem Exodus nicht alleinlassen“, erklärt Heereman. Gerade jetzt sei es wichtig, den Christen das Signal zu geben, dass sie im Irak eine Zukunft haben, „sonst brauchen wir in ein paar Jahren nicht mehr von Christen im Irak zu sprechen.“

Der „ständige Advent“ für die Christen im Irak dauert an. Besonders hart ist das für die Kleinen. Sie kennen oft nichts Anderes als Flucht und Vertreibung. Um ihnen eine kleine Freude zu bereiten, werden in diesem Jahr 15 000 Kinder ein Paket mit warmen Mänteln, Süßigkeiten und Spielsachen erhalten. Ordensschwestern und freiwillige Helfer arbeiten seit Wochen daran. Damit das „neue Bethlehem“ wächst – im Großen wie im Kleinen …

Um den Wiederaufbau der Ninive-Ebene weiter vorantreiben zu können, bittet „Kirche in Not“ besonders in der Adventzeit um Spenden:

Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz

Kirche in Not - Zerstörung rund um die Kirche in Teleskef, 20 Kilometer nordöstlich von Mossul


Kirche in Not - Kind entzündet eine Kerze in einer Kirche in Ankawa/Erbil


Foto oben (c) Kirche in Not


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