24 November 2017, 12:02
Gleicht euch nicht dieser Welt an! Erneuert euer Denken!
 
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Über Vor- und Nachteile sportlicher Anstrengung, Selbstüberwindung, erneuertes Denken, Gottes Kraft und Seinen Blick, dem nichts verborgen ist - BeneDicta am Freitag - Von Linda Noe

Linz (kath.net)
NO EXCUSES- keine Ausreden“.Gegen Muskelkater, Trägheit und die Stimme im Hinterkopf kämpfen, die ungefähr ab Minute fünf konstant und zermürbend „Ich kann nicht mehr, das geht nicht, alles Mist!“ jammert.

Eine kahle Halle mit weißgetünchten Betonwänden, eine schwarze Matte am Boden, ein Jingle im Hintergrund, dessen dramatischer Rhythmus auf einem Schlachtfeld gespielt werden könnte - das ist das Setting der Videoclips, die mir die einzelnen Übungen präsentieren, die ich in diesem Zirkeltraining mit Eigengewicht also ausführen soll. Meine Motivation, ein „freier Athlet“ werden zu wollen, soll ich in der App angeben, um mich bei der Stange zu halten.

„Selbstüberwindung“ schreibe ich. Mittlerweile ist es, dank eines guten Freundes, der mir „Freeletics“ vorgestellt hat, bald zwei Jahren her, in denen ich doch halbwegs regelmäßig dabei geblieben bin. (Eine sehr praktische Sache übrigens für bewegungshungrige Mütter, die kein Fitnessstudio mit Kinderbetreuung in der Nähe haben und ungern mit Kinderwagen joggen gehen wollen. Aber über diese praktische Seite möchte ich hier eigentlich gar nicht zu viele Worte verlieren.)

Schon länger ist in unseren Breitengraden ein allgemeiner Trend zu mehr Sportlichkeit zu sehen – fit sein, das wollen mehr denn je. Nur schlank – passé. Krafttraining und ein paar Muskeln sind cool, nicht nur bei Männern. Natürlich, es herrscht immer noch der gesellschaftliche Wahn, für immer jugendlich und schön sein und bleiben zu müssen, wir alle kennen Midlifecrises, Oberflächlichkeit, Macht durch Stärke und gutes Aussehen, den Stolz.

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Aber: Selbstüberwindung und Disziplin, mentale Stärke, zurück auch zu einer gewissen Schlichtheit - das sind die wichtigsten Schlagworte aus diversen Motivations - Emails und Blogs der „freien Athleten“, die mein Interesse wecken. Allgemein scheint man doch der Grenzen - und Zügellosigkeit bereits etwas müde zu werden, denn das Schlaraffenland der Bequemlichkeit und Billigsüßigkeiten (und ich spreche hier nicht nur von Schokolade) hat nicht die Erfüllung gebracht, die man sich erhofft hatte. Wie gut es sich anfühlt, Trägheit überwunden zu haben, sich nicht immer nur von seinen momentanen Gefühlen leiten zu lassen, die vielleicht gerade „mag ich nicht!“ sagen, sich auch einmal bewusst einzuschränken. Wer Sport macht, lernt, dass der Kampf im Kopf stattfindet, bereits in den wirklich kleinen und trivialen Dingen des Lebens, wie einem Workout. Wer sich inwendig motiviert hält, es schafft, den inneren Schweinehund zum Stillschweigen zu bringen und in einen guten Rhythmus zu kommen, hat praktisch gewonnen. Und er weiß auch, dass ein mögliches Scheitern und Aufgeben inwendig beginnt, dass negative Gedanken höchstwahrscheinlich auch kommen werden, und dass es daher Strategien braucht, um damit umgehen zu können, wenn es gerade schwer wird.

„Die Gedanken sind frei“ heißt es in einem alten Volkslied, dessen Text mich seit meiner Kindheit sehr zwiespältig berührt hat. Denken kann und darf, Gott sei Dank, jeder, was er möchte, aber eines sind die Gedanken sicher nicht: ohne Folgen.

Das war mir natürlich, wie uns allen, immer irgendwie am Rande bewusst, noch mehr seit Jesus in mein Leben gekommen ist. Im Schuldbekenntnis beten wir „in Gedanken, Worten und Werken".
Jesus sagt, dass die bösen Gedanken aus dem Herzen kommen und den Menschen unrein machen (Matt 15,19 und Mark 7,21), und er weiß, was wir denken (Matt 9,4).

Gott selbst hat ebenfalls Gedanken, die ganz anders und hoch über unseren sind (Jes 55, 8-9). Seine Gedanken sind schöpferisch, und wir dürfen daran teil haben, denn auch unsere Gedanken sind wirkmächtig. Wir sind es gewöhnt wie ein Fisch das Wasser, dass sie durch unseren Kopf ziehen und es sozusagen unmöglich ist, alles Denken willentlich abzustellen. Das fällt vor allem demjenigen auf, der beten möchte und sich durch die gesuchte Stille plötzlich gewahr wird, wie automatisch die Gedanken herumwandern, das Mittagessen planen, sich in einer Sache vielleicht im Kreis bewegen und einfach nicht loslassen wollen.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass meine Gedanken einfach so mit mir losmarschieren und mir erst auf dem Weg bewusst wird, wohin es eigentlich geht. In diesem Unterwegs-Sein entstehen Gefühle, die mir manchmal gefallen und manchmal nicht, und je nach dem bin ich immer damit umgegangen. Seltsamer Weise konnte ich zwar als phantasievoller Mensch auf der einen Seite diese mir angenehmen Gedankenwege von Kindesbeinen an immer gut verstärken und mich auch willentlich hineinbegeben, was auf diese Weise auch eine Art Flucht sein konnte, um der unangenehmen Realität zu entfliehen. Auf der anderen Seite hatte ich, sehr bequem auch irgendwie, oft den subjektiven Eindruck, ein passives Opfer meiner negativen Gedanken und Gefühle zu sein, die mich manchmal überwältigen, zum Beispiel Wut oder Enttäuschung. Es kann sich ja höchst unangenehm anfühlen, aus einem solchen inneren Teufelskreis (der Hinweis steckt im Namen....) willentlich aussteigen zu versuchen, fast ein bisschen wie sterben, je mehr wir uns mit diesen Gedanken und Gefühlen identifizieren, umso mehr möglicherweise.

In Römer 12,2 heißt es: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.“ Ehrlich gesagt, ich habe lange Zeit, wann immer ich das gelesen habe, wohl so etwas Ähnliches gedacht wie: „Können vor Lachen!“. Erneuert euer Denken, das steht da so, als man das tun könnte. Aber kann man das? Habe ich das nicht oft und oft versucht, zumindest in manchen Bereichen, in denen ich mich selbst gequält fühlte von Gedanken, die ich gar nicht haben wollte? Wollte ich sie aber tatsächlich aufgeben, diese giftigen aber doch so vertrauten Gedankenwege? Womit sollte ich mich sonst beschäftigen? Ablenken? Verdrängen? Ist mein Denken nicht einfach das, was es ist? Sollte diese Änderung nicht, wenn schon, irgendwie wundersam von alleine funktionieren, weil ich doch in Christus eine neue Schöpfung geworden bin? Es führt allerdings kein Weg daran vorbei, dass Gott es uns laut diesem Wort im Römerbrief zutraut und von uns möchte, dass wir unser Denken aktiv erneuern. Eine weitere wichtige Stelle, die mich sehr angesprochen hat, ist 2 Kor 10, 4-5: „Die Waffen, die wir bei unserem Feldzug einsetzen, sind nicht irdisch, aber sie haben durch Gott die Macht, Festungen zu schleifen; mit ihnen reißen wir alle hohen Gedankengebäude nieder, die sich gegen die Erkenntnis Gottes auftürmen. Wir nehmen alles Denken gefangen, sodass es Christus gehorcht“.
Ich sehe darin eine weitere Bestätigung der aufmerksamen, aktiven, durchaus kämpferischen Tätigkeit unsererseits - aber zu Jesus bringen wir alles, willentlich, denn Er soll der Herr über unseren Gedankenzirkus sein. Wir verdrängen nicht und müssen uns nicht innerlich aus eigener Kraft mundtot schlagen, sondern wir bringen alles Ihm, der allein verwandeln und heilen kann, UND der uns vor allem statt unseren Gedanken die Seinen schenkt!

Fasziniert hat mich in diesem Zusammenhang in letzter Zeit erneut die sogenannte „Weihnachtsgnade“ der „kleinen“ Thérèse von Lisieux, die sie in ihrer Biographie beschreibt. Am besagten Weihnachtsfest 1886 ereignet sich in der vormals verwöhnten und hoch sensiblen Thérèse eine innere Wandlung und plötzliche Reife. Ein "Sturzbach von Licht" bricht in sie ein.

Sie wird und bleibt eine große und entschlossene Kämpferin auf dem „kleinen Weg“, den sie uns zeigt, aber nie lässt sie daran zweifeln, dass durch die Übung des Gehorsams allein die Gnade sie verwandelt hat, aus Seiner unergründlichen Liebe, nicht aufgrund einer eigenen Leistung.

So hatte ich in den letzten Wochen viel über diese innere Umgestaltung nachgedacht, mich neu bemüht, innerlich aufmerksam zu sein, nicht automatisch alles zu „kaufen“ bzw. für bare und gute Münze zu nehmen, was in mir vorgeht, sondern anstatt dessen Gottes Gedanken hören und mich durch sie verwandeln lassen zu wollen.
Auf einem Gebetstreffen vor zwei Tagen gibt mir der Lobpreisleiter, ein starker Beter, der missionarisch um die Welt reist, und den ich an diesem Abend zum ersten Mal treffe, plötzlich ein persönliches Wort vom Vater, das er im Gebet für mich empfangen hat, und das mich zutiefst berührt:

„Gott SIEHT die Kämpfe in deinen Gedanken. Er will dich mit seinem Wort füllen.“

Das möchte ich hiermit allen Lesern zusprechen. ER SIEHT unser Bemühen, ganz real, auch in den kleinen innerlichen von Menschen vielleicht noch unbemerkten Dingen. Und im Gegensatz zu jemand, der sich nur horizontal abmüht und dabei auf diverse Kniffs aus der Psycho- Trickkiste angewiesen ist, (auf der Turnmatte beim Workout zum Beispiel :)?), haben wir einen Gott, der uns in der Begegnung mit Ihm dafür Sein Wort, das bewirkt, wozu es ausgesandt wurde, Seine Kraft und Seinen Blick im Austausch gibt.










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