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Suchet zuerst das Reich Gottes - Hier und jetzt?

3. November 2017 in Spirituelles, 10 Lesermeinungen
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„Wenn wir die Bibelstelle lesen, dann fällt auf, dass zuerst lange davon die Rede ist, worum wir uns nicht sorgen sollten.“ Kolumne "Gedanken eines Nichttheologen". Von Stefan Fleischer


Grenchen (kath.net) „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.“ (Mt 6,33-34)

„Von der falschen und der rechten Sorge“ titelt die Einheitsübersetzung die Stelle bei Mt. 6,19-34. Vom Reich Gottes ist heute in der Verkündigung viel die Rede. Immer mehr aber frage ich mich, ob die Theologie von heute dieses Reich Gottes noch so versteht, wie es Christus verstanden hat, wenn er davon sprach. Auf alle Fälle glaube ich nicht, dass Matthäus mit unserer heutigen Interpretation einverstanden wäre.

Wenn wir den ganzen Abschnitt lesen, dann fällt auf, dass zuerst lange davon die Rede ist, worum wir uns nicht sorgen und worum wir uns effektiv bemühen sollten. Da sind zuerst einmal die Schätze dieser Welt. Nicht diese sollen wir sammeln, sondern Schätze im Himmel. Dann ist da unser Leib, die Nahrung und die Kleidung. Heute würden hier wohl auch das physische und psychische Wohlbefinden aufgeführt. Das alles vergeht wie die Lilien auf dem Feld. Um all das geht es den Heiden. Uns aber muss es zuerst um das Reich unseres himmlischen Vaters und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird uns alles andere dazugegeben.


Wenn wir nun vergleichen mit dem Inhalt so vieler Predigten, in denen zuerst einmal von Wohlstand für alle, von menschlichem Frieden und menschlicher Gerechtigkeit die Rede ist, stellt sich doch die Frage, ob man in diesem Fall, wie es immer wieder getan wird, wirklich vom Reich Gottes sprechen kann. Natürlich ist Gott der Herr der ganzen Schöpfung. Also ist auch diese Welt hier und jetzt sein Reich, zu dem wir als seine Geschöpfe Sorge zu tragen haben. Aber wenn es an dieser Stelle um jenes Reich Gottes und jene Gerechtigkeit geht, welche wir zuerst suchen sollen, dann ist doch wohl jener „Himmel“ gemeint, zu dem wir im Hier und Jetzt erst unterwegs sind.

Hier auch noch die Frage anzuschneiden, um welche Gerechtigkeit es uns gehen muss, würde zu weit führen. Auch darüber einmal nachzudenken, persönlich wie in der Theologie, könnte aber sicher nicht schaden.

kath.net-Buchtipp
Heiligkeit für Anfänger
Ein Wegbegleiter
Von Stefan Fleischer
Taschenbuch, 156 Seiten
2011 BoD
ISBN 978-3-8448-0949-7
Preis 12.40 EUR

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Foto Stefan Fleischer


Foto oben: Symbolbild


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