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Die Erfahrung des geistlichen Sommerlochs

4. Oktober 2017 in Jugend, 5 Lesermeinungen
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Die neue Jugendkolumne von kath.net - Diese Woche ein Beitrag von Alexandra Hartlieb


Salzburg (kath.net)
Im Oktober 2013 hat sich mein Leben radikal verändert. Ich habe meinen kleinen Kärntner Heimatort gegen die Stadt Salzburg eingetauscht, um Theologie zu studieren. Für mich war das nicht nur ein Ortswechsel, nicht lediglich der Übertritt von Schule zu Universität, sondern es war ein großer Umbruch meines Glaubenslebens.

Plötzlich war ich nicht mehr nur einmal in der Woche in meinem kleinen Gebetskreis am Land, der, wenn er sehr stark besucht war, 30 Leute umfasste, sondern ich war hineingenommen in einen neuen großen Bekannten- und Freundeskreis, der nahezu gänzlich aus leidenschaftlichen Christen bestand. Nicht, dass das, was ich zuvor erlebt hatte, zu wenig war: Für mich war es ein Eintretten aus der Fülle in die Überfülle. Es wurde für mich normal, mehrmals wöchentlich in die Heilige Messe zu gehen, mit Freunden Lobpreis zu machen und Rosenkranz zu beten, mit Gleichgesinnten im Glauben lange Gespräche über Gott und die Welt zu führen, uvm. Kurz gesagt: Mein geistliches Leben wurde so dicht und erfüllt wie nie zuvor, weil ich mit einem Schlag inmitten einer großen Gemeinschaft von gläubigen jungen Menschen war.


Doch was ich in dieser Anfangszeit nicht kommen sah, waren die langen Sommer, die meine Zeit in Salzburg unterbrechen würden: Ich machte erstmals die Erfahrung des geistlichen Sommerlochs. Zurück in meiner Heimat gab es über den Sommer nur wenig christliches Angebot für Menschen in meinem Alter und wie zu dieser Zeit üblich, waren viele meiner katholischen Freunde auf Urlaub. Nicht wenige Abende saß ich alleine vor meinem Herrgottswinkel und schnell wurde mir klar: Glaube braucht Gemeinschaft. Nicht, dass ich ohne Gemeinschaft unfähig war, geistliches Leben überhaupt aufrecht zu erhalten, doch mir fehlte die Ermutigung durch Andere, der Austausch über das, was mich in dieser Zeit beschäftigte, aber v.a. das gemeinsame Gebet.

Ich begann ansatzweise zu verstehen, was Tertullian mit seinen Worten „Ein Christ ist kein Christ“ meinte. Unser christlicher Glaube ist darauf ausgelegt, dass man ihn nicht alleine lebt. Gott selber ist in sich schon Gemeinschaft, er hat Mann und Frau zur Gemeinschaft erschaffen und er beruft auch uns, die wir an Christus glauben, dazu, den Glauben gemeinsam zu leben. In der Apostelgeschichte lesen wir "Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft" (Apg 2,42) und im Brief an die Hebräer "Lasst uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen. Lasst uns nicht unseren Zusammenkünften fernbleiben, wie es einigen zur Gewohnheit geworden ist, sondern ermuntert einander, und das umso mehr, als ihr seht, dass der Tag naht." (Apg 10,24f)

Das Sprichwort "Das Wort, das dir hilft, kannst du dir nicht selber sagen" bewahrheitet sich. Wir sind darauf angewiesen, dass ein Gegenüber uns ermahnt und ermutigt, wir haben es nötig, aufeinander zu achten, miteinander zu reden, aber auch im Gebet gemeinsam vor Gott zu treten. Jesus selbst unterstreicht den großen Wert von Gemeinschaft im Glauben, wenn er sagt: "Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." (Mt 18,20) In der Gemeinschaft ist Gott besonders präsent, dort wird er erfahrbar.

Mittlerweile neigt sich der vierte Sommer seit dem Beginn meines Studiums dem Ende zu. Wieder war er karger als die Zeit während des Studienjahres, doch habe ich mittlerweile ein Gleichgewicht gefunden, gelernt, wie viel Gemeinschaft ich brauche, um mein Glaubensleben lebendig zu halten. Es muss nicht immer etwas Spektakuläres sein, auch "Kleinigkeiten" helfen, wenn ein geistliches Sommerloch droht, wie den Rosenkranz mit jemandem via Telefon zu beten, sich sonntags mit Freunden zur Heiligen Messe zu verabreden, sich hin und wieder ganz bewusst Zeit zu nehmen, um bei einer Tasse Kaffee über seine Glaubenserfahrungen zu reden. So kann der Sommer eine Chance werden: Man lernt, in das Alleinsein vor Gott einzutauchen und die Stille zu schätzen und sieht gleichzeitig ganz neu den Wert der Gemeinschaft im Glauben.


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