Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vom Elend der Fürbitten
  2. Der deutsch-synodale Irrweg in Zahlen: Nur 25 Priesterweihen in ganz Deutschland im Jahr 2025!
  3. Vatikanische Theophantasien zur Frauenfrage
  4. Der entschärfte Gott
  5. Pater Dietrich von Stockhausen überreicht Papst Leo XIV. Hesemanns aktuelle Studie über Heroldsbach
  6. EuGH-Urteil: Deutscher Kirchenaustritt kein automatischer Kündigungsgrund
  7. Papst Leo auf Versöhnungskurs
  8. „Die meisten Seelen dort sind die, welche nicht an die Existenz der Hölle geglaubt haben“
  9. "Die Zahl der Seminaristen ist im Bistum Chur leider sehr klein geworden"
  10. Theologe Thomas Söding: „Es braucht eine katholische Internationale!“
  11. Realitätsverlust im Bistum Chur
  12. Muslime wählen SPD und Linke, Christen wählten CDU
  13. Botschaft von Papst Leo zum 10. Jahrestag des nachsynodalen Apostolischen Schreibens Amoris Laetitia
  14. Krautwaschl zu Grünwidl: Bin nicht gezwungen worden!
  15. Bischof Elbs ermutigt zur Beichte: "Herz ordnen und sich auf Ostern vorbereiten"

Vatikan weist Beteiligung an mutmaßlicher Entführung zurück

19. September 2017 in Weltkirche, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Vom Enthüllungsjournalisten Fittipaldi veröffentlichtes Schreiben soll belegen, dass hinter Entführung der 15-jährigen Emanuela Orlandi vor 25 Jahren Vatikan steckte - Vatikan dementiert Echtheit - Von Kathpress-Korrespondent Burkhard Jürgens


Rom (kath.net/KAP) Der Vatikan hat Behauptungen zurückgewiesen, an dem Verschwinden der damals 15-jährigen Emanuela Orlandi im Jahr 1983 beteiligt gewesen zu sein. Anlass ist die Veröffentlichung eines Dokuments, das angeblich vom damaligen Chef der vatikanischen Güterverwaltung Kardinal Lorenzo Antonetti stammen soll und demzufolge der Vatikan eine geheime Unterbringung Orlandis im Ausland organisiert haben soll.

Dazu erklärte das päpstliche Presseamt am Montagabend, das vatikanische Staatssekretariat dementiere nachdrücklich die Echtheit des Dokuments. Die darin enthaltenen Informationen seien "durchweg falsch und ohne jede Grundlage". Weiter hieß es, die Publikation verletze die Ehre des Heiligen Stuhls und rühre vor allem den "ungeheuren Schmerz der Familie Orlandi" wieder auf.

Der Fall Orlandi gehört zu den spektakulärsten Kriminalfällen Italiens. Am 22. Juni 1983 kehrte die Jugendliche, Tochter eines Vatikanangestellten, nicht nach Hause zurück; bald meldeten sich angebliche Entführer, die eine Freilassung des türkischen Papstattentäters Ali Agca forderten. Später hieß es, das Mädchen sei von der Magliana-Bande entführt, kurze Zeit später getötet und im Küstenstädtchen Torvaianica einbetoniert worden.

Bis heute sind viele Fragen offen. Die italienische Justiz nahm im Mai 2012 nochmals Ermittlungen auf, nachdem in der Hauskirche der römischen Opus-Dei-Universität im Grab des Chefs der Magliana-Bande, Enrico De Pedis, fremde Knochen gefunden wurden. Vermutungen, es handele sich um Überreste Orlandis, erwiesen sich als falsch.


2015 schloss die Staatsanwaltschaft die Akten. Nicht jedoch die Familie Orlandi. Sie unterhält eine Facebookseite, auf der sie volle Wahrheit fordert. "Die Mauer bricht ein", postete Emanuelas Bruder Pietro am Montag.

Kostenaufstellung wirft Fragen auf

Zwei Zeitungen, "La Repubblica" und der "Corriere della Sera", brachten an diesem Tag eine Vorabveröffentlichung von Emiliano Fittipaldi. Der Journalist und Autor zeichnete schon mehrfach ein skandalträchtiges Bild von Filz und Korruption im Vatikan. Was er jetzt von einem Informanten erhalten haben will, ist eine Kostenaufstellung des Vatikanstaates "über Aktivitäten betreffend die Bürgerin Emanuela Orlandi". Es soll sich dabei um einen angeblichen Rechnungsabschluss der vatikanischen Finanzverwaltung aus dem Jahr 1998 handeln.

Aufgelistet werden angebliche Auslagen für die Entführung und Unterbringung Orlandis in der Chapman Road 176 in London, für diverse investigative Maßnahmen, Medienkontakte und das Legen einer falschen Fährte. Eine Gynäkologin stellte eine Rechnung, auch Reisekosten des Leibarztes von Johannes Paul II., Renato Buzzonetti, und des damaligen vatikanischen Polizeichefs Camillo Cibin erscheinen in der Bilanz. Alles in allem 483 Millionen Lire, in heutiger Währung 250.000 Euro.

Das Beunruhigendste: Der letzte Posten datiert auf Juli 1997 mit dem Stichwort "Verlegung in den Vatikanstaat". Demnach wäre die dann 29-Jährige dorthin zurückgekehrt, wo ihr Vater Ercole als einfacher Bediensteter der Präfektur des Päpstlichen Hauses arbeitete. Orlandi, eine Geisel des Vatikan?

Abenteuerlich ist auch die Geschichte des Dokuments. In der Nacht zum 30. März 2014 wurde in die Präfektur für wirtschaftliche Angelegenheiten eingebrochen; etwas Geld verschwand, vor allem aber Akten aus einem von zwölf Sicherheitsschränken im vierten Stock. So gibt es Fittipaldi Monsignore Alfredo Abbondi wieder, Bürochef in der Revisionsabteilung. Ende April kam ein Teil der Akten zurück, in einem anonymen Umschlag. Darunter, so Fittipaldi, auch die mysteriöse Liste.

Sekretär der Wirtschaftspräfektur war damals der spanische Priester Lucio Vallejo Balda. Papst Franziskus hatte ihn kurz zuvor in eine Kommission berufen, die die Wirtschafts- und Finanzstruktur des Vatikan unter die Lupe nehmen sollte. Ein Mann mit Zugang zu vielen Informationen. Wenig später wurde Vallejo die Schlüsselfigur in einem Skandal um Korruptionsvorwürfe. Ein Vatikangericht verurteilte ihn im Juli 2016 für die Weitergabe vertraulicher Akten - unter anderem an Fittipaldi.

Dokument mit Ungereimtheiten

Manches ist merkwürdig an der jetzt veröffentlichten, an Kardinal Giovanni Battista Re adressierten Liste. Es fängt an mit der Anrede "Sua Riverita Eccellenza", die stilistisch eher ins 18. Jahrhundert gehört. Als Absender ist Kardinal Lorenzo Antonetti angegeben; und Vatikanjournalist Andrea Tornielli fragte umgehend, wie ein altgedienter Kirchendiplomat sprachlich so danebengreifen könnte.

Auch wäre es etwas unbedarft vom Vatikan gewesen, 1998, als die italienische Staatsanwaltschaft noch im Fall Orlandi ermittelte, etliche Buchhaltungsmitarbeiter die Entführungsquittungen sortieren und abheften zu lassen. Vollends kühn scheint es, dass die Kosten für eine Geheimoperation kriminellen Inhalts über die offizielle Rechnungsstelle des Heiligen Stuhls abgewickelt worden sein sollen.

Wenn Fittipaldis Andeutungen wahr wären, so schreibt Tornielli in seinem Blog, dann müsste der Vatikan nicht reformiert, sondern einfach dichtgemacht werden. Kardinal Giovanni Battista Re, zur fraglichen Zeit hoher Funktionär im Staatssekretariat, erklärte im italienischen Fernsehen, er habe das Dokument nie gesehen. Vatikansprecher Greg Burke nannte es schlicht "lächerlich".

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten
Archivbild: Plakat mit Vermisstenanzeige


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Vatikan

  1. Immobilienprozess im Vatikan muss teils neu aufgerollt werden
  2. Nach Randalen und Pinkelattacken: Petersdom installiert Schutz für Hauptaltar
  3. US-Botschafter am Heiligen Stuhl, Burch: „Die moralische Autorität der Kirche ist unübertroffen“
  4. Norwegischer Bischof Varden: Der hl. Bernhard von Clairvaux „war und ist faszinierend“
  5. Vatikan dementiert Bericht über Abweisung Macrons durch den Papst
  6. Neuerlich ein Vandalenakt im Petersdom
  7. Vatikan prüft Teilnahme an Trumps Friedens-Rat für Gaza
  8. Kurienerzbischof Gallagher: Leihmutterschaft ist eine „neue Form des Kolonialismus“
  9. „Synoden sind gute, nützliche Instrumente zur Entwicklung praktischer pastoraler Strategien, aber…“
  10. Vatikan hebt Pfarraufhebungen in US-Diözese Buffalo auf






Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net ISLAND REISE im JULI 2026 - ANMELDE-DEADLINE - 25. MÄRZ!!!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Krautwaschl zu Grünwidl: Bin nicht gezwungen worden!
  4. Realitätsverlust im Bistum Chur
  5. „Die meisten Seelen dort sind die, welche nicht an die Existenz der Hölle geglaubt haben“
  6. Heimisch sein im Vatikan - Papst Leo XIV. wohnt wieder in der klassischen Papstwohnung
  7. Vom Elend der Fürbitten
  8. Eine große BITTE an Ihre Großzügigkeit! - FASTENSPENDE für kath.net!
  9. Einladung zur Novene zum Hl. Josef
  10. Der deutsch-synodale Irrweg in Zahlen: Nur 25 Priesterweihen in ganz Deutschland im Jahr 2025!
  11. Vatikanische Theophantasien zur Frauenfrage
  12. Papst Leo auf Versöhnungskurs
  13. Papst bezieht diesen Samstag seine Wohnung im Apostolischen Palast
  14. Der entschärfte Gott
  15. "Die Zahl der Seminaristen ist im Bistum Chur leider sehr klein geworden"

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz