15 September 2017, 09:30
AfD-Schmähtext zu Merkel verhunzt das 'Vater unser'
 
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Mit einem „Merkel unsre“ stieß die AfD Baden-Württemberg Christen vor den Kopf – Der unbekannte Verfasser geht wohl seit Jahrzehnten nicht mehr zur Kirche, denn er nutzt eine sprachlich völlig veraltete Form. kath.net-Kommentar von Petra Lorleberg

Stuttgart (kath.net/pl) Mit einem sogenannten „Merkel unsre“ stieß die AfD Baden-Württemberg die praktizierenden Christen vor den Kopf. Der dem „Vater unser“ nachempfundene Text wurde von Michael Klonovsky (Pressesprecher der AFD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg und früherer Berater der AfD-Frau Frauke Petry) auf seinem persönlichen Facebookauftritt veröffentlicht. Für den Text zeichnet gemäß Bildunterschrift die AfD-Fraktion von Baden-Württemberg verantwortlich. Der bereits im Juli öffentlich gestellte Text wird jetzt in der Schlussphase des Bundestagswahlkampfes wieder von manchen AfD-nahen Facebook-Nutzern übernommen. Verschiedene Christen unterschiedlicher politischer und konfessioneller Einstellungen äußerten in den sozialen Netzwerken allerdings auch, dass der Text ihre religiösen Gefühle deutlich verletze.

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Der Text ist eine völlig undifferenzierte Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die – sprachlich durchaus geschmeidigen – Formulierungen kritisieren u.a. die Länge ihrer Amtszeit und ihre Entscheidungen in der Flüchtlingsfrage. Dabei werden auch sachliche Fehler in Kauf genommen: Die erwähnten Sperrungen bei Facebook gehen nämlich keineswegs auf die Bundeskanzlerin zurück, sondern auf eine Initiative des der SPD zugehörigen Justizministers Heiko Maas.

Ein Blick auf die zugrundegelegte sprachliche Form zeigt, dass diese Verballhornung des „Vater unsers“ auf eine ältere protestantische Übersetzung zurückgeht. Die Umformung „Merkel unsre, die du klebst im Amte, Geheiliget werde dein Hochdeutsch“ basiert auf der Formulierung „Vater unser, der du bist im Himmel, geheiliget werde dein Name“, diese wurde aber nicht von Katholiken gebetet. Ebenso kann auch die frühere altkatholische Variante durch die Form des nächsten Verses ausgeschlossen werden. Katholiken nutzten damals außerdem im privaten Gebet keine Schlussdoxologie („denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit…“), die ja bis heute auch in der Messfeier durch den Embolismus abgesetzt wird und auch im Brevier- und Rosenkranzgebet nicht vorgesehen ist. Erst seit 1971 können die katholischen, evangelischen und die altkatholischen Christen im deutschsprachigen Raum auf eine gemeinsame einheitliche Form des „Vater unser“ zugreifen.

Dem unbekannten Verfasser dieses AfD-Schmähtextes ist zu raten, seine offenbar sehr eingerosteten und rudimentären Kenntnisse des protestantisch-christlichen Glaubens mal wieder deutlich aufzufrischen. Beispielsweise durch den – offenbar seit Jahrzehnten vernachlässigten! – Besuch des Sonntagsgottesdienstes, aber auch durch Lektüre der neutestamentlichen Aussagen zur Nächstenliebe. Möglicherweise wird er dann im Zuge einer tieferen Auseinandersetzung mit der Botschaft Jesu auch seine politischen Meinungen differenzieren müssen.

Falls der unbekannte Verfasser aber nicht zur Beendigung seines Gottesdienst- und Bibelfastens bereit ist, kann er jedenfalls zur Kenntnis nehmen, dass uns Christen das „Vater unser“ durchaus sehr wertvoll ist, da es uns gemäß Aussage der Bibel von Jesus Christus selbst gelehrt wurde. Deshalb wird in evangelischen Kirchen vielerorts während des „Vater unser“-Gebetes sogar feierlich eine Kirchenglocke geläutet. Eine Weiternutzung eines christlichen Herzentextes als Schmähtext schlägt auf die Verantwortlichen zurück.

Zur politischen Auseinandersetzung, also zur differenzierten und konstruktiven Pro- und Kontra-Debatte über drängende gesellschaftliche Fragen, taugt ein solcher Hetztext übrigens in keiner Weise.

Zur Dokumentation - AfD-Schmähtext zu Merkel verhunzt das ´Vater unser´


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