17 September 2017, 10:00
Andreas Kim Taegon und Gefährten
 
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Das Blut der Märtyrer ist Saat der Christenheit. Heiliger Andreas Kim Taegon, heilige koreanische Märtyrer, bittet für uns, bittet vor allem für die Kirche in Nordkorea - Von Claudia Sperlich

Linz (kath.net)
Jesuiten hatten im 17. Jh. christliche Schriften nach China gebracht. In den 1770ern gelangen diese Schriften in die Hände koreanischer konfuzianisch gebildeter Gelehrter, die sich davon überzeugen lassen. Sie propagieren den Glauben unter ihren Kollegen, lassen sich aber noch nicht taufen. 1783 wird der als Diplomat in China tätige Lee Seung Hun als erster Koreaner getauft und nimmt den Namen Petrus an. Im Folgejahr kehrt er nach Korea zurück – das gilt als Geburtsstunde der Koreanischen Kirche.

Die Christen schenken ihren Sklaven die Freiheit, sie sehen ihre Frauen nicht als Menschen zweiter Klasse an, sie praktizieren Gütergemeinschaft – das ist für die streng hierarchische, leistungsorientierte konfuzianische Gesellschaft ein Unding. Als Anlass für die Christenverfolgung wird aber genommen, dass sie den Ahnenkult verwerfen.

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1786 wird Kim Beom-us zum ersten koreanischen Märtyrer. Die Verfolgung wird in mehreren Wellen bis zum Ende des 19. Jhs. stattfinden. 1794 kommt endlich ein Priester nach Korea, der Chinese Pater Jakob Chou Moon-Mo. Aber schon 1801 stirbt er als Märtyrer; er stellt sich den Behörden, da er die Verfolgung mit seiner Anwesenheit in Zusammenhang bringt.
Die Familie Kim – ich meine nicht die nordkoreanische Herrscherdynastie! – gehört dem Hochadel an. Kim Chinhu konvertiert zum Christentum und nimmt in der Taufe den Namen Pius an. Er stirbt 1814 im Gefängnis als Märtyrer. Die Familie verarmt.

Sein Enkel Ignatius Kim Chejun ist ein frommer Katholik und verdient sein Brot als Bauer. 1821 wird sein Sohn Kim Taegon geboren. 1836 beschließt der Fünfzehnjährige, Priester zu werden. Er empfängt die Taufe, nimmt den Namen Andreas an und wird zur Ausbildung bei Pierre Maubant in das chinesische Macao (damals portugiesische Kolonie) geschickt. Daß seine Eltern ihm das ermöglicht haben, macht sie zu „Staatsfeinden“. Ignatius Kim Chejun wird von einem seiner Schwiegersöhne denunziert und kommt ins Gefängnis. Dort wird er immer wieder gefoltert. Er verleugnet seinen Glauben in der Hoffnung, dem Horror der Gefangenschaft und Folter endlich zu entkommen – aber er bleibt gefangen mit dem Argument, das „Verbrechen“, seinen Sohn ins Priesterseminar gegeben zu haben, bestünde immer noch.

Gestärkt durch andere gefangene Christen, bekennt er sich nun offen zu Christus und wird 1839 nach weiteren Folterungen enthauptet. Mit ihm erleidet auch Pierre Maubant das Martyrium.

Andreas Kim Taegon ist nicht nur sehr fromm, sondern auch sehr gescheit und gebildet. 1842, gegen Ende des Ersten Opiumkrieges, fungiert er als Dolmetscher. Er versucht im gleichen Jahr nach Kriegsende vergeblich, nach Korea zurückzukehren und französische Missionare in das Land einzuschleusen.

Im Dezember 1844 wird er in der Mongolei zum Diakon geweiht. Anfang 1845 gelangt er mit dem Boot nach Seoul und missioniert in seiner Heimat. Im gleichen Jahr fährt er als Kapitän eines Fischerbootes nach Shanghai, wo er zum ersten koreanischen Priester ordiniert wird. Gemeinsam mit dem Apostolischen Vikar Msgr. Jean Joseph Ferréol und dessen Mitarbeiter Pater Antoine Daveluy gelangt er im Oktober wieder nach Korea. Msgr. Ferréol beauftragt ihn, über chinesische Fischer Briefe ins Ausland zu schmuggeln. Dies gelingt im Sommer 1846.

Andreas Kim Taegon wirkt nun als Priester in der koreanischen Untergrundkirche. Eine unglaublich tapfere Kirche ist das, denn es weiß ja jeder, dass er in ständiger Lebensgefahr ist! Beim Versuch, im September 1846 weitere Missionare ins Land zu bringen, wird Andreas Kim Taegon gefangen. Er bleibt trotz langer Folter standhaft und wird am 16. September enthauptet. Seine letzten Worte sind:

„Ich habe mich mit Ausländern ausgetauscht, das geschah für meine Religion und meinen Gott. Für Ihn sterbe ich. Mein ewiges Leben steht kurz vor seinem Beginn. Werdet Christen, wenn ihr nach dem Tod glücklich sein wollt, denn Gott hält ewige Strafe bereit für jene, die sich geweigert haben, Ihn kennenzulernen.“

Mit ihm erleiden noch 102 Christen, Geistliche und Laien, das Martyrium. Der Gedenktag des Heiligen Andreas Kim Taegon und seiner Gefährten ist der 20. September. Pater Antoine Daveluy stirbt am Karfreitag des Jahres 1866 den Märtyrertod.
Insgesamt werden von den Anfängen des Christentums in Korea bis um 1900 mehrere tausend Christen zu Märtyrern. Gegen Ende des 19. Jhs. ebbt die Verfolgung ab, dann wird das Christentum legalisiert.
Nach der Teilung Koreas 1948 steigt die Zahl der Katholiken in Südkorea ständig. In Nordkorea wird die Kirche aufs Härteste bedrückt. Die Zahl der Märtyrer kann man hier nicht einmal schätzen. Ein besonderes Problem ist, dass Nordkorea Männer darin ausbildet, Priester darzustellen – auf diese Weise kann vor Touristen so getan werden, als sei die Religionsfreiheit garantiert, indem angebliche Messen – in Wahrheit Propagandashows – abgehalten werden. Ob es derzeit in Nordkorea überhaupt noch Priester gibt, weiß man nicht genau.

Das Blut der Märtyrer ist Saat der Christenheit. Heiliger Andreas Kim Taegon, heilige koreanische Märtyrer, bittet für uns, bittet vor allem für die Kirche in Nordkorea. Und bittet auch für die Herrscherclique um Erkenntnis, Reue und Umkehr.







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