29 August 2017, 10:00
Stift Zwettl: Johannes Maria Szypulski zum Abt geweiht
 
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60-jähriger gebürtiger Pole wird 39. Abt von Stift Zwettl - Weihbischof Turnovszky in Festpredigt: Orden haben in einer Gesellschaft der Vaterlosigkeit, der zerbrochenen Familien und des unfreiwilligen Singledaseins eine wichtige Funktion

St. Pölten (kath.net/KAP) Stift Zwettl hat nun auch offiziell einen neuen Abt: Johannes Maria Szypulski (60) wurde am Sonntag von Diözesanbischof Klaus Küng zum 39. Abt des Zisterzienserklosters geweiht (Foto). Viele Festgäste aus den umliegenden Stiftspfarren, aus den Ordensgemeinschaften und aus Politik und Kirche - darunter der apostolische Nuntius - kamen zur Feier, deren Festpredigt der Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky hielt. Der aus Polen gebürtige Szypulski war vom Konvent am 29. Mai zum Abt gewählt worden.

Bischof Klaus Küng bezeichnete die Abtweihe als "Grund zur Freude"; Szypulski habe schon zuvor als Administrator großen Einsatz gezeigt. Küng dankte den Stiften und Klöstern für ihr wichtiges seelsorgliches Wirken. Das Zisterzienserstift Zwettl habe für das Waldviertel und für die ganze Diözese große Bedeutung, so der St. Pöltner Oberhirte. Es brauche die Wirksamkeit der Stifte, umgekehrt bitte auch er um das Gebet für das Stift und seine Ordensleute. Wenn diese gütige Vorbilder seien, seien sie auch anziehend für junge Menschen und Berufungen.

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Der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, feierte am Sonntag zugleich seinen 74. Geburtstag und bekam dafür Glückwünsche. gratuliert. Der Jubilar dankte Altabt Wolfgang Wiedermann und überreichte ihm eine hohe päpstliche Auszeichnung für dessen 20-jähriges Wirken, das 2016 endete. Das "Klösterreich" hierzulande gebe den Glauben weiter, die Stifte seien also ein wesentlicher Grund, warum die Kirche in Niederösterreich noch sehr aktiv sei, sagte Zurbriggen.

Am Festakt nahmen neben Erzbischof Nuntius Zurbriggen, den Bischöfen Klaus Küng, Anton Leichtfried und Stephan Turnovszky zahlreiche Äbtissinnen und Äbte teil. Auch viele Priester und Ordensleute, Zisterzienser-Abtpräses Maximilian Hein sowie Freunde des neuen Abtes aus Polen und Österreich waren zugegen, sowie als Vertreter der Landesregierung u.a. Landesrat Ludwig Schleritzko. Die musikalische Gestaltung der Feier, die von einer Agape abgerundet wurde, übernahm Stiftskapellmeister Marco Paolacci.

Turnovszky: Orden erinnern an Gott

Weihbischof Stephan Turnovszky sprach in seiner Predigt über falsche Auffassungen über den christlichen Glauben. Bei diesem gehe es zuallererst nicht um Befolgung von Geboten, noch handle es sich dabei um eine Sache für Angepasste und Ängstliche: Eine derartiges Kirchenbild, das zurecht von vielen abgelehnt werde, sei ein "weit verbreitetes populäres Missverständnis" und bloß eine "Karikatur und Zerrform" des Glaubens. In Wahrheit stehe in dessen Zentrum vielmehr die von Jesus vorgelebte "liebevolle Beziehung", die den Menschen lebendig mache und reifen lasse. Turnovszky: "Es geht im Glauben nicht um brav/schlimm und gut/böse, sondern um die Umwandlung des Menschen aus Hingabe und Liebe!"

Hier brachte der Turnovszky die Ordensgemeinschaften ins Spiel: In Klöstern werde erfahrbar, "dass sich Leben in Beziehung - zu Gott und unter Menschen - entfaltet, auch abseits von Klischees und Idealvorstellungen der einzigen vollkommenen Liebe zwischen Mann und Frau, die aus verschiedensten Gründen so vielen verwehrt bleibt", sagte der Wiener Weihbischof. "In einer Gesellschaft, in der viele Menschen ihren leiblichen Vater vermissen, weil Familien zerbrochen sind, erinnert ihr die Menschen an den Vater im Himmel, der für alle da ist, auch und gerade für die 'Vaterlosen' dieser Welt", so Turnovszky zu den anwesenden Ordensleuten.

Abt zu sein sei "in erster Linie eine geistliche Aufgabe" und bedeute, nicht primär Verwalter und Organisator, sondern sich zu den Mitbrüdern analog zu einem guten Familienvater zu verhalten, sagte der Weihbischof. Ein Abt müsse zudem dafür sorgen, dass im Kloster das geistliche Leben nicht vor lauter Betriebsamkeit versickere.

Priesterweihe in Polen verwehrt

Mit Szypulski ist Turnovszky seit seiner Seelsorgezeit im Weinviertel bekannt, legte er dar. Er bezeichnete den neuen Zwettler Abt als "als kommunikativen, engagierten, beliebten, wirklich inkulturierten, zugleich frommen und kirchenverbundenen Seelsorger". Dass er seine Funktion als Abt der Muttergottes geweiht habe, sei aus der Biographie nachvollziehbar, habe ihn doch seine Mutter nach einer schweren Geburt aus Dank der Muttergottes geweiht. In Polen sei ihm die Priesterweihe aus gesundheitlichen Gründen verwehrt worden, darum sei er einst ins Stift Zwettl eingeladen worden und habe seitdem hier viele wertvolle Dienste geleistet.

P. Johannes Maria Szypulski wurde 1956 im polnischen Mlawa geboren. Nach seinem Studium am Priesterseminar in Plock (Polen) und seinem Eintritt in die Zisterzienserabtei Zwettl 1982 empfing er im Juni 1985 die Priesterweihe aus den Händen des damaligen Diözesanbischofs Franz Zak. Zuerst im Kloster als Präfekt der Sängerknaben sowie als Verantwortlicher für die Novizen tätig, folgte ab 1992 die Arbeit als Seelsorger in den Pfarren Großinzersdorf und Loidesthal.

Seit dem vergangenen Jahr wirkte der nunmehrige Abt als Prior des Klosters, das nach dem zeitgleichen Rücktritt von Abt Wolfgang Wiedermann interimistisch von P. Albert Filzmoser als Administrator geleitet worden war. Szypulski hatte nach seiner Wahl angekündigt, er werde sich nach den Jahren umfangreicher baulicher Tätigkeit in Stift Zwettl den Fokus verstärkt auf die Gemeinschaft legen. Sein Wahlspruch lautet: "Meine Kraft ist Maria".

Eines der ältesten Zisterzienserklöster

Stift Zwettl als das weltweit drittälteste durchgehend bestehende Zisterzienser-Kloster datiert auf das 1138 zurück, als der Kuenringer Hadmar I. durch eine Stiftung Mönchen aus Stift Heiligenkreuz die Errichtung eines ersten Klostergebäudes am Kamp ermöglichte. Die wirtschaftliche Basis des Stiftes im Waldviertel bildete die Kultivierung des Landes. 1159 konnte die erste romanische Klosterkirche geweiht werden, die im 14. Jahrhundert durch einen gotischen Kirchenbau ersetzt wurde.

Kriege und die Reformation bescherten dem Kloster im 15. und 16. Jahrhundert schwierige Zeiten. Im Barock setzte dann aber eine Periode der religiösen und wirtschaftlichen Erneuerung ein; u.a. wurden die Stiftsgebäude vollkommen umgestaltet und die Kirche fertiggestellt und im Innern kostbar ausgestattet. Mit dem Kirchturm erhielt das Stift sein unverkennbares Wahrzeichen. Joseph Munggenast und Paul Troger gestalten den barocken Bibliothekssaal.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte im Rahmen der Josephinischen Kirchenreform eine weitgehende Veränderung des klösterlichen Leben, die Mönche wandten sich vermehrt der Seelsorge in den anvertrauten 15 Pfarren zu. Im 20. Jahrhundert überstand das Stift die beiden Weltkriege und die NS-Zeit weitgehend unbeschadet. Mit der Gründung des Bildungshauses in den 1920er-Jahren und der "Höheren Lehranstalt für Umwelt und Wirtschaft Yspertal" entstanden neue Arbeitsfelder in der Seelsorge.

Derzeit sind 18 Mönche im Stift Zwettl tätig. Sie leisten seelsorgliche Dienste in 17 Pfarren in der Umgebung. Unternehmerisch aktiv ist das Stift mit Betrieben in der Forst- und Teichwirtschaft. Letztere ist vor allem für die Zucht der Waldviertler Karpfen bekannt. Zum 875-Jahr-Jubiläum im Jahr 2014 war eine umfassende Klosterrenovierung abgeschlossen worden. (Infos: www.stift-zwettl.at)

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Foto (C) DSP Wolfgang Zarl







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