25 August 2017, 08:00
Ungarn: Staat schenkt Orthodoxer Kirche großen Gebäudekomplex
 
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Feierliche Schlüsselübergabe durch stellvertretenden Premierminister Semjen an Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. - Gebäude in Budapest dient künftig als offizieller Sitz des griechisch-orthodoxen Exarchats von Ungarn - Metropolit Arsenios: "

Budapest-Wien (kath.net/KAP) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat vom 18. bis 21. August Ungarn einen offiziellen Besuch abgestattet. Höhepunkt war die Übergabe eines Gebäudekomplexes in Budapest durch die ungarische Regierung. Das Gebäude soll künftig als offizieller Sitz des griechisch-orthodoxen Exarchats von Ungarn dienen und u.a. eine griechische Schule, ein Museum für byzantinische Sakralkunst sowie ein Konferenzzentrum beherbergen. Begleitet wurde der Ökumenische Patriarch in Ungarn u.a. vom Wiener griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenios (Kardamaikis). Dieser ist nicht nur "Metropolit von Austria" sondern leitet zugleich auch das Exarchat von Ungarn.

Die Übergabe des Gebäudes an das Exarchat von Ungarn durch die ungarische Regierung sei ein "historisches Ereignis, welches die jahrhundertealten Beziehungen zwischen dem ungarischen Staat und dem Ökumenischen Patriarchat erneuert und vertieft", so Metropolit Arsenios am Mittwoch gegenüber "Kathpress". Dieses gemeinsame Projekt werde zu einem "Zentrum der Begegnung und des Dialogs werden und viele gute Früchte bringen, welche eine segensreiche Wirkung für alle Menschen in Ungarn haben werden", zeigte sich der Metropolit bzw. Exarch von Ungarn überzeugt. Das Gebäude solle nicht nur offizieller Sitz des Exarchats von Ungarn sein, sondern auch als liturgisches, pastorales, karitatives und kulturelles Zentrum dienen.

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Im Rahmen einer Feierstunde am vergangenen Sonntag überreichte der stellvertretende ungarische Ministerpräsident Zsolt Semjen dem ökumenischen Patriarchen symbolisch die Schlüssel zum Gebäude. Dabei ging er in seinen Grußworten u.a. auch auf den 2011 verstorbenen Metropoliten von Austria, Michael Staikos, ein, der sich um das Wiedererstarken des Patriarchates von Konstantinopel in Ungarn große Verdienste erworben hatte.

In seiner Rede erinnerte der stellvertretende Premierminister auch an die jahrhundertealten guten Beziehungen zwischen dem ungarischen Staat und Konstantinopel. Der neue Sitz des Exarchats solle zu einem Ort werden, der einen wichtigen Beitrag zur ungarischen Gesellschaft leiste, zeigte sich der Politiker hoffnungsvoll.

Das Gebäude eröffne ein neues Kapitel in der Geschichte und in den Aktivitäten des Exarchats von Ungarn, so Patriarch Bartholomaios in seinen Dankesworten. Er sprach von einem "Zentrum der Begegnung, des Dialogs, der Kultur und Bildung und der missionarischen Arbeit". Das neue Zentrum stehe im Zeichen der "Freundschaft und des gegenseitigen Respekts".

Der Patriarch unterstrich, dass das neue Zentrum nicht nur als Verwaltungsgebäude dienen werde, sondern vor allem auch als liturgisches Zentrum. Es verleihe dem Exarchat "neuen Schwung und ein kräftigeres Sprachrohr - solange die Besetzung der griechischen Kirche der Entschlafung der Mutter Gottes in Budapest durch unsere russisch-orthodoxen Brüdern anhält".

Orthodoxer Kirchenstreit

Der Patriarch sprach damit einen bis heute ungeklärten Streit mit der russischen orthodoxen Kirche an. Dabei geht es um die Marienkathedrale an der Budapester Elisabethenbrücke. Diese hatten orthodoxe Kaufleute griechischer und balkanromanischer (Vlachen) Herkunft errichtet, 1922 wurde sie Sitz der neuen mitteleuropäischen Metropolis des Ökumenischen Patriarchats. Nach der sowjetischen Besetzung Ungarns 1945 übergab dessen nun kommunistische Führung das Gotteshaus an das Moskauer Patriarchat. Eine ungarische Jurisdiktion Konstantinopels wurde erst 1963 wieder errichtet und der Metropolis von Österreich als Exarchat angeschlossen.

Dieses blieb jedoch bis zur Wende von 1990 auf dem Papier. Erst dann konnte der Wiener Metropolit Michail Staikos (1991-2011) eine Seelsorge für die recht zahlreichen Flüchtlinge aus dem griechischen Bürgerkrieg 1946-49 und ihre Nachkommen in Ungarn organisieren. Nicht zurückgegeben wurde Staikos hingegen der Budapester Mariendom, obwohl er sich an alle Instanzen der ungarischen Justiz wandte. Auch Metropolit Arsenios konnte in der Causa bislang keine Fortschritte erzielen. Gottesdienste feierte er in der ungarischen Hauptstadt bisher in einer kleinen Kapelle, die den Heiligen Hierotheos und Stephanus geweiht ist.

Erst 2014 kam es zum Abschluss einer Art Konkordat zwischen Ungarn und dem Ökumenischen Patriarchat. Im Dezember 2016 wurde dann konkret die Übergabe der Gebäude vereinbart, die Patriarch Bartholomaios I. jetzt übernommen hat. Die Übergabe des Gebäudes an das Exarchat sei "ein erster konkreter Schritt, durch den die Orthodoxe Kirche einen noch stärkeren und sichtbareren Beitrag zur ungarischen Gesellschaft leisten können wird" hieß es von Seiten des griechisch-orthodoxen Exarchats von Ungarn.

Im Anschluss an die Feierstunde folgte die Göttliche Liturgie in einer provisorisch eingerichteten Kapelle; der Gebäudekomplex wird nun umfassend renoviert und ein Teil zu einer Kirche ausgebaut, wo regelmäßig die Göttliche Liturgie gefeiert wird. An der Messe nahmen auch russische, serbische, bulgarische und rumänische orthodoxe Priester teil. Metropolit Arsenios als Hauptzelebrant und neuer "Hausherr" mahnte zur Konsenssuche und rief dazu auf, den Weg der Versöhnung weiter zu gehen.

Patriarch Bartholomäus rief die orthodoxen Gläubigen dazu auf, das neue griechisch-orthodoxe Zentrum in Ungarn nun mit Leben zu erfüllen. Er hob zudem hervor, dass das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel die Mutter aller europäischen orthodoxen Kirchen sei.

Politische und kirchliche Kontakte

Bartholomaios traf bei seinem Besuch in Ungarn auch mit dem ungarischen Staatspräsidenten János Áder zusammen. Auch im ungarischen Parlament war der Patriarch zu Gast, wo er weitere Spitzenpolitiker traf. Den stellvertretenden Premierminister Ungarns, Zsolt Semjen, zeichnete er dabei mit dem orthodoxen "Andreaskreuz" aus.

Auch die Ökumene war Teil des Besuchsprogramms des Patriarchen. So traf er u.a. mit Kardinal Peter Erdö und weitere Vertretern der Katholischen Bischofskonferenz zusammen. Dabei hoben beide Seiten die guten gegenseitigen Beziehungen und den gemeinsamen Einsatz für eine christlich geprägte Gesellschaft hervor.

Ein weiterer Gesprächspartner war der Präsident der reformierten Kirche von Ungarn, Bischof Istvan Szabo. Der Patriarch nahm auch an einem Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Ungarn anlässlich des ungarischen Nationalfeiertags teil.

Am Sonntag besuchte der Patriarch die katholische Stephansbasilika in Budapest, wo Kardinal Peter Erdö einem Festgottesdienst zum Nationalfeiertag vorstand. Im Anschluss wurden die Reliquien des Hl. Stephan, des Nationalheiligen Ungarns, in einer Prozession durch die Budapester Straßen getragen. An der Prozession nahm der Patriarch an der Seite von Kardinal Erdö teil.

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