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Die Erscheinungen von Kibeho – Leseprobe 5

1. September 2017 in Buchtipp, keine Lesermeinung
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Maria spricht zur Welt aus dem Herzen Afrikas. Leseprobe 5 aus dem Buch „Die Erscheinungen von Kibeho“ von Immaculee Ilibagiza


Linz (kath.net)
Später erschien die Muttergottes Vestine erneut, aber dieses Mal war sie keine traurige Frau, die in einer Ecke saß, sondern so schön und liebevoll, wie die anderen Seherinnen sie beschrieben hatten. Mit sanfter, beruhigender Stimme sagte sie zu Vestine, sie sei „die Unbefleckte Empfängnis“.

„Meine Tochter“, offenbarte Unsere Liebe Frau, „du wirst auf eine Mission der Liebe gesandt. Du wirst die Welt an die große Güte meines Sohnes und an die grenzenlose Liebe erinnern, die er für seine Kinder empfindet. Sag ihnen, dass er ihren Seelen Frieden und ihren Herzen eine Freude schenken will, die alle Begriffe übersteigt.

Bringe sie dazu, zu ihrer himmlischen Mutter zu beten, denn ich werde ihnen die nötige Kraft geben, damit sie ihre Herzen für Jesus öffnen und zulassen, dass seine Liebe ihre Sünden und ihre Verzweiflung wegspült. Sag ihnen, dass sie seine Liebe akzeptieren sollen: Dann wird ihnen ewiges Glück geschenkt werden. Nun geh, mein Kind, und verkünde das liebevolle Wort des Herrn.“ Nach diesen Worten füllte Maria Vestines Herz und ihren Verstand mit den zahlreichen Botschaften, die sie ins ganze Land hinaustragen sollte.

Vestine nahm ihren Sendungsauftrag ohne Zögern an. Sie sollte das Land zu Fuß in seiner ganzen Länge und Breite durchqueren und sogar über die Grenzen bis nach Zaire, Burundi, Uganda und Tansania gelangen. So etwas war in Afrika und zumal für eine junge Frau, die allein unterwegs war, eine äußerst gefährliche Unternehmung, doch die selige Jungfrau Maria versprach ihr, sie in jeder Stadt und in jedem Dorf, das sie betreten würde, mit ihrer Liebe zu beschützen und sie in der Dunkelheit jedes Waldes und jedes Dschungels, den sie durchwandern musste, zu trösten.

Unsere Liebe Frau sagte Vestine, sie solle einen Ast als Wanderstock in die Hand nehmen und immer bei sich haben, und sie erklärte ihr: „Er wird dein Stab sein; er wird jenen, denen du begegnest, zeigen, dass du auf einer göttlichen Mission unterwegs und dass du eine Hirtin des Herrn und ausgesandt bist, seine Herde aus der Gefahr zu führen und ihr den Weg zu zeigen.“

Die Jungfrau Maria gab dem Mädchen noch weitere Anweisungen: „Mein Kind, bete auf dem Weg den Rosenkranz. Wenn du einem Waisenkind begegnest, behandle es wie dein eigenes Kind. Tröste die Betrübten und sorge für die Kranken. Weise nie jemanden ab, der dich um Hilfe bittet; wenn deine Taschen leer sind, dann schenke ihnen Hoffnung. Jede deiner Taten muss aus Freundlichkeit getan und jedes deiner Worte mit Liebe gesprochen werden. Lebe, wie es Gott gefällt, und du wirst andere anspornen, dasselbe zu tun.

Wenn du die Welt als Hirtin durchwanderst, wirst du meinen irdischen Kindern zeigen, dass der Weg zum Himmel über eine enge Straße führt, die nicht leicht zu gehen ist. Aber die Straße, die zu Satan führt, ist dagegen breit und bequem, weil der Teufel keine Hindernisse auf den Weg in die Dunkelheit stellt.“

Vestine verabschiedete sich von ihren Eltern und Geschwistern, die ihre Vision und ihren göttlichen Ruf akzeptiert hatten, und verließ ohne großes Aufheben ihr Zuhause. Nachdem sie in Kibeho vor Tausenden von Zeugen ihre erste öffentliche Erscheinung gehabt hatte, verbreitete sich die Nachricht von ihrer Sendung rasch im ganzen Land, und wohin sie auch ging, eilte ihr der Ruf als Seherin und Predigerin voraus.
ICH WAR EIN TEENAGER, ALS VESTINE nach Mataba kam, und noch nie hatte ich die Leute in meinem Dorf so aufgeregt und angespannt erlebt.

Pater Rwagema hatte die Reisen der Seherin genau verfolgt, und als er hörte, dass sie in unserer Gegend war, richtete er es so ein, dass sie nach Mataba kam, um hier zu predigen. Er rief ein Empfangskomitee von mindestens fünfhundert Menschen zusammen. Die Gastfreundschaft hat in Ruanda einen so hohen Stellenwert ‒ „Der Gast ist König!“ ‒, dass wir sie natürlich nicht einfach an der Straßenecke willkommen heißen konnten. Also marschierte die komplette Abordnung aus fünfhundert Personen zwanzig Kilometer weit bis zur nächsten Kreuzung, um Vestine offiziell einzuladen und in unser Dorf zu begleiten.

Meine Freundin Jeanette und ich rannten mit der erwartungsfrohen Menge mit und duckten uns unter den Erwachsenen weg, um an die Spitze des Zuges zu gelangen. Ich glaube, ich war tatsächlich die Erste, die über eine Straßenkuppe hinweg einen Blick auf Vestine erhaschen konnte, und mir fiel sofort auf, dass sie überhaupt kein Gepäck bei sich trug. Den Stab in der rechten Hand, kam sie in kurzen, schnellen Schritten auf uns zu.

Großer Jubel brandete auf, als die Dorfbewohner sie erblickten, und Pater Rwagema dankte ihr, dass sie die Einladung angenommen hatte, bei uns zu predigen. Mehrere Männer hatten eine große Statue der Jungfrau Maria zum Treffpunkt getragen und stellten sie nun auf eine hölzerne Trage, die sie hochhoben und auf ihren Schultern trugen. Mit der Statue der seligen Jungfrau Maria über ihren Köpfen traten sie den Rückweg an: Vestine ging voran und wir alle folgten in einer fröhlichen Prozession.

Über fünftausend Menschen kamen, um Vestine predigen zu hören. Weil keine Kirche in der ganzen Region groß genug war, um eine solche Menschenmenge zu fassen, führte Pater Rwagema uns auf ein Bohnenfeld, sodass wir alle die Seherin hören konnten. Wie Dutzende anderer Kinder kletterten Jeanette und ich auf einen Baum und saßen auf den Ästen, während Vestine sprach.

Die Seherin war sehr ernst und lächelte kein einziges Mal, während sie ihre Botschaften überbrachte, die oft als einprägsame Sätze in kurzen Abschnitten aus ihr heraussprudelten. Außerdem benutzte sie ihren Stab, um einen großen Kreis in den Ackerboden zu zeichnen: Sie sagte, er stelle die Welt dar, die ganz mit der Liebe der Muttergottes angefüllt sei.
Wir alle lauschten wie gebannt, als sie Marias Weisheit mit uns teilte. „Die Muttergottes sagt, dass ihre Liebe zu euch, ihren Kindern, größer ist als jede Liebe, die je eine irdische Mutter für ein Kind empfunden hat“, erklärte uns Vestine.
kath.net-Buchtipp
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Die Erscheinungen von Kibeho
Von Immaculee Ilibagiza
Geb., 256 Seiten
mit 16-seitigem Bildteil
Media Maria 2017
Preis: 19,50 Euro
ISBN 978-3-9454013-3-0
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