14 August 2017, 08:00
Maria wird im Brauchtum gerne mit Blumen verbunden
 
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Am 15. August feiern wir Mariä Aufnahme in den Himmel. Mit der Aufnahme der Gottesmutter in die himmlische Herrlichkeit verbindet sich der Brauch, Duft- und Heilkräuter zu Sträußen zu binden und diese segnen zu lassen - Von Claudia Sperlich

Linz (kath.net)
Maria wird im Brauchtum gerne mit Blumen verbunden. Rosen und Lilien, Lavendel, Maiglöckchen und Akelei sind die bekanntesten Blumen, die in der Ikonographie auf Maria hinweisen. Der Mai wurde zum Marienmonat, weil er auch der Monat der Blütenfülle ist. Wir ehren die Gottesmutter und Himmelskönigin mit Blumen, und wir bezeichnen sie als Blume, als Rose und Lilie.
Wir stellen uns Maria als eine besonders schöne Frau vor – mit gutem Grund. Wir dürfen davon ausgehen, dass eine junge Frau aus dem vorderen Orient, die von einem ganz normalen Mann als Braut begehrt wird und deren Züge von keiner Sünde, keiner Gehässigkeit, keiner Eifersucht und keinem Neid entstellt sind, gar nicht anders als schön sein kann. Das griechische Wort χάρις (charis) und das lateinische Wort gratia haben beide die Doppelbedeutung „Anmut“ und „Gnade“. Der Vergleich mit besonders schönen Blumen liegt nah.

Am 15. August feiern wir Mariä Aufnahme in den Himmel. Mit der Aufnahme der Gottesmutter in die himmlische Herrlichkeit verbindet sich der Brauch, Duft- und Heilkräuter zu Sträußen zu binden, diese segnen zu lassen und daheim ein Marienbild damit zu schmücken. Auch eine Königskerze oder eine Rose ist oft dabei. Das ist einerseits eine Ehrerbietung gegenüber der Mutter Gottes, die auch die Mutter der Kirche und durch das Wort des Gekreuzigten „Siehe, deine Mutter“ die Mutter aller Christen ist. Seiner Mutter einen Blumenstrauß zu schenken, ist auch außerhalb der Kirche eine schöne Sitte – hier wird sie in ritualisierter, aber keineswegs starrer Form auf die beste Mutter von allen bezogen. Das Geschenk bleibt auch beim Schenkenden, Schönheit, Duft und Segen erfüllen das Zimmer.

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Die größte Blütenpracht ist hinüber und der Herbst deutet sich schon an. Es duftet in Bauern-, Küchen- und Klostergärten nach Kräutern, von denen jetzt viele blühen (wenn ihnen nicht ein aufmerksamer Gärtner die Blüten gekappt hat, um ein besseres Aroma zu erhalten). Lavendel ist Zier- und Nutzpflanze zugleich, sein Duft verscheucht Motten und andere Schadinsekten. Salbei ist nicht nur ein hervorragendes Gewürz für Fleischgerichte, sondern auch gut gegen Husten und Heiserkeit. Basilikum (wörtlich: „das Königliche“), Rosmarin (dessen Name wörtlich „Tau des Meeres“ bedeutet, nach einer freundlichen Volksetymologie aber die Rose Maria ehrt), Thymian, Minze – sie alle sind nicht nur in der Küche brauchbar, sondern auch im Medizinschrank, und sie sind nicht nur Augen- und Gaumenfreuden, sondern auch (warum gibt es das Wort eigentlich noch nicht?) Nasenfreuden. Sie alle – und noch mehr – werden in den Kräuterbuschen verwendet. Das ist gut katholisch; der katholische Glaube beansprucht den ganzen Menschen, Seele und Geist, Leib und Sinne, er ist schön und heilsam.

Die Kräuterweihe wurde aus vorchristlicher Zeit tradiert und von der Kirche zunächst hingenommen. Da aber die abergläubischen Bestandteile nicht auszurotten waren und die Kräuterbuschen als eine Art Amulett und Zaubermittel verstanden wurden, wurde sie um 745 verboten. Wie Verbote so sind – es half rein gar nichts! Als gute Pädagogin beschloss die Kirche daher schon wenig später: Wenn Kräuterweihe, dann auf christliche Weise und im Zusammenhang mit der Gottesmutter. Durch diese Umdeutung konnte der Aberglauben, den kein Verbot hatte hemmen können, immerhin stark gemindert werden. Zugleich wurde der so reichen katholischen Liturgie ein neuer schöner Brauch hinzugefügt.

Das Fest Mariä Himmelfahrt war schon im 5. Jh. von Cyrill von Alexandrien eingeführt worden. Eine in etwa zwanzig Varianten überlieferte apokryphe Schrift, die sich mit dem Heimgang Mariens beschäftigt, kam zu ihrer Endfassung um diese Zeit, war aber wohl bereits im 2./3. Jh. entstanden – Transitus Mariæ, der Hinübergang Mariens. Dort heißt es, Engel haben den Aposteln die Nachricht überbracht, dass Maria im Sterben liege. Auf Wolken getragen, gelangten die Apostel nach Bethlehem zu ihrem Sterbebett. Dort ereigneten sich Heilungswunder und in der Folge zahlreiche Bekehrungen. Jesus selbst kam in himmlischem Glanz zu der Sterbenden und verhieß ihr: „Freue dich von Herzen, denn jede Gnade und jede Gabe ist dir von meinem himmlischen Vater und von mir und dem Heiligen Geist gegeben, und wer immer deinen Namen anruft, soll nicht beschämt werden, sondern Gnade, Trost, Hilfe und Vertrauen finden, in dieser Welt und in der kommenden bei meinem Vater im Himmel.“
Die Legende sagt weiter, Maria sei gestorben und von den Aposteln in ein Grab gelegt worden. Thomas aber kam erst nach drei Tagen zu ihnen und wollte sie sehen. Sie öffneten das Grab und fanden darin nur duftende Rosen.

Nehmen wir aus der Legende alles Überhöhte und Süßliche heraus, bleibt die frühe Überzeugung, dass Maria mühelos und in einer Art mädchenhafter Schönheit vom irdischen zum ewigen Leben gelangte. Die Parallele zu Jesu Tod und Auferstehung ist in der Legende deutlich genug, jedoch bleibt Maria das qualvolle Sterben erspart. Ob man bei ihr nun von Tod oder einer todesähnlichen Entschlafung reden soll, lässt die Legende offen. Nach kirchlichem Dogma ist sie unmittelbar nach diesem Leben ins ewige Leben aufgenommen worden. Duftende Rosen sind Zeichen für diesen schönen Übergang.

Es bleibt auch die Gewissheit, dass Maria schon sehr früh als herausragende Heilige erkannt wurde, in deren Gegenwart und auf deren Fürsprache sich Wunder ereigneten. Ihr Titel „Heil der Kranken“ hat hier seine Wurzel. Auch wenn die Bibel nichts von Heilungswundern durch Maria berichtet, dürfen wir sie auch ohne den „Transitus Mariæ“ annehmen, denn der Herr hat ja gesagt: „Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun.“ (Joh. 14,12-14) Dass nun Maria an Ihn geglaubt hat, steht außer Zweifel. Dass sie, die Magd des Herrn, getan hat, was Er ihr sagte, ist ebenfalls sicher. Während Seines Erdenlebens gab es zwar durchaus familiäre Probleme – bis dahin, dass sie Ihn für verrückt hielt (Mk. 3,21). Aber sie hielt zu ihrem Sohn, stand unterm Kreuz, glaubte an Seine Auferstehung, betete mit den Jüngern gemeinsam, erlebte mit ihnen das Pfingstwunder. Sie, die am Anfang ihre Zustimmung gegeben hatte, hielt daran fest – es ist undenkbar, dass sie nicht auch für andere gebetet hat, und undenkbar, dass sie nicht erhört wurde. Dass auf ihr Gebet hin Heilungswunder geschahen, ist sicher, wenn man Jesu Worte ernst nimmt. Dass dies noch immer geschieht, ist einerseits evident (ja doch: es geschieht, nicht nur in Lourdes), andererseits aus der Überzeugung, dass sie bei Gott lebt, der ja „kein Gott der Toten, sondern ein Gott der Lebenden“ ist (Mt. 22,32), und also weiter hört, empfindet und zu Ihm betet.

Duftende, schöne, heilsame Kräuter und Blumen sind uns von Gott geschenkt. Die Gebete zur Kräuterweihe umfassen den Dank hierfür und die Bitte um die segensreiche Wirksamkeit dieser Kräuter und um Schutz, der über die medizinisch nachgewiesene Wirkung der Kräuter hinausgeht, sowie das Vertrauen auf die Fürsprache Mariens.

In den folgenden Tagen wird es in den Zimmern mit Kräuterbuschen würzig duften, und noch lange wird man den schwächer werdenden Duft wahrnehmen können. Vielleicht lassen wir uns daran erinnern, dass die Mutter unseres Herrn unser aller Mutter ist, und dass uns nach diesem Leben eine mit allen Sinnen wahrnehmbare, unausdenkbare und ewige Schönheit erwartet.

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