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'Jesus war ein Erdbeben und nicht nur ein lieber Mann'

11. Juli 2017 in Aktuelles, 3 Lesermeinungen
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Bischof Stefan Oster: „Wenn wir einen Jesus verkünden, der Wellness lehrt, dann werden wir irrelevant“. Man müsse wieder vertreten, dass es um unser Heil gehe und nicht um einen „Humanismus der Nettigkeit“.


Augsburg(kath.net/pba) Der Passauer Bischof Dr. Stefan Oster SDB hat heute in der Basilika St. Ulrich und Afra an den Inhalt und die Mitte unseres Glaubens erinnert: „Nicht etwas, sondern jemand, nämlich unser Herr Jesus Christus“, betonte Bischof Oster. Ihn in unserem Leben wirklich werden zu lassen, sich an Jesus festzumachen, ein Diener Christi zu sein, gebe uns erst die Freiheit Gott und den Nächsten zu lieben. „Nur wenn uns das nahe geht, spüren wir, er ist die Mitte von allem.“ Mit dem feierlichen Pontifikalamt begann der „Tag der Priester und Diakone“ im Rahmen der Ulrichswoche, der sich heuer mit dem Thema „Berufung“ beschäftigte.

Ausgehend von der Frage, wo das Problem liege, dass es gegenwärtig eher weniger als mehr junge Menschen gibt, die eine geistige Berufung in sich spüren, näherte sich Bischof Oster in seinem Vortrag zum Thema „Jugend, Glaube und Berufungen“ vom christlichen Menschenbild her. Vor rund 100 Priestern und Diakonen beschrieb er die Erfahrung des Seins, die Sinnerfahrung und die Erfahrung einer Christusbeziehung als drei Wege der Berufungsfindung. Diese müssten nicht nacheinander abgelaufen werden, sondern seien meist ineinander verwoben. „Berufung ereignet sich in der konkreten Wirklichkeit.“ Letztlich sei es aber erst durch die Begegnung mit dieser Wirklichkeit möglich, dass die Fähigkeit zur Entscheidung für einen bestimmten Berufungsweg wachse.


Was verwandelt also den Menschen, darf Christus in mein Leben hineinkommen, fragte Bischof Oster. Seine Antwort: Die Erfahrung von Sinn, Beziehung und Leid. „Menschen entwickeln Leidenschaft für andere Menschen, Geschöpfe, Dinge, Tätigkeiten und Ziele. Sie entdecken, was für sie Sinn und Freude macht und was Erfüllung schenkt.“ Für junge Menschen sei es daher wichtig, das zu entdecken und darin sich selbst, Prioritäten zu setzen und diese zu verändern. Letztlich gewinne aber alles in unserem Leben seinen Sinn durch Christus. Erst die Begegnung und Beziehung mit ihm mache uns liebes- und leidensfähig. „Bei Jesus daheim sein, verwandelt alles andere.“

Warum es dennoch immer weniger gelingt, junge Menschen für Gott und die Nachfolge Christi zu gewinnen, machte der Bischof an mehreren Punkten fest und stellt diese als drängende Herausforderungen für die Zukunft der Kirche heraus. Bischof Oster ermutigte dazu, wieder den ganzen Jesus zu verkündigen und dadurch eine neue Leidenschaft für Christus zu entfachen: „Jesus war ein Erdbeben, nicht nur ein lieber Mann!“ Dass es um unser Heil gehe und nicht um einen „Humanismus der Nettigkeit“, gelte es aber auch mit Überzeugung zu vertreten, so der Bischof. „Wenn wir einen Jesus verkünden, der Wellness lehrt, dann werden wir irrelevant“. In der Nachfolge Christi zu leben, bedeute nämlich, sich die Jüngerschaft zum Lebensthema zu machen. Nur wenn wir im, mit und vom Herrn lernen, könnten wir ihn auch lieben. „Das ist unsere Herausforderung“, wandte er sich an die Priester und Diakone, die er gleichermaßen zu echtem, intensivem treuem geistlichem Leben bestärkte: „Wir sind berufen, Gott zu lieben, weil er so großartig ist, und müssen die Sehnsucht nach ihm wecken.“

Bestätigung erhielten seine Aussagen im anschließenden Podiumsgespräch, das Schwester Dr. Theresia Mende OP vom Institut für Neuevangelisierung moderierte. Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass es das gute Beispiel und Vorbild von authentischen Priesterpersönlichkeiten ist, das in jungen Menschen heute noch die Sehnsucht nach einem Leben in der Nachfolge Christi wecken kann.

Vor der Pontifikalvesper mit Bischof Dr. Konrad Zdarsa in der Ulrichsbasilika hatten die Priester und Diakone in sechs Gesprächsrunden die Möglichkeit, sich über Themen der Berufungspastoral auszutauschen. Dabei stand die Frage „Kann man Berufungen machen?“ ebenso im Raum wie die kirchliche Jugendarbeit als Quelle für Berufungen, die Berufungspastoral aus der Sicht von Papst Franziskus, die geistliche Begleitung von jungen Priestern und die Erfahrungen von Anbetungsinitiativen.

Bischof Stefan Oster/Passau bei der Predigt zum Einkehrtag der Priester und Diakone des Bistums Passau



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