01 Juni 2017, 12:00
Ein Klima von üblen Unterstellungen
 
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„Ich habe es satt, mich innerhalb der Kirche dafür rechtfertigen zu müssen, den Glauben der Kirche so zu teilen, wie ihn mir das ordentliche Lehramt zu glauben vorlegt.“ Von Peter Winnemöller

Wuppertal (kath.net/Blog „katholon“/pw) Die katholische Citykirche Wuppertal betreibt eine Webseite mit dem hochtrabenden Namen „Dei verbum“ (=lat.: Gottes Wort). Bitte nicht enttäuscht sein, denn es sind nur Texte von zwei Theologen auf der Seite zu finden. Naja, irgendwie ist es doch Aufgabe von Theologen, das Wort Gottes zu verkünden. So weit, so gut, könnte man denken.

Der zweite Blick auf die Seite bringt die Erkenntnis, dass es sich hauptsächlich um politische Inhalte handelt. Doch auch ist erst einmal nichts Verwunderliches, denn es ist ja gerade so, dass sich die Laien in der Kirche besonders aktiv ins politische Geschehen einbringen sollten. Man nennt das Weltdienst der Laien. Aber warum dann der Seitentitel?

Also gut, die freiheitliche Grundordnung unseres Landes ist ein wertvolles Gut, das es zu schützen und zu verteidigen gilt. Dazu kann man sich als Katholik im Grunde nicht oft genug äußern. Es ist eine Form der Politik, die nur allzu nötig wäre.

Umso dramatischer ist dann im dritten Schritt die Erkenntnis, dass man es dort mit der Freiheit wohl doch nicht so dicke hat. Ein Statement, das eindeutig gegen die Meinungs- und die Pressefreiheit gerichtete Passage ist in einem Artikel unter der wenig sinnvollen Überschrift „Timewarp“ (=verzerrte Zeit oder Zeitverzerrung?) auf dem Portal „Dei Verbum“ zu finden. Es ist unverschämt und zudem noch gegen Freiheitsrechte gerichtet. Worum geht es?

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Der Artikel Timewarp beschäftigt sich mit dem Buch „Der Weiberaufstand. Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen“ von Christiane Florin. Es handelt sich bei dem Artikel nicht etwa um eine Rezension, eine Replik oder einen sonstwie mit dem Inhalt des Buches in Verbindung stehenden Text. Es geht vielmehr darum, schon einmal vorweg allen (potentiellen) Kritikern des Buches zu zeigen, wo der linkskatholische Hammer hängt. Wer also im Verdacht steht, die Thesen des Buches nicht uneingeschränkt zu bejubeln, sieht sich mit drastischen Unterstellungen konfrontiert. Wer gar die Absicht hat, als potentieller Kritiker das Buch zu rezensieren, dem wird vorgeworfen:

„… wobei manch einer sich nicht zu schade ist, mehr oder weniger dreist die Zusendung eines Rezensionsexemplars zu fordern.“

Das ist natürlich dreist, das Buch lesen zu wollen, bevor man es rezensiert. Und die Zusendung eines Rezensionsexemplars? Ja, wo sind wir denn?

Autor des Artikels ist Werner Kleine, laut Impressum katholischer Theologe und Initiator der Katholischen Citykirche Wuppertal. Hat er etwas gegen die freie Presse? Stört es ihn, dass es in der Kirche auch Stimmen gibt, die anderer Meinung sind als er selbst? Ist ihm gar die grundgesetzlich garantierte Meinungsfreiheit zuwider? Ist ihm Marketing und Öffentlichkeitsarbeit von Verlagen suspekt?

Auch der weitere Text gibt keinen Aufschluss darüber. Es geht vielmehr munter weiter mit Unterstellungen und Verdächtigungen.

„Gelebte Armut ist dafür wohl kaum der Grund, sondern eher die Lust am Verriss, für die man aber nicht auch bezahlen möchte.“

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Der aufgebaute Gegensatz ist „gelebte Armut“ versus „Lust am Verriss“. Man kann sich so etwas nicht ausdenken.

Was spricht eigentlich dagegen, z.B. als freier Journalist oder Blogger bei einem Verlag ein Rezensionsexemplar zu erbitten? Das ist durchaus gängige Praxis und wird von den Verlagen gerne gewährt. Redaktionen größerer und kleinerer Zeitungen bekommen die Rezensionsexemplare z.T. unaufgefordert zugesandt. Der Verfasser dieses Blogs hat durchaus gute Kontakte zu Presseabteilungen von Verlagen. Man ist mit Rezensionsexemplaren immer gern zur Stelle.

Rezensionen – gerade auch von Büchern, deren Meinung der Rezensent nicht teilt – erweitern den Horizont aller Beteiligten. Statt sich also in hektischen und zumeist unfruchtbaren Diskussionen in den sozialen Medien zu verstricken, ist es durchaus besser ein Buch zu lesen und eine Rezension zu verfassen. Es ist noch einmal besser, mit etwas längerem Atem als einem Tweet an Debatten zu partizipieren. Das macht am Ende auch viel mehr Freude und es ist „on the long run“ auch besser zu sagen, wir sind darin einer Meinung, dass sich unsere Meinungen fundamental unterscheiden.

Auch für die Verlage, die Autoren und potentielle Leser ist es gut, wenn gerade kritische Geister Bücher rezensieren. Juberperser liefern „erwartbare Ergebnisse“. Kritiker liefern oft genug unerwartete Sichtweisen. Damit scheint der Theologe und Pastoralreferent Werner Kleine hoffnungslos überfordert. Weder das Prinzip des Diskurs, der Kontroverse oder die Grundsätze journalistischen Arbeitens scheinen hier bekannt und/oder akzeptiert zu sein.

Stattdessen unternimmt man alles, den Meinungsgegner schon einmal im Vorfeld zu diskreditieren. Obwohl selber gar nicht betroffen, zieht Kleine alle Register der subtilen Verleumdung. Schlaglichtartig beleuchtet geht das im Artikel so:

… der selbst ernannten Vertreter des Imperiums …
… mit verlässlichen Reflexen …
… Verteidiger eherner Traditionen …


Hat noch jemand Zweifel daran, welch ein dunkelkatholisches Gruselkino sich hinter jenen finsteren Protagonisten der Kritik am genannten Buch verbergen muss? Man sieht es und schaudert … oder?

Mich jedenfalls gruselt es weniger vor denen als vor den hehren Lichtkatholiken der Citykirche Wuppertal.

Man könnte auf der Seite Dei verbum kommentieren.

Das werde ich nicht tun. Was ich zu sagen habe, sage ich auf meiner eigenen Plattform. Mit Leuten, die anders denkende Menschen so menschenverachtend herabwürdigen, beschimpfen und verächtlich machen, möchte ich mich nicht auf deren Plattform unterhalten. Die Redlichkeit gebietet es, auf diese Seite als Quelle der Zitate zu verlinken. Das fällt mir schwer genug.

Es gibt nichts, wirklich gar nichts, was mich mit dem Autor des oben genannten Textes verbindet. Nicht einmal die bis zum Beweis des Gegenteils freundlich angenommene Zugehörigkeit zur selben Kirche vermag hier als Brücke zu dienen. Der Grad der hier vorliegenden Entsolidarisierung derart linkskatholischer Kreise mit ganz normalen, erst recht aber mit konservativen Katholiken, ist erschreckend. Dass dies mit Kirchensteuermitteln geschieht, von denen die Seite als eine offizielle Seite der Citypastoral Wuppertal betrieben wird, ist ein Skandal, der leider nicht zu ändern ist. Auch in der Kirche müssen wir lernen damit zu leben, dass die Linken an den Fleischtöpfen sitzen. Von meinen Steuergeldern dürfen die ihren Sermon in die Welt pusten. Egal, das ist nicht zu ändern, jedenfalls nicht ad hoc.

Ich habe es aber satt, mich innerhalb der Kirche dafür rechtfertigen zu müssen, den Glauben der Kirche so zu teilen, wie ihn mir das ordentliche Lehramt zu glauben vorlegt.

Ich habe es satt, dafür beschimpft, beleidigt, diffamiert und verleumdet zu werden.

Ich will mit denen, die so handeln nichts zu tun haben.

nota bene:
Das Buch „Der Weiberaufstand. Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen“ von Christiane Florin liegt hier auf meinem Schreibtisch und wird in den nächsten Tagen hier im Blog rezensiert werden. Ja, der Verlag hat es mir zugesandt. Kostenlos! Es ist nicht etwa Geiz oder Gier, es ist schlicht und ergreifend nicht möglich, jedes Buch, das ich rezensiere, käuflich zu erwerben. Darum hier an dieser Stelle ein ausdrückliches Lob an die Mitarbeiter in den Presse- und Marketingabteilungen der Verlage. Sie machen einen guten Job und uns die Arbeit wirklich leichter. Im Übrigen, das sei hier gesagt, fordere ich keine Rezensionsexemplare, ich bitte höflich darum. Es ist sicher nur eine blöde Angewohnheit unter Konservativen, gute Manieren zu haben und an den Tag zu legen.

Nur unfreundlichen Linkskatholiken gegenüber möchte ich manchmal etwas „liebenswürdig“ gegenübertreten.

Alle Zitate aus:
Kleine, Werner
Timewarp!
Ein Einwurf zur ewigen Wiederkehr der Frage des Frauenpriestertums.
http://www.dei-verbum.de/timewarp zuletzt abgerufen am 30.5.2017


Foto Peter Winnemöller




Foto (c) Michael Hesemann/kath.net







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