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Auch heute besteht ein großes Risiko, die Kirche zu 'zerstückeln'

25. April 2017 in Interview, 7 Lesermeinungen
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Robert Kardinal Sarah im Interview mit „Kirche in Not“: „Ich möchte daran erinnern: Bei der Weltkirche handelt es sich nicht um eine Art lockeren Zusammenschluss von Ortskirchen.“ Von Jürgen Liminski


München-Wien (kath.net/Kirche in Not) Robert Kardinal Sarah gehört zu den wortgewaltigsten Bischöfen der Weltkirche. Große Aufmerksamkeit erregte sein 2015 erschienener Interviewband „Gott oder Nichts“. Der Präfekt der vatikanischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung stammt aus dem westafrikanischen Guinea. In einem Interview mit der päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ spricht er über politische und religiöse Gefahren für die Kirche auf seinem Heimatkontinent. Er weist auf den wichtigen Beitrag der Christen Afrikas für die Weltkirche hin und warnt vor der Gefahr einer nationalen und theologischen Zersplitterung der einen Kirche. Das Interview führte Jürgen Liminski.

Jürgen Liminski/Kirche in Not: Eminenz, wie sehen Sie das Verhältnis der Kirche Afrikas zur Weltkirche?

Robert Kardinal Sarah: Die Frage bringt mich etwas in Verlegenheit. Denn die Kirche Afrikas ist Teil der Weltkirche und bildet mit ihr zusammen die eine und alleinige Kirche. Es gibt also keine „afrikanische Kirche“, die der Weltkirche gegenübersteht. Richtig ist natürlich, dass die katholische Lehre von der Kirche auf der Gemeinschaft der Ortskirchen gründet. Aber ich möchte auch daran erinnern: Bei der Weltkirche handelt es sich nicht um eine Art lockeren Zusammenschluss von Ortskirchen. Die Weltkirche wird durch die Kirche Roms symbolisiert und vertreten – mit dem Papst als Oberhaupt, dem Nachfolger Petri und Leiter des Apostelkollegiums.

Kirche in Not: Heißt das, es kann keine nationalen Kirchen geben?

Kardinal Sarah: Ohne gemeinsamen Glauben läuft die Kirche Gefahr, dass es zu Verwirrung kommt. Zersplitterung oder Spaltung können die Folge sein. Auch heute besteht ein großes Risiko, die Kirche zu „zerstückeln“, indem man auf den nationalen Identitäten beharrt und daraus die Fähigkeit ableitet, selbständige Entscheidungen zu treffen, besonders in so wichtigen Bereichen wie der Glaubens- und Sittenlehre. Papst Benedikt XVI. sagte einmal dazu: „Die Kirche wächst nicht, indem sie sich national einigelt, … sondern sie braucht die Einheit im Glauben, in der Lehre und der Moral. Sie braucht den Primat des Papstes und dessen Auftrag, den Glauben zu stärken.“ In diesem Sinne hat sich die Kirche in Afrika immer als Teil einer Familie gesehen, der Familie Gottes.

Kirche in Not: Welchen Beitrag leisten aus ihrer Sicht die Katholiken Afrikas für diese eine Familie Gottes?

Kardinal Sarah: Auch wenn die Kirche in Nordafrika sehr alt ist, betrachten sich die Diözesen und Gemeinden in den Ländern südlich der Sahara eindeutig als missionarische Frucht und Tochter der „westlichen“ Kirche. Die Kirche in Afrika muss sich auch weiterhin auf die theologische, liturgische und monastische Erfahrung der „alten“ christlichen Kontinente verlassen können – und auch auf deren finanzielle Unterstützung. Die Kirche Afrikas ihrerseits kann der weltweiten Christenheit in aller Bescheidenheit die Wunder zeigen, die Gott durch den Heiligen Geist in ihr gewirkt hat, aber auch die Qualen, die Jesus auch heute noch inmitten des Leids und der Armut seiner Gläubigen erduldet.

Kirche in Not: Worin bestehen diese Qualen?

Kardinal Sarah: Sie sind so vielfältig: Kriege, Hunger, der verheerende Mangel an Bildungs- und Gesundheitsstrukturen. Und dann wäre da noch der verderbliche Einfluss westlicher Ideologien: der Kommunismus, die Gender-Ideologie … Afrika ist zum Auffangbecken für Verhütungsmittel und Waffen geworden. Afrika ist auch Schauplatz für den organisierten Diebstahl von Rohstoffen. Kriege werden deswegen geführt und geplant, das Chaos wird vorangetrieben. Denn so wird es möglich, die natürlichen Ressourcen ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz abzubauen. Die Wirtschaftsmächte der Welt müssen damit aufhören, die Armen auszuplündern!

Kirche in Not: Ist der Islam eine weitere Gefahr für das Überleben der afrikanischen Kirche?

Kardinal Sarah: Viele Jahrhunderte lang lebten in den Ländern südlich der Sahara Christen und Muslime friedlich Seite an Seite. Jener extremistische Islam aber, der als politische Organisation auftritt und sich dem Rest der Welt aufzwingen will, stellt nicht nur eine Gefahr für Afrika dar. Er ist ist vor allem eine Gefahr für die Gesellschaften in Europa, die allzu oft keine Identität und keine Religion mehr haben. Wenn eine Gesellschaft aber ihre eigenen Werte verdammt, die aus ihrer Tradition, Kultur und Religion hervorgegangen sind, dann ist sie dem Untergang geweiht. Denn sie hat damit jeglichen Antrieb, jegliche Energie und jeglichen Willen verloren, um für die Verteidigung ihrer Identität zu kämpfen.

Kirche in Not: Was können Hilfswerke wie „Kirche in Not“ tun, um den Christen Afrikas noch besser zu helfen?

Kardinal Sarah: Heute sind fast alle Hilfswerke, auch viele katholische Hilfswerke, einzig und ausschließlich auf humanitäre Hilfe ausgerichtet, um die Armut zu bekämpfen. Doch „der Menschen lebt nicht nur vom Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (vgl. Mt 4,4). Ich ermutige „Kirche in Not“, weiterhin Hilfe zu leisten für die Ausbildung der Priester, Ordensbrüder und -schwestern, für den Bau von Kirchen und Seminaren sowie für Exerzitien von Bischöfen und Priestern. Denn wenn diese sich nicht die Zeit nehmen, sich wenigstens für ein paar Tage in Einsamkeit, Schweigen und Gebet zurückzuziehen, laufen sie Gefahr, geistlich zu vertrocknen. Sie werden nicht mehr in der Lage sein, den Gläubigen solide geistliche Nahrung zukommen zu lassen, wenn sie nicht selbst beim Herrn einkehren.

Kirche in Not: Sollen bei der Hilfe auch politische Probleme angesprochen werden?

Kardinal Sarah: Die Kirche täuscht sich schwer, wenn sie denkt, ihre Hauptaufgabe in der aktuellen Krise sei es, Lösungen auf alle politischen Probleme zu finden und dabei die Evangelisierung vernachlässigen zu dürfen. Natürlich kommt die Kirche nicht umhin, sich wie Jesus Christus mit den menschlichen Problemen zu befassen. Sie hat das auch immer getan: durch ihre Schulen, Universitäten, Ausbildungszentren, Krankenhäuser, Gesundheitsstationen … Ich erlaube mir jedoch, in diesem Zusammenhang einen Italiener zu zitieren, der zum Islam konvertiert und jetzt Imam ist. Er heißt Yahya Pallavicini und ist Vorsitzender der „Islamischen Religionsgemeinschaft Italiens“. Er sagt sehr deutlich an unsere Adresse gerichtet: „Wenn die Kirche über der Begeisterung, mit der sie sich für die sozialen Rechte und den Kampf gegen die Armut einsetzt, ihre kontemplative Seele vergisst, … werden sich viele Gläubige von ihr abwenden, da man nicht mehr das erkennt, was ihre Besonderheit ausmacht.“

Um die Arbeit der katholischen Kirche Afrikas weiter unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden:

Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz

Foto Kardinal Sarah


Foto: Robert Kardinal Sarah © François Régis Salefran



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Lesermeinungen

 Zeitzeuge 27. April 2017 
 

S.E. Robert Kardinal Sarah, Theologie auf Knien und mit Herz und Verstand

wurde 1979 mit 34 Jahren der jüngste Diözesanbischof der Welt in Conakry, der Hauptstadt von Guinea.
Sein Vorgänger Bischof Raymond-Marie Tchidimbo war unter einem linken Diktator als Staatsfeind von 1970-1979 in Haft, davon 4 Jahre mit Folter in Einzelhaft!
Während dieser Zeit hatten die Verantwortlichen in Deutschland nichts Besseres zu tun, als die katholische Theologie an den Fakultäten mit Hilfe der säkularen "Humanwissenschaften" in eine eindeutig falsche Richtung zu bewegen, die Affäre Küng spielte sich z.B. genau in dieser Zeit ab.
Wer von den Verantwortlichen wäre wohl für seine Thesen ins Gefängnis gegangen, wohl niemand!
Mir ist auch nicht bekannt, daß damals jemand aus Europa freiwillig nach Guinea gegangen ist um die dort Verfolgten moralisch zu unterstützen, es ist ja viel leichter, mit gutem Professorengehalt hier eine Pseudotheologie zu dozieren, welche für ein eigentliches Glaubenszeugnis, wie z.B. damals in Guinea, nicht die geringste Disposition schafft!


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 Chris_chris 25. April 2017 

Kardinal Sarah - klar, einfach und direkt!

Auf den Punkt gebracht.
Wir europäische Katholiken tragen eine große Verantwortung. Wenn wir nicht schnellstens aus unserer Lethargie uns befreien.
Diese Lähmung wird uns zum Verhängnis. Das sollte uns schnellstens bewusst werden.
Massen an Menschen vertrauen blind dem Zeitgeist.
Das wird ein harter Kampf - in der einen Hand den Rosenkranz, in der anderen den göttlichen Kampfgeist!
Aufzustehen und für Ordnung zu sorgen.
Siehe die politisch Verantwortlichen gleichen einem Haufen Verirrter die alles Wollen und nichts erreichen können, weil ihnen die geistige Nahrung fehlt.


6

0
 
 Bernhard Joseph 25. April 2017 
 

Bedrückende Analyse von Kardinal Sarah

Nüchtern auf den Zustand der Kirche in unserem Breiten geblickt, besteht derzeit wenig Hoffnung, dass der Glaube hierzulande wachsen könnte. Eher verstärkt sich der Trend, sich vom Glauben und damit der Kirche abzuwenden.

Wo die Kirche anstelle des Himmelreiches den Menschen eine weltliche Utopie verspricht, kann kein Glaube wachsen, er verkümmert vielmehr unter der politischen Inanspruchnahme.

Die Befreiungstheologie hat in ihren verheerenden Folgen für das Glaubensleben in Lateinamerika überdeutlich erkennen lassen, dass dieser Weg der falsche, ja ein verderblicher isr.

Zum Glück hat sich die Befreiungstheologie nicht in Afrika etablieren können, sicher auch dank solcher Hirten wie Kardinal Sarah. Armut lässt sich nicht durch politische Messianismen bekämpfen, sondern nur dadurch, dass der Nihilismus des Atheismus als solche entlarvt wird. Politischer Messianismus wohnt eben kein tragender Sinn inne, weil er den Tod, das Streben als Lebensrealität, verdrängt.


10

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 Zeitzeuge 25. April 2017 
 

Kirche in Not leistet Flüchtlingshilfe vor Ort, z.B. in Syrien, Libanon, Irak

diese überaus wichtige Arbeit müsste viel mehr unterstützt werden und nützt den Betroffenen natürlich viel mehr als viele, medienwirksame Worte!
Die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE)
sollte hier zu Gunsten dieser Vor-Ort-Hilfe durch Kirche in Not unbedingt eine EU-weite Sonderkollekte veranstalten, der vergangene Barmherzigkeits-Sonntag wäre ideal gewesen, um dieses wichtige Anliegen zu unterstützen.
Vorsitzender der COMECE ist derzeit übrigens S.E. Kardinal Marx aus München, der hier einmal sinnvollerweise die Medien sensibilisieren könnte und für diesen Vorschlag wäre doch wohl ganz bestimmt auch Papst Franziskus zu begeistern!


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 mirjamvonabelin 25. April 2017 
 

Robert Kardinal Sarah ist so einmalig

das mir Worte fehlen.

Er spricht eindeutig und kristallklar, dem kann man nicht widersprechen, er klagt nicht an und verletzt nicht und sagt doch eindeutig die Wahrheit


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 Genesis 25. April 2017 

Klare, wahre Worte! Vergelt´s Gott dafür!


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 padre14.9. 25. April 2017 

"den Gläubigen solide geistliche Nahrung zukommen zu lassen"

genau, das ist das wichtigste was die Katholische Kirche leisten muß.Oftmals ist keine solide geistliche Bildung,kein spirituelles Feuer vorhanden,und das spüren die Suchenden, und deshalb kommen sie nicht mehr wieder.Es wird immer leerer.


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