11 April 2017, 12:00
Dechantenkritik an Launs Genderaussagen? Nicht in meinem Namen!
 
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Ich war bei dieser Konferenz der Salzburger Dechanten dabei, es gab keinerlei Abstimmung. Ich selbst hatte mich mit Unterstützung der Laun-Positionen zu Wort gemeldet. Gastkommentar von Dechant Ignaz Steinwender

Wien (kath.net) In Kathpress vom 31. März 2017 hieß es: „Die Dechanten der Erzdiözese Salzburg distanzieren sich von Formulierungen in einem aktuellen Hirtenbrief von Weihbischof Andreas Laun.“ Es hieß weiter lt. Pressemitteilung der Erzdiözese Wien, dass bei der Frühjahrskonferenz der Dechanten festgehalten worden sei, dass es sich bei den Aussagen Launs „ausschließlich um die persönliche Meinung des Autors handelt.“ Konkrete Aussagen wurden nicht angeführt. Viele Medien haben dies aufgegriffen und weiterverbreitet. Der Anlass für die Kritik: Weihbischof Laun hatte einen Hirtenbrief an das untergegangene Titularbistum Libertina zum Thema Genderideologie geschrieben, der in kath.net veröffentlicht worden war.

Wenn man dies so liest, dann könnte man zunächst den Eindruck haben, dass die Erzdiözese Salzburg bzw. die Dekane der Erzdiözese für die Genderideologie eintreten oder Stellungnahmen zur Genderideologie bloß im Bereich von Privatmeinungen ansiedeln. Die zeitgeistigen Medien jedenfalls haben diese offensichtliche Distanzierung freudig aufgegriffen, ein großer Erfolg für die Förderer der Genderideologie. Da ich auch bei der Dekanekonferenz dabei war, möchte ich kurz meine Erfahrungen darlegen und dann einige Überlegungen dazu anstellen.

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Ich hatte den Hirtenbrief des Herrn Weihbischofs erst unmittelbar vor dem Beginn der Dekanenkonferenz (28. bis 30. März) gelesen. Als ein Dekan das Thema aufgriff und den Weihbischof in Abwesenheit attackierte, meldete ich mich als Erster zu Wort und sagte, dass ich sehr froh darüber bin, dass sich ein Bischof klar und mutig dazu geäußert hat. Danach entstand eine Diskussion über den Hirtenbrief. Ich betonte in der Dekanekonferenz, wie wichtig es sei, dieses Thema intensiv zu bearbeiten, die weltanschaulichen philosophischen Hintergründe, die theologischen Probleme und die pastoralen Auswirkungen dieser Ideologie zu erkennen und aufzuzeigen. Ich wies auch darauf hin, dass es viel über Gender zu lesen gäbe, z. B. eine Broschüre von Kirche in Not und von Gabriele Kuby. In der kontrovers geführten Diskussion haben sich die meisten Dekane nicht zu Wort gemeldet. Es gab auch keine dezidierte Abstimmung über eine Distanzierung von Aussagen des Herrn Weihbischofs. Offenbar hat es auch niemand von den Kritikern der Mühe wert gefunden, mit dem Herrn Weihbischof persönlich darüber zu sprechen.

Nun stellen sich mir einige grundsätzliche Fragen:

In der Aussendung der Erzdiözese wird festgehalten, dass es sich bei den Aussagen Launs „ausschließlich um die persönliche Meinung des Autors handelt“. Natürlich gibt jeder Hirtenbrief irgendwo auch die Meinung des Autors wieder. Aber er wird vor allem auch Dinge enthalten, die mehr sind als eine bloße Meinung. Nun stellt sich aber die Frage. Wenn man einzelne Formulierungen kritisiert, was man selbstverständlich tun kann, könnte man dann nicht trotzdem das Grundanliegen des Hirtenbriefs positiv bewerten und die betreffenden Formulierungen wenigstens explizit erwähnen. Das wäre ein Mindesterfordernis intellektueller Redlichkeit. Sonst entsteht nämlich der Eindruck, dass die Genderideologie eine Angelegenheit von bloßen Meinungen sei, dies kann wohl nicht der Fall sein, denn: Wie verhält es sich mit den Warnungen von Papst Franziskus, der die Gendertheorie als großen Feind der Ehe bezeichnete und die Notwendigkeit der Verteidigung der Ehe vor diesen Kolonisierungen betonte? Wie verhält es sich mit den Aussagen des Kurienkardinals Sarah, der die Genderideologie und IS als Hauptbedrohungen für die Familie darstellte, wie verhält es sich mit den scharfen Warnungen der Bischofskonferenzen von Portugal, Spanien, Polen, Slowakei, Sri Lanka und Norditalien vor der Genderideologie? Sind diese ernst zu nehmen oder nur private Meinungen? Warum werden sie nicht aufgegriffen? Warum lässt man die einfachen Gläubigen, verantwortungsbewusste Eltern allein? Wer schützt die Familien und die „Kleinen“?

Es fehlt weitgehend eine intellektuelle, philosophische, theologische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Weltanschauungen und Zeitströmungen wie der Genderideologie etc. Es herrscht großes Schweigen bei den Hauptverantwortlichen, bei vielen staatlich bezahlten und kirchlich beauftragten Professoren und bei vielen kirchensteuerfinanzierten Ämtern. Es mangelt im kirchlichen Bereich an weltanschaulicher Bildung, es mangelt an der Unterscheidung der Geister und es fehlt der Mut zum Bekenntnis.

Das betrüblichste innerkirchliche Phänomen, das in den letzten Jahren immer mehr um sich greift, ist die Steinigung der Propheten innerhalb der Kirche.

Anstatt sich mit dem mächtigen Zeitgeist anzulegen, profiliert man sich in der öffentlichen Meinung, indem man Bekenner brandmarkt. Man könnte an den Arianismus denken, wo sich arianische Hofbischöfe (Eusebianer) der außerkirchlichen Obrigkeiten bedienten, um Bischöfe zu verfolgen (erwähnt bei Hugo Rahner – Kirche und Staat im frühen Christentum, S 84 f). Der Heilige Hilarius, einer der mutigsten Bekenner gegen den Arianismus, schrieb: „Am faulen Frieden erkennt man die falschen Propheten; wenn Irrlehre und Spaltung kommen, werden die Getreuen offenbar.“ Den Kampf gegen die Genderideologie führen zur Zeit vorwiegend einige mutige Frauen wie die vierfache Mutter Birgit Kelle, die Publizistin Gabriele Kuby u. a., den Kampf für den Lebensschutz führen vorwiegend jugendliche Idealisten, die dafür keine kirchlichen Mittel bekommen und nicht selten noch dafür beargwöhnt werden.

Vor diesem Hintergrund wären folgende Dinge wichtig.

1) Eine fundierte Auseinandersetzung mit vergangenen und herrschenden Ideologien, und so auch mit der Genderideologie, wie es in der theologischen Sommerakademie in Aigen zu diesem Thema im Jahre 2014 geschah (vgl. Als Mann und Frau schuf er sie: Die Herausforderung der Gender-Ideologie, Christianaverlag).

2) Die Förderung der Unterscheidung der Geister und eine fundierte Apologetik. Man sollte z. B. gewissenhaft die marxistischen Wurzeln der Genderideologie betrachten und auswerten.

3) Zum Thema Genderideologie sollte es von der Diözesankurie konkrete Hilfen für bekennende Gläubige, Religionslehrer und Priester geben. Z. B. eine Broschüre für Eltern in Bezug auf Gender in Kindergärten und Schulen, eine Broschüre von den Schulämtern für Religionslehrerinnen und Religionslehrern etc.

4) Die Achtung und Förderung des Bekennertums. Die urchristliche Praxis, dass man Mitbrüder nicht vor dem Kaiser (heute Medien bzw. öffentliche Meinung) verklagt, sollte wieder eingeführt werden. Es gibt die Tugend der Stärke, die Tapferkeit. Sie meint die Bereitschaft, für die Wahrheit einzutreten und dafür auch zu leiden, wie unser Herr selbst es getan hat. In den letzten Jahrzehnten hat man vielfach das Gegenteil gelehrt. Das oberste Gebot lautete: Anpassung, Harmonie, Konfliktvermeidung um jeden Preis, Anbiederung an bestehende Zeitströmungen und das unbiblische Streben nach Beliebtheit. Der Mut zum Bekenntnis wurde verunglimpft und der Verrat zur Tugend gemacht.

Weihbischof Laun schreibt in seinem Hirtenbrief über Gender, dass der Kampf noch heftiger werden wird. Wird nicht später einmal die Frage auftreten. Hat denn die Kirche nichts gesagt? Warum hat dieser oder jener Verantwortliche nichts gesagt? Haben sie nichts gewusst? Was werden wir dann antworten? Jeder, und am meisten die kirchlich Bestellten und Berufenen, werden sich vor Gott (nicht vor den Medien) einmal verantworten müssen. Niemand wird in so gravierenden Fragen um die Entscheidung herumkommen, entweder Bekenner, Schweiger, Mitläufer oder Verräter zu werden. Es geht um den Schutz der Kinder, es geht um den Schutz der Familien, es geht um den Schutz ganzer Völker, es geht um den Schutz des christlichen Menschenbildes, es geht um unsere Zukunft und um das Heil.

Im Kampf gegen Gender bräuchte es gar nicht so viel Bekennermut. Bei der Theologischen Sommerakademie zum Thema Gender im Jahre 2014 sagte ein Referent: „Der größte Feind der Genderideologie ist die Naturwissenschaft, denn diese argumentiert mit Fakten.“

Weiterführende Links:
- Papst Franziskus bezeichnet die Gendertheorie in „Amoris laetitia“ explizit als „Ideologie“

- Papst Franziskus: „Der große Feind der Ehe ist die Gendertheorie. Es gibt heute einen Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören. Er wird nicht mit Waffen geführt, sondern durch ideologische Kolonisierung. Darum ist es wichtig, die Ehe vor diesen Kolonisierungen zu verteidigen!“

- Papst Franziskus: Gender-Ideologie für Kinder „ist schrecklich“

- Papst Franziskus sagt der polnischen Bischofskonferenz: Gender ist eine Form der „ideologischen Kolonialisierung“


Weihbischof Andreas Laun (Salzburg) auf der DEMO FÜR ALLE am 28.2.16 in Stuttgart










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