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Ägypten: Al-Azhar-Kongress über Laizität und Diversität

22. Februar 2017 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Initiative von Großimam al-Tayyeb - Auch Dialog zwischen Vatikan und Al-Azhar kommt wieder in Fahrt - Delegation des Päpstlichen Dialograts bei Event in Erinnerung an historische Visite von Johannes Paul II. bei der islamischen Universität


Wien-Kairo (kath.net/KAP) Die Al-Azhar-Universität in Kairo veranstaltet kommende Woche einen interreligiösen Kongress, der sich mit den Fragen der Laizität des Staates, der Gleichheit der Staatsbürger vor dem Gesetz sowie dem "Respekt für die Diversität" beschäftigen wird. Die Initiative für den Kongress ging von Großimam al-Tayyeb aus, wie die Stiftung "Pro Oriente" am Mittwoch berichtet.

Unter den Teilnehmern werden der maronitische Patriarch, Kardinal Bechara Boutros Rai, der griechisch-katholische melkitische Patriarch Gregorios III. Laham und der libanesische sunnitische Mufti Abd-el-Latif Deriane sein. Möglicherweise wird auch der libanesische Staatspräsident Michel Aoun - das einzige christliche Staatsoberhaupt des arabischen Raumes - teilnehmen. Weiters nimmt der Ko-Direktor des Wiener König-Abdullah-Dialogzentrums KAICIID, Mohammad Sammak, teil.


"Pro Oriente" zitierte Sammak mit der Aussage, wonach die Schlussdokumente des Kongresses von Kommissionen erarbeitet werden sollen, die sich aus "Christen und Muslimen, Gläubigen und Nichtglaubenden" zusammensetzen. Der Kongress solle auf die Förderung eines "aufgeklärten und gemäßigten" Islam abzielen, der bei aller Treue zur Tradition zum Gespräch mit der Moderne imstande ist.

Im Vatikan wird in diesem Zusammenhang bedauert, dass ein herausragender Al-Azhar-Absolvent, Scheich Mohammed Mohammed Nasr Abdallah, nicht als Imam zugelassen wird, weil er fortschrittliche Auffassungen vertritt und öffentlich z.B. die Verschleierung der Frauen, die im islamischen Recht vorgesehenen Körperstrafen und den Dschihad verurteilt. Der Scheich gehörte zu einer Gruppe islamischer Theologen, die im November 2015 nach Paris fuhr, um das Mitgefühl angesichts der Bluttaten der IS-Terroristen zum Ausdruck zu bringen.

Die Universität Al-Azhar wurde im Jahr 988 gegründet und ist eine islamische wissenschaftliche Institution von internationalem Rang. Rund 375.000 Studenten sind dort immatrikuliert, 16.000 Mitarbeiter lehren an der Universität.

Delegation bei Erinnerungs-Event

Eine Delegation des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog unter Leitung von Kardinal Jean-Louis Tauran traf am Mittwoch in Kairo zu einer Veranstaltung in Erinnerung an die historische Visite von Johannes Paul II. bei der islamischen Universität im Jahr 2000 ein. Bei dem Dialogseminar wollen Heiliger Stuhl und Al-Azhar-Universität gegen Fanatismus, Extremismus und Gewalt im Namen der Religion vorgehen. Auch der Sekretär des vatikanischen Dialogrates, Bischof Miguel Ayuso Guixot, der jordanische Islamexperte Khaled Boutros Akasheh sowie der Apostolische Nuntius in Kairo, Erzbischof Bruno Musaro, nehmen teil.

Bischof Ayuso Guixot (der auch Mitglied des Vorstandes des KAICIID-Dialogzentrums ist) war seit Mai 2016 mehrmals nach Kairo gereist, um die Al-Azhar-Universität zu kontaktieren und die Wiederaufnahme des Dialogs vorzubereiten. Der offizielle Dialog zwischen dem Heiligem Stuhl und der islamischen Universität ist seit 2011 ausgesetzt, in letzter Zeit kam es aber zu einer Wiederannäherung. Sichtbares Zeichen dafür war der Besuch des Großimams der Al-Azhar, Ahmed Mohammed al-Tayyeb, bei Papst Franziskus im Vatikan im Mai 2016. Papst Johannes Paul II. hatte am 24. Februar 2000 der Al-Azhar-Universität einen Besuch abgestattet.

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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