20 November 2016, 11:00
'O König und Meister, lehre mich kämpfen und prüfen die Geister!'
 
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Ein Choral als Antwort auf die derzeitige Konfusion um Amoris laetitia. Gastkommentar von Markus Büning

Münster (kath.net) Neulich fiel mir ein wunderbarer Choralvers aus der pietistischen Tradition des 17. Jahrhunderts in die Hände, den der evangelische Pfarrer Johann Heinrich Schröder (1666-1699) gedichtet hat. Er passt wunderbar zum letzten Sonntag des Kirchenjahres, zum Christkönigssonntag. Noch wunderbarer passt er auf unsere derzeitige innerkirchliche Situation, die durch eine ganz konfuse und unfruchtbare Debatte über Kernfragen unseres Glaubens schwierig geworden ist. Hören wir zunächst den Choralvers:
„Jesu, hilf siegen und lass mich nicht sinken;
wenn sich die Kräfte der Lüge aufblähn und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken,
lass doch viel heller dann deine Kraft sehn.
Steh mir zur Rechten, o König und Meister, lehre mich kämpfen und prüfen die Geister!“


Da ist zunächst die Mahnung, seinen Blick auf Jesus zu richten. Er ist der Herr der Kirche. Von ihm ist der Sieg über Sünde, Tod und Teufel zu erwarten. Also tun wir dies doch gerade jetzt ganz beherzt. Schauen wir nicht so viel auf die mitunter dummen, ja sogar häretischen Äußerungen mancher Theologen und Verbandsvertreter, die nun die Gunst der Stunde gekommen sehen und mit der Autorität des Papstes versuchen, die kirchliche Lehre ins Gegenteil zu verkehren. Schauen wir auf Jesus! Dieser Blick führt uns in die ganze Wahrheit ein, denn er selbst ist die Wahrheit.

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Dieser Blick gibt uns auch die richtige Perspektive auf die derzeit leidige Diskussion über ein aus meiner Sicht missglücktes Lehrschreiben des Papstes, auf Amoris laetitia (= AL). Die vielen unterschiedlichen Interpretationen und mitunter ganz gefährlichen Versuche, Gottes Gebot außer Kraft setzen zu wollen, zeigen, dass hier eben nicht mit der von Christus geforderten Klarheit gesprochen worden ist. Eine Klarheit, die uns zum Ja oder Nein, und eben nicht zu einem „entschiedenen“ Jain zwingt. Und genau das haben ja die vier mutigen Purpurträger mit ihren Dubia getan. Sie haben vom Papst eingefordert, nun endlich klar und deutlich zu sagen, was Sache ist. Und die Antwort des Papstes: Die Fragesteller leben im Unverständnis! Nein, die Fragesteller haben AL ganz genau verstanden, darum gehen sie ja auch der Sache so genau auf den Grund. Sie leben offensichtlich in der Blickperspektive unseres Choraldichters. Diese Männer haben aus ihrem Blick auf Jesus ihren kritischen Blick auf dieses Lehrschreiben geworfen.

Und nun kommt der entscheidende Punkt: Aus dieser Perspektive bekommen wir die Fähigkeit, die sich aufblähende Kraft der Lügen zu erkennen. Aus dieser Perspektive erkennen wir, wie sich die Lügen sogar erdreisten, sich mit einer scheinbaren Wahrheit zu schminken. Und genau dies ist jetzt auch geschehen. Da scheut man sich nicht, selbst mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten des Hl. Thomas von Aquin die neue Lehre über Ehe und Familie zu rechtfertigen. Darauf haben schon einige mutige Kritiker von AL hingewiesen. Aus dieser Blickperspektive erkennen wir, dass folgende Aussagen vom hl. Johannes Paul II. in seiner großen Enzyklika Veritatis splendor Nr. 52 immer gültig bleiben, „weil sie eine unfehlbare Lehre in der Form des universalen und ordentlichen Lehramtes sind“ (so zu Recht Weihbischof Athanasius Schneider in seiner Stellungnahme zu AL). Dort sagt uns der Hl. Johannes Paul II. folgendes: „Die negativen Gebote des Naturgesetzes sind allgemein gültig: sie verpflichten alle und jeden einzelnen allezeit und unter allen Umständen. Es handelt sich in der Tat um Verbote, die eine bestimmte Handlung semper et pro semper verbieten, ohne Ausnahme, (…) es gibt Verhaltensweisen, die niemals, in keiner Situation, eine angemessene (…) Lösung sein können. (…) Die Kirche hat immer gelehrt, dass Verhaltensweisen, die von den im Alten und Neuen Testament in negativer Form formulierten sittlichen Geboten untersagt werden, nie gewählt werden dürfen. Wie wir gesehen haben, bestätigt Jesus uns selber die Unumgänglichkeit dieser Gebote: ‚Wenn du das Leben erlangen willst, halte die Gebote! … Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen‘ (Mt 19,17-18).“ Ja, hier müssen wir selbst dem jetzigen Papst klar und deutlich sagen: „Hier ist nichts im Fluss! Sein Wort bleibt ewig bestehen! Sein Gesetz gilt für alle und für immer!“ Das ist, um wieder beim Choraltext zu bleiben, die ungeschminkte Wahrheit.

Also sehen wir zu, dass wir unseren Blick auf den richten, der selber die Wahrheit ist: „Lass doch viel heller dann deine Kraft sehn! Steh mir zur Rechten, o König und Meister, lehre mich kämpfen und prüfen die Geister.“ Ich kann nur hoffen, dass jetzt noch weitere Kardinäle und Bischöfe aufstehen und laut und deutlich an die ungeschminkte Wahrheit von Ehe und Familie erinnern. Wenn nicht, läuft die Kirche Gefahr, sich vom eindeutigen Willen ihres Stifters, dem Christkönig, zu entfernen. Ich hoffe, dass dieser ökumenische Blick auf einen Choralvers unserer getrennten Schwestern und Brüder uns wieder klarer sehen lässt. So verstanden macht Ökumene wirklich Sinn!

Der Verfasser dieses Beitrags, Dr. Markus Büning, ist Theologe und Jurist. Er lebt mit seiner Familie im Münsterland.

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Ermunterung zur Heiligkeit - Die Tugenden im Leben der Heiligen und Seligen
Von Markus Büning
Vorwort: Joachim Kardinal Meisner
Taschenbuch, 208 Seiten
2016 Christiana-Verlag (fe-Medien)
ISBN 978-3717112624
Preis 7,95 EUR

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