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Pater Wallner: Orden brauchen mehr Mut bei der Nachwuchs-Suche

13. November 2016 in Weltkirche, 4 Lesermeinungen
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Heiligenkreuzer Hochschulrektor und Missio-Nationaldirektor: Gnadenfatalismus überwinden, bei dem nur noch um junge Leute gebetet wird, ohne etwas für die Jugend zu tun


Wien (kath.net/KAP) Einen Appell, "mehr auf die Gnade Gottes zu vertrauen und daraus Mut zu schöpfen", hat der Zisterziensermönch P. Karl Wallner (Archivfoto) an die katholischen Orden gerichtet. Er sprach dabei auch die Suche nach Neumitgliedern an. "Warten wir darauf, dass der liebe Gott den Nachwuchs wie beim Raumschiff Enterprise durch die Decke beamt?", stellte der Priester, der seit September Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke Österreich (missio), in den "Ordensnachrichten" (aktuelle Ausgabe) in Frage.

Ganz allgemein sei die Gegenwart eine Zeit eines unchristlichen "Machertums", so die Einschätzung des Heiligenkreuzer Hochschulrektors. Kennzeichnend dafür sei etwa der Amtsantritt des scheidenden US-Präsidenten Barack Obama mit seinem "Yes, we can". Derartige "Durchhalteparolen" müssten laut Wallner nach vorübergehender Euphorisierung letztlich in Frustration enden, "weil sich diese Versprechen sehr oft als hohl erweisen".

Besser wäre es zu sagen, "Wir schaffen das mit Gottes Hilfe und wenn es Gottes Wille ist", so der Ordensmann. Christlicher Mut sei gelassen gegenüber der Gefahr des Scheiterns: "Was geht, geht. Was nicht geht, geht nicht." Er selbst habe die Erfahrung "Wer wagt, gewinnt - aber nur wer im Vertrauen auf Gott wagt" gemacht. Dass Gott mächtig und ein "Gott der Wunder und der Überraschungen" sei, werde für Ordensmitglieder in der eigenen Berufung sichtbar: Jeder von ihnen spüre, dass erst Gott das eigene Leben in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam möglich mache.


Eindringlich warnte Wallner jedoch vor einem "resignativen, scheindemütigen Nichtmachen". Bei vielen Ordensgemeinschaften sei ein "Gnadenfatalismus" anzutreffen, der sich in Redewendungen wie "Da kann man nur beten" oder "Wir beten eh" ausdrücke. Das Gebet sei wichtig, "aber wo hat Jesus gesagt, dass wir nur beten sollen?", hinterfragte der Mönch. Es passe nicht, wenn in manchen Klöstern überhaupt nichts mehr für die Jugend getan werde "und dann beten sie, dass junge Leute kommen". Ebenso würden Klöster ihren Grundregeln etwa der Gastfreundschaft entgegenwirken, wenn sie gegenüber Besuchern hermetisch abgeriegelt seien.

Mutiges Auftreten bedeute für die Orden vor allem "Mut zum Ur-Charisma" und ein Rausgehen aus dem Muster, sagte Wallner, der hier als Vorbild Papst Franziskus anführte. Nötig sei, "alles von Gott zu erwarten und zugleich so handeln, als würde alles von mir abhängen". Jesus fordere die Mitarbeit des Menschen, selbst wenn diese nur symbolisch sei. Selbst wenn eine Gemeinschaft überaltert sei, dürfe sie ihre Fähigkeiten nicht vergraben - erlebe er doch immer wieder, dass "mancher alter Ordensmann oder manche alte Ordensfrau plötzlich ein unglaubliches Talent, mit jungen Menschen umzugehen", entwickle.

Ihm selbst sei es daher auch wichtig, dass künftige Priester die Fähigkeit verfügten, Internet-Videos oder Facebook in der Verkündigung einzusetzen, betonte Wallner. Er habe daher beim schrittweisen Ausbau der Heiligenkreuzer Hochschule inständig auf die Einrichtung eines Medienkompetenzzentrums beharrt. Worum es gehe, sei hier die "Missionsarbeit in neuem Gewand, aber nicht in aggressiver Form", erklärte der Rektor. Kirchliche Öffentlichkeitsarbeit müsse immer bestrebt sein, andere am Evangelium und am eigenen Leben teilhaben zu lassen.

Pater Prof. Karl Wallner: Deine Muskeln sind in 60 Jahren Staub - Montagsmesse Heiligenkreuz (22.08.2016)


kath.net-Lesetipp
Glaubenswege: Mein Weg ins Ordensleben
Herausgeber: Petra Lorleberg
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Copyright 2016 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten
Foto Pater Karl Wallner: (c) Diözese St. Pölten


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