14 November 2016, 12:00
Habt Achtung vor der liturgischen Ordnung!
 
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Der Diener Gottes Albino Luciani (Papst Johannes Paul I.) und die Liturgiereform des Zweiten Vaticanums. Gastkommentar von Markus Büning

Münster (kath.net) Das hat viele Leser auf dieser Seite tief getroffen: Alle, die die Hl. Messe in der außerordentlichen Form des einen (!) römischen Ritus feiern, sind Nostalgiker! Es gibt in diesem Zusammenhang keine Notwendigkeit der Reform der Reform! So der Papst in einem Interview, welches er jüngst dem Jesuitenpater Antonio Spadaro gegeben hat. Die vielen Lesermeinungen zu dieser Meldung haben diese Betroffenheit deutlich gezeigt. Warum diese Betroffenheit? Weil es in den letzten Jahrzehnten bei vielen Menschen in unserer Kirche zu tiefgreifenden Verletzungen gekommen ist. Grund dieser Verletzungen ist der flächendeckend anzutreffende liturgische Missbrauch, der mitunter solche Stilblüten getrieben hat, dass die Hl. Messe ihrer Würde gänzlich beraubt wurde bzw. wird. Viele Katholiken haben aus diesem Grunde ihre Heimat verloren. Sie haben es satt, das Heiligste, was sie auf Erden haben, so durch den Dreck gezogen zu bekommen: Faschingsmessen mit Kostümierung, unerlaubte Predigten durch hauptamtliche Laienmitarbeiter nach dem Evangelium, gemeinsam von Priester und Gemeinde gesprochene Passagen des Hochgebetes, die Hl. Kommunion wird nur von Laien ausgeteilt und der Priester setzt sich unterdessen auf seinen Sitz usw., usw.. Die Art und Weise der Verunstaltungen ließe sich noch beliebig lang fortführen. Und dann: Die Laien, die sich trauen, den verantwortlichen Priester zur Rede zu stellen, werden abgekanzelt. Da ist dann nichts mehr vom Recht der sogenannten mündigen Laien zu spüren… Und weiter: Die Beschwerdebriefe in deutschen Ordinariaten häufen sich in dieser Angelegenheit seit Jahrzehnten. Die Reaktion der bischöflichen Behörden geht zumeist in Richtung weiterer Abkanzelung oder gar völliger Ignoranz. Insgemein hält man all diese besorgten Christen für notorische Querulanten. Sollen sie doch sehen, wo sie hingehen… Zugegeben, dies ist eine recht grobmaschige Skizze, aber sie entspricht der Wahrheit. Ich erspare mir lieber die Schilderung eigener Erlebnisse… Das alles macht mich traurig, ja mitunter ratlos und wütend.

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Eine Lösung in diesem Dilemma ist seit dem Inkrafttreten des Motu proprio von Papst Benedikt XVI. der Weg in die Hl. Messe in der Form des außerordentlichen Ritus. Hier fühlen sich die Menschen geschützt vor den Angriffen der Liturgiemissbraucher. Hier haben viele Menschen wieder so etwas wie eine geistliche Heimat gefunden. Das aber hat alles andere als mit Nostalgie zu tun. Nein, dieses Verhalten ist pastoral verständlich! Ich kann nur hoffen, dass der Heilige Vater um diese Not vieler Katholikinnen und Katholiken im deutschen Sprachraum weiß. Wenn nicht, ist es gut, ihm selbst diese Lage zu schildern. Ich bin mir sicher, dass dieser Papst, der beim unbefleckten Herzen Mariens in seinem Gebetsleben seit Jahrzehnten seine Zuflucht sucht, diese Umstände, wenn er sie denn erfährt, nicht einfach ignorieren würde.

Und, mit einer Äußerung hat er sehr wohl Recht: Man müsse das Zweite Vatikanische Konzil und die Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium ihrem Sinn nach umsetzen. Ja, Heiliger Vater, diese Mahnung trifft auch die Oberhirten, die seit Jahren dem liturgischen Missbrauch weitgehend tatenlos zusehen. Denn eben in dieser Konstitution des Konzils heißt es wie folgt: „Die liturgischen Handlungen sind nicht privater Natur, sondern Feier der Kirche, die das ‚Sakrament der Einheit‘ ist; sie ist nämlich das heilige Volk, geeint und geordnet unter den Bischöfen.“ (Nr. 26). Und: „Das Recht, die heilige Liturgie zu ordnen, steht einzig der Autorität der Kirche zu. Diese Autorität liegt beim Apostolischen Stuhl und nach Maßgabe des Rechtes beim Bischof. (…) Deshalb darf durchaus niemand sonst, auch wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern.“ (Nr. 22). Diese Passagen des Konzilstextes machen unmissverständlich klar, dass Priester, die dies tun, gegen die Lehre des Zweiten Vaticanums handeln. Also: Bitte liebe Bischöfe, nehmt das Wort des Papstes ernst und setzt auch diese Passagen der Liturgiekonstitution um.

In dieser Stunde der Auseinandersetzung um die Frage einer geordneten Liturgie ist es ratsam, auf das Beispiel von Menschen zu schauen, die im Rufe der Heiligkeit stehen. Heute möchte ich an den unvergessenen Papst Johannes Paul I. erinnern, der mit seinem kurzen Pontifikat im Jahr 1978 die Welt durch sein Lächeln verzaubert hat. Als Kardinal hat dieser Papst in mehreren Vorträgen vor seinem Diözesanklerus auf den Sinn der Liturgiereform und das damit berechtigte Anliegen des Konzils hingewiesen. Aber, er hat auch davor gewarnt, den Reformwillen der Konzilsväter nicht durch Ungehorsam zu konterkarieren. Dieser Bischof, unser Diener Gottes Albino Luciani, ist im Rufe de Heiligkeit gestorben. Er war ein sehr ernsthafter Mann und tief verwurzelt in der katholischen Tradition. Nur auf diesem Fundament konnte er sich eine Reform der Liturgie überhaupt erst als fruchtbringend für die Universalkirche vorstellen. Als Kardinal hat er einstmals seinen Priestern bei Exerzitien offenbart, dass er Angst davor habe, in die Hölle zu kommen. Ja, das hat er so gesagt! Vor diesem Hintergrund bekommen die Zitate dieses Mannes noch einmal einen ganz anderen Klang. Er wusste darum, dass gerade er als Bischof große Gefahr läuft, verloren zu gehen, wenn er das ihm anvertraute Amt nicht ordentlich ausführt.

Im Folgenden möchte ich ihn zu Wort kommen lassen. Seine Worte sind ein großes Vermächtnis, uns alle kritisch zu hinterfragen, ob wir den tiefen Sinn der Liturgie wirklich erkennen. So mahnt er die Priester wie folgt: „Wir müssen die Gläubigen über die heilige Messe katechetisch unterweisen, ihnen sagen, welche grundsätzliche innere Einstellung man haben muss. In der heiligen Messe beten wir den Herrn an und danken ihm. In den Zerstreuungen des modernen Lebens ist uns oft der Sinn der Anbetung verloren gegangen, das Bewusstsein, alles Gott zu verdanken.“ Wo bitte gibt es heute noch eine solche katechetische Unterweisung? Wer predigt denn noch über solche Themen?

Oder ein Zitat zur Gebetshaltung in der Hl. Messe: „Die Gläubigen knien nieder, stehen auf, setzen sich, verbeugen sich. Warum soll ich aufstehen? Muss ich dieses ewige Auf und Nieder mitmachen wie eine Marionette? Was für einen Sinn hat das? Man muss das Wozu erkennen, diese Dinge müssen mit Einsicht getan werden. Das Knien zum Beispiel ist die Haltung dessen, der demütig ist. Die innersten Gefühle müssen mit dem äußeren Zeichen in Einklang stehen; sonst wäre das alles nur Theater.“ Wie sieht es denn inzwischen aus mit dem Knien in unseren Kirchen? Gibt es noch Kniebänke? Wird man nicht mitunter komisch angeschaut, wenn man dennoch z.B. bei der Wandlung knien möchte?

Und nun Worte, die sich heute geradezu prophetisch anhören. Hier fordert der Papa Luciani zur Behutsamkeit bei der Umsetzung der Reform auf: „Stellt aber die Leute nie unvorbereitet vor die vollendete Tatsache liturgischer Neuerungen, sie könnten sonst böse reagieren. Erklärt ihnen zuerst, warum das und jenes jetzt auf einmal anders sein soll, erst dann ist es sinnvoll, die Reform in die Tat umzusetzen. Das Geheimnis liegt darin, dass die Leute überzeugt sein müssen. Wenn sie aber den Eindruck haben, dass man nur aus purer Lust am Verändern Neuerungen einführt, dann haben sie das bald satt und werden unruhig. Sie müssen vielmehr sagen können: Ich habe das verstanden, das leuchtet mir eigentlich ein, die Änderung ist richtig und notwendig.“ Genau an dieser vom Papst eingeforderten Sensibilität hat es doch in den letzten Jahrzehnten oftmals gefehlt! Daraus folgten dann viele Verletzungen.

Und nun zum Schluss noch eine Warnung vor der liturgischen Willkür. Diese Worte könnten heute zu uns gesprochen worden sein: „Das dritte Übel ist die Willkür in der Liturgie, die oft unter dem Vorwand betrieben wird, dadurch dem Volk oder einer Gruppe eine bessere und innigere Mitfeier zu ermöglichen. In einigen Zeitungen lese ich, dass manche Priester nur mit Hose und Hemd bekleidet zelebrieren, den einen oder anderen Teil im Ritus der Messe oder der Sakramente einfach weglassen, nicht approbierte Vorlagen benutzen und nicht nur in jenen Fällen, in denen es von den liturgischen Vorschriften vorgesehen ist, frei zu improvisieren. Man lässt die Laien den Kanon laut mitsprechen, erfindet neue Riten oder verwendet bestehende Riten an ganz anderer Stelle. Das alles sind unerlaubte und verwerfliche Vorgangsweisen. (…) Verwerflich, denn sie sind eine Beleidigung des christlichen Volkes, das ein Recht hat, an einer Liturgie teilzunehmen, die nicht den Einfällen irgendeines Privatmannes entspringt, sondern der authentische öffentliche Kult der Kirche ist.“ Das sind klare Worte! Wir haben ein Recht auf eine ordentliche Liturgie! Man kann nur hoffen, dass unsere Bischöfe diese Worte eines Mannes hören, der im Rufe der Heiligkeit von uns gegangen ist. In diesem Sinne besteht nach wie vor ein enormer Reformbedarf.

Fangt endlich an, die liturgische Ordnung in den Pfarrgemeinden wieder herzustellen! Nehmt bitte die Liturgiekonstitution in ihrer Gänze ernst! Nur dann können wir wieder gemeinsam in Würde und Anstand Kirche sein.

Der Verfasser dieses Beitrags, Dr. Markus Büning, ist Theologe und Jurist. Er lebt mit seiner Familie im Münsterland.

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Ermunterung zur Heiligkeit - Die Tugenden im Leben der Heiligen und Seligen
Von Markus Büning
Vorwort: Joachim Kardinal Meisner
Taschenbuch, 208 Seiten
2016 Christiana-Verlag (fe-Medien)
ISBN 978-3717112624
Preis 7,95 EUR

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Foto: Papst Johannes Paul I.




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