04 September 2016, 09:00
Wandernde Heilige Pforte auf den Salomon-Inseln
 
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Von Mónica Zorita de la Morena und Maria Lozano, Kirche in Not.

Gizo (kath.net/ KiN)
Mit der Heiligen Pforte auf den Schultern, von Insel zu Insel und von Dorf zu Dorf – so wurde das Jahr der Barmherzigkeit in der Diözese Gizo auf den Salomon-Inseln südöstlich von Neuguinea gefeiert. Einige Mitarbeiter in der Diözesanseelsorge in Gizo dachten sich: Wenn die verstreut lebenden Inselbewohner nicht zur Kathedrale kommen können, um die Heilige Pforte zu durchschreiten, dann sollte die Heilige Pforte auf Reise durch die Pfarreien und die Dörfer gehen, um zu den Menschen zu gelangen. „Auf diese Weise brachte die Heilige Pforte zwei Monate lang Vergebung und Versöhnung in 20 Dörfer“, erklärte Bischof Luciano Capelli von Gizo gegenüber der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“. Es handelt sich um eine schlichte Türe aus hellbraunem Holz, die etwa zwei Meter hoch ist. Von ihren Maßen und dem Material her könnte sie die Haustüre eines Wohnhauses sein.

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Mit einem sechs Meter langen Motorboot aus Holz wurde die Pforte von Insel zu Insel transportiert. „Wenn wir mit der Heiligen Pforte auf offener See unterwegs waren, dann waren meine Mitarbeiter und ich ergriffen. Doch waren die Überfahrten oft alles andere als beschaulich. Denn manchmal regnete es, manchmal hatten wir mit hohen Wellen oder starkem Wind zu kämpfen“, berichtet der aus Italien stammende Bischof.

In den Dörfern wurde die Heilige Pforte festlich empfangen: mit Blumen, Trachten und Tänzen. Männer traten als Krieger auf. „Mit weiß bemaltem Gesicht und einem Rock aus getrockneten Blumen führten sie eine bestimmte Choreografie vor, eine folkloristische Begrüßungszeremonie“, erläuterte Bischof Capelli, der dem Orden der Salesianer angehört. In jedem Dorf blieben der Bischof und seine Mitarbeiter zwei oder drei Tage.

An das Begrüßungsfest schloss sich ein Wortgottesdienst an. Im Mittelpunkt stand dabei das Jubiläum der Barmherzigkeit. Darauf folgte eine Gebetsvigil mit der Möglichkeit zur Beichte. Nach der Vigil wurden zerstrittene Menschen und Gruppen eingeladen, sich in Gesprächen zu verständigen und einander zu vergeben. „An diesen abgelegenen Orten gibt es weder Richter noch Rechtsanwälte. Sie kennen aber ‚Wiedergutmachungsfeiern‘“, erklärte der Bischof. In dieser Umgebung sei der Aufruf zu Vergebung und Versöhnung zentral in der Evangelisierungsarbeit der Kirche.

„Es gab eine noch nie dagewesene Teilnahme an der Liturgie“, zieht Bischof Capelli Bilanz. „Besonders bewegend war es, junge Menschen zu sehen, die alten Menschen, die nicht mehr gehen können, dabei halfen, die Barmherzigkeitspforte zu durchschreiten.“

Die Katholiken der Diözese Gizo schrieben an Papst Franziskus einen Dankbrief für das Jahr der Barmherzigkeit und gaben ihn Bischof Capelli mit, der das Schreiben inzwischen dem Papst überbracht hat. In dem Brief ist zu lesen: „Vielen Dank, Heiliger Vater, dass Sie das Heilige Jahr ausgerufen haben, das so sehr dazu beigetragen hat, die katholischen Gemeinden zu stärken. Danke, dass Sie uns die Gemeinschaft mit Rom und mit der Welt haben spüren lassen.“

Für sonstige Reisen greift Bischof Capelli lieber nicht auf Holzschiffe als Transportmittel zurück. Denn seine Diözese Gizo besteht aus mehr als 40 Inseln, die in einem Radius von 300 Kilometern verstreut sind. Um den etwa 11 000 Katholiken nahe sein zu können ist, erwarb er einen Ultraleichtflieger. Damit ist es ihm möglich, zu den entlegensten Orten der Region zu kommen. Die Menschen leben dort hauptsächlich vom Fischfang und der Landwirtschaft.

Das weltweite Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt die Diözese Gizo seit Jahren mit unterschiedlichen Projekten, etwa mit Mess-Stipendien für Priester oder mit Hilfen für die Ausbildung von Seminaristen. Um weiter in der Region helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter www.spendenhut.de oder an:

Spendenkonto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Ozeanien

Foto: © Kirche in Not

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