15 August 2016, 12:02
Sursum corda: die Zukunft hat schon begonnen
 
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Die Aufnahme Mariens in die himmlische Herrlichkeit ist für uns die überwältigende Botschaft: Die Vollendung der Schöpfung, unsere Auferstehung hat schon begonnen. Von Walter Kardinal Brandmüller

Rom (kath.net/as) „Mariä Himmelfahrt ist für uns alle ein einziges ‚Sursum corda – erhebet die Herzen’. Das aber ist ein Zuruf, den wir dringend nötig haben, wenn unser Leben nicht als ein perspektivloses, gedankenloses in den Tag hinein Stolpern oder ein mühsames Dahinschleppen auf den Straßen des Alltags verkommen soll.“


kath.net veröffentlicht die Predigt von Seiner Eminenz, Walter Kardinal Brandmüller, zum Hochfest Mariä Himmelfahrt 2016:

Es ist das Ostern der Gottesmutter, das wir heute feiern: Ihr Sohn, Christus der Herr, nimmt sie auf in seine österliche Herrlichkeit, schenkt ihr Anteil an seinem Sieg über Vergänglichkeit und Tod: „Aufgenommen ist Maria in den Himmel, des freuen sich die Engel und singen Lob und Preis dem Herrn.“ So die Liturgie des Festes.

I.

Was, aber, ist da eigentlich geschehen? Was war schon an Ostern geschehen? Ein im Grunde unfassbares Mysterium, ein Geheimnis, das die gesamte Schöpfung erfasst.

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Denken wir uns das geschaffene Universum als eine Pyramide, als ein Gebirgsmassiv – dann ist dessen Gipfel der Mensch, und als Haupt der Menschheit der Gott-Mensch Jesus von Nazareth.
Nun, da er, der auferstandene, verherrlichte Christus zur Rechten des Vaters sitzt, ragt in seiner Person nicht nur die Menschheit, sondern die gesamte Schöpfung schon hinein in die ewige Vollendung – so wie die hohen Gipfel in die Wolken dringen.

Und nun Mariä Himmelfahrt:

Ihre Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit ist für uns die überwältigende Botschaft: Die Vollendung der Schöpfung, unsere Auferstehung hat schon begonnen. Hören wir noch einmal den hl. Paulus: „Wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören, jeder wenn er an der Reihe ist. Christus hat den Anfang gemacht. Dann folgen jene, die zu Christus gehören.“

Wer aber, meine Lieben, könnte mehr, näher, enger zu Christus gehören als jene Frau, in deren gesegnetem Schoß der Sohn des ewigen Vaters seine Menschennatur angenommen hat – seine Mutter!

So sollte sie denn auch als erste ihrem Sohn mit Leib und Seele in die Osterherrlichkeit folgen. Das aber heißt: Die Auferstehung von den Toten hat nicht nur mit Christi Ostersieg begonnen, sie geht weiter – mit Maria. Und: es wird der Augenblick kommen, da auch die Kinder ihrer Mutter folgen werden.

Es ist eine wahrhaft überwältigende Zukunftsperspektive, die uns das heutige Fest eröffnet.

II.

Was aber bedeutet „Auferstehung“, „ewige Herrlichkeit“? Was heißt das: „Mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen?
Das bedeutet, dass alle Grenzen unserer menschlichen Natur fallen, Grenzen, die uns hindern, Gott in seiner Herrlichkeit zu erkennen, Grenzen, die uns hindern, Gottes Liebe wahrhaft zu erwidern. Der hl. Paulus sagt: „Stückwerk ist unser Erkennen… Jetzt schauen wir wie in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir Gott von Angesicht zu Angesicht“, jenen Gott, von dem Johannes sagt: Gott ist die Liebe“. Und für unseren Leib, der dann dem verklärten Leib des Auferstandenen Christus gleichen wird, fallen alle Grenzen von Raum und Zeit in der beseligenden Gemeinschaft mit dem Dreieinigen Gott und den erlösten Kindern Gottes.

Eben das aber hat die Gottesmutter erlebt, als der Dreieinige Gott sie mit Leib und Seele in seine Herrlichkeit aufgenommen und, wie wir im Rosenkranz beten, sie im Himmel gekrönt hat. Dort wartet nun unsere Mutter auf ihre Kinder.

III.

Mariä Himmelfahrt ist für uns alle ein einziges „Sursum corda“ – erhebet die Herzen“. Das aber ist ein Zuruf, den wir dringend nötig haben, wenn unser Leben nicht als ein perspektivloses, gedankenloses in den Tag hinein Stolpern oder ein mühsames Dahinschleppen auf den Straßen des Alltags verkommen soll.
Sursum corda – d. h. den letzten Satz des Credo in seinem vollen Ernst und Gewicht erfassen und bekennen: Ich erwarte die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt… D a s gilt es den Mühseligen und Beladenen zu sagen, die sich resignierend fragen: „Was habe ich denn noch vom Leben zu erwarten?“ Ja, was denn?: Die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt! Das haben wir zu erwarten – und in dieser Haltung antworten wir auf den Ruf „Sursum corda“ „Habemus ad Dominum“: Wir haben unser Herz mit all seinem Sehnen beim Herrn.

Wenn wir dieses Ziel im Auge haben, entfaltet es seine Anziehungskraft: Wir leben nicht für ein paar Jahrzehnte, wir leben für immer und ewig. Und: Das bedeutet, dass nicht nur alle zeitlichen und räumlichen Grenzen dahinschwinden – es wird auch keine Grenzen mehr für unser Erleben mehr geben. Jesus sagt: Ich will, dass sie – und damit meint er uns – das Leben haben und dass sie es in Fülle haben! Darauf also gehen wir zu, daraufhin leben wir. Ein Christ, der Welt und Leben in dieser Perspektive sieht, der spürt schließlich auch die Faszination, die von diesem Ziel, der Verheißung ewigen Lebens, ausgeht.

Das Erfülltsein von dieser unbeschreiblichen Zukunftserwartung lässt uns den Alltag, das Hier und Heute in seiner ganzen Vorläufigkeit erkennen. Last und Lust, Verlust und Gewinn des Augenblicks verlieren im Lichte dieses „Morgen“ an Bedeutung.

Um dieser Zukunft willen lohnt es sich, Last und Hitze des Erdentages zu tragen, den guten Kampf zu kämpfen, den Glauben zu bewahren – es wartet der Siegeskranz des ewigen Lebens.

Vom heutigen Fest, an dem wir die Gottesmutter in ihrer himmlischen Herrlichkeit feiern, geht eine Botschaft aus: Die Mutter wartet auf ihre Kinder! Eben diese Botschaft tut der Welt von heute so sehr not – und wir sind es, die diese wahrhaft frohe Botschaft verkünden dürfen.

Dennoch ist heute von so viel ganz anderem die Rede. Da geht es um Erderwärmung und Klimawandel, Artenschutz und Regenwald, um Wellness-Programme, um all die sozialen Ungerechtigkeiten oder politische Bedrohungen – von der nächsten Bankenkrise ganz zu schweigen. Oft genug hört man statt des Evangeliums solche Rede auch in den Kirchen. All das fixiert unseren Blick auf das vordergründig Irdische und hindert uns, über den Tellerrand des Alltäglichen hinauszuschauen. Geholfen ist damit keinem, und nicht selten dringt Depression in jenen Raum der Seele ein, den die Erwartung der Auferstehung und des ewigen Lebens erfüllen sollte.

Rufen wir darum uns zuerst und dann den vielen hoffnungsarmen, perspektivelosen Menschen unserer Tage das Sursum corda zu: Mit einem zum Herrn erhobenen Herzen bezwingt man auch den Alltag dieser Erde.

An ihrem heutigen Festtag ist es die in den Himmel aufgenommene und im Himmel gekrönte Gottesmutter selbst, die uns das Sursum corda zuruft: Erhebet die Herzen!

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